Kino

KOMMENTAR: Zum Abschied ein großes Dankeschön

Der deutsche Film kann nicht genug Botschafter und Unterstützer haben. Schließlich ist er viel besser als sein Ruf. Gleich drei Fürsprecher des deutschen Films verabschieden sich in diesem Frühjahr aus ihren Positionen. Zeit für ein Dankeschön.

01.02.2019 07:52 • von Jochen Müller

Der deutsche Film kann nicht genug Botschafter und Unterstützer haben. Schließlich ist er viel besser als sein Ruf. Gleich drei Fürsprecher des deutschen Films verabschieden sich in diesem Frühjahr aus ihren Positionen. Zeit für ein Dankeschön. In der Medienpolitik wird der Film gerne als Quantité négligeable gehandelt. Ganz gewiss gilt er als nicht so wichtig wie das Fernsehen und seine Granden, die der Politik unentwegt im Gehörgang sitzen. Selbst die Zeitschriftenverleger werden als bedeutender erachtet. Wenn Sender sich bei ihren ausufernden Informationsbemühungen im Internet auf einen Kompromiss einlassen, dann wird das mit der Verweildauer von Filmen in der Mediathek ausgeglichen, ohne dass die Produzenten als potenzielle Rechteinhaber überhaupt gefragt werden. Interesse und Neugier für den deutschen Film, Verständnis für die Bedürfnisse seiner kreativen Macher bei Politikern und beim Publikum zu wecken und zu nähren, das haben sich an unterschiedlichster Stelle drei profilierte Botschafter auf die Fahnen geschrieben.

Da ist zuallererst Iris Berben, die nach neun Jahren als Präsidentin der Deutschen Filmakademie nicht wieder antritt. Sie hat sich nun wirklich unermüdlich für die Belange des Films, der kleinen und der großen Filmemacher eingesetzt, war das Gesicht der Akademie und die erste Ansprechpartnerin für die Kulturpolitik in Berlin und anderswo. Ihren Charme, ihr Charisma und ihre Popularität hat sie eingebracht, um dem deutschen Film gerade in seinem Ursprungsland zu mehr Wahrnehmung und Anerkennung zu verhelfen. Dass so ein Job viel Freude macht und enorm viel Stress zum schon verhandenen als Star im Rampenlicht bringt, macht ihr Engagement noch eindrucksvoller.

Da ist Dieter Kosslick, der den Spaß und die Freude am deutschen Film in die Berlinale zurück gebracht hat. Als hätte er einen grauen Schleier weg gezogen, wurde in den 18 Jahren mit ihm als Festivaldirektor auch die heimische Produktion gefeiert. Mag die notorisch nörgelnde Hauptstadtpresse auch nie ihren Frieden mit ihm oder dem deutschen Film gemacht haben, so ist für die Künstler der Ruf in den Wettbewerb längst nicht mehr der Gang zum Schafott wie noch in den 90er Jahren. Auch Kosslick absolviert nun seine letzte Berlinale, und die Auswahl der deutschen Filme im Wettbewerb zeigt die beachtliche Bandbreite, für die er seit seinen Tagen als Förderer steht, und macht Lust auf deutsches Kino.

Zuletzt ist da der SPIO-Präsident Alfred Holighaus, der in vierzig Jahren und vielen Funktionen vor allem den jungen deutschen Film gefördert hat. Die letzten Jahre war er offizieller Kinofilmbotschafter in Brüssel und Berlin, setzte seine Kompetenz und sein Format für die SPIO als unermüdlicher Lobbyist ein. Ihnen allen schuldet die Branche Dank für Ihren Einsatz. Das muss auch mal an dieser Stelle gesagt werden.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur