Festival

Forderung nach klarem Bekenntnis der Berlinale zum Kinofilm

Die Einladung von Isabel Coixets "Elisa y Marcela", der via Netflix ausgewertet werden wird, in den Wettbewerb der Berlinale hat Kritik bei den Kinobetreibern - national wie international - ausgelöst.

11.02.2019 13:34 • von Jochen Müller

So fordern mehr als 180 Mitglieder der AG Kino in einem Offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ein klares Bekenntnis der Berlinale zum Kinofilm. "Die Berlinale steht für die große Leinwand. Netflix für den kleinen Schirm", heißt es in dem Schreiben, in dem die Unterzeichner auch fordern, dass "Elisa y Marcela" in Berlin außer Konkurrenz gezeigt werden soll. Die Unterzeichner des Offenen Briefs machen auch deutlich, dass sie sich nicht gegen Coixets Film wenden, "sondern gegen das aggressive Geschäftsgebahren des Internetgiganten Netflix, der wie schon in Venedig ein öffentlich gefördertes internationales Kinofilm-Festival als Werbeplattform für das eigene Angebot missbrauchen will".

Der Offene Brief der AG Kino im Wortlaut

Auch der internationale Kinobetreiberverband CICAE hat die Einladung des Films in den Berlinale-Wettbewerb kritisiert und die Berlinale ebenfalls dazu aufgefordert, "Elisa y Marcela" nur außer Konkurrenz zu zeigen, sofern bis zum Start keine internationale reguläre Kinoauswertung zugesichert werde. Wenn der Film direkt ins Streamingangebot gehe, ohne, dass es zu einer Kinoauswertung komme, hätte sich der Berlinale-Wettbewerb einem Unternehmen geöffnet, "das die weltweiten Vereinbarungen zur Auswertungsfolge von Filmen boykottiert", heißt es in einer CICAE-Mitteilung. "Entweder ist Berlin ein Filmfestival und zeigt nur Werke, die für das Kino bestimmt sind, oder es ist kein Kinofestival mehr, sondern ein TV- oder ein Plattform-Festival", macht CICAE-Präsident Detlef Rossmann deutlich.