Kino

Berlinale muss ein Kinofilm-Festival bleiben!

Liebe Staatsministerin Prof. Monika Grütters, lieber Dieter Kosslick,

11.02.2019 13:31 • von Jochen Müller
wir, die unabhängigen Filmkunstkinobetreiber in Deutschland, sind nicht damit einverstanden, dass im Wettbewerb der Berlinale mit ELISA Y MARCELA von Isabel Coixet ein Film gezeigt wird, der keine reguläre Auswertung im Kino bekommt, sondern nur auf Netflix zu sehen sein wird. Wir fordern daher, den Beitrag außer Konkurrenz zu zeigen!

Entgegen anders lautender Beteuerungen des Rechteinhabers Netflix deutet alles darauf hin, dass der Film nicht regulär ins Kino kommen wird. Es ist inakzeptabel, dass Netflix im Sinne der Durchsetzung des eigenen erzkapitalistischen Geschäftsmodells mit purer Wirtschaftsmacht einseitig eine Umdeutung des Begriffs Kinoauswertung erzwingen will. Eine Auswertung wider Gesetze und funktionierende Gepflogenheiten verstößt gegen die Statuten des Festivals. Die Berlinale steht für die große Leinwand, Netflix für den kleinen Schirm. Wir möchten, dass dies auch künftig so bleibt und das größte Publikumsfestival der Welt mit über 300.000 Kinobesuchern nicht zum Fernsehfestival wird! Nur das gemeinschaftliche Erleben vor der großen Leinwand erzielt die Relevanz, die Filmkunst auch verdient.

Wir wenden uns hier ausdrücklich nicht gegen den Film von Isabel Coixet, sondern gegen das aggressive Geschäftsgebahren des Internetgiganten Netflix, der wie schon in Venedig ein öffentlich gefördertes internationales Kinofilm-Festival als Werbeplattform für das eigene Angebot missbrauchen will. Aus unserer Sicht besteht die große Gefahr, dass sich Netflix Festivals und Filmpreise zu Nutze macht, um die Kinos und alle anderen nachfolgenden Auswertungsmedien an den Rand zu drängen und die eigene Marktmacht auszubauen.

Wir sehen eine zunehmende Monopolisierung, die am Ende auch den Zuschauern die Auswahlmöglichkeiten nimmt und den Kulturort Kino massiv gefährdet. Die Sichtbarkeit von Filmen und der gesellschaftliche Diskurs auf den großen Leinwänden weltweit steht hier gegen die Exklusivität bei einem Global Player und eine Sichtbarkeit nur auf dem kleinen Schirm. Die Kinos brauchen eine faire Chance, Filme vernünftig auszuwerten. Nur so können wir Filmvielfalt erhalten und Filmkultur für alle erlebbar machen.

Es gilt daher, die Regeln für eine Teilnahme am Berlinale Wettbewerb und anderen steuergeldfinanzierten Festivals zu konkretisieren, die auch in Zukunft sicherstellen, dass wir hier den Kinofilm in seinem eigentlichen Umfeld feiern. Damit tragen Sie Ihren Teil dazu bei, dass die Kinos als Ort des demokratischen Diskurses für alle Menschen auch weiterhin erhalten bleiben. Zudem sollte es in dieser Angelegenheit einen klaren Zusammenschluss mit dem Festival in Cannes und idealerweise weiteren großen Festivals geben.

Ihre unabhängigen Kinobetreiber