Kino

Universum: Der Emmerich-Effekt

Gut sieht es aus, das Programm, mit dem Universum in diesem Jahr alle Publikumsschichten im Kino bedienen wird. Auf der Filmwoche München wurden besonders lange Ausschnitte aus dem neuen "Asterix", dem Oscar-Kandidaten "Vice" und ein exklusiver persönlicher Auftritt von Roland Emmerich beklatscht.

23.01.2019 16:48 • von Thomas Schultze
Roland Emmerich sorgt wieder für großes Überwältigungskino (Bild: Kurt Krieger)

Gute Stimmung herrscht eigentlich immer, wenn Bernhard zu Castell, Geschäftsführer des Universum Filmverleih, die Bühne des Saal 6 im Mathäser betritt, um im Rahmen der Filmwoche München die aktuelle Staffel des Münchner Verleihs vorzustellen. Sein charmanter Witz und seine augenzwinkernde Selbstironie kommen einfach an bei den Kinobetreibern. Zwar kam zu Castell ebenfalls zum Auftakt nicht herum, das Kinojahr 2018 auch für Universum als bestenfalls "durchwachsen" zu deklarieren. Aber auch er gab sich zuversichtlich, dass man für 2019 die richtige Mischung zu bieten hat, um das Pendel wieder in die Erfolgsrichtung schwingen zu lassen.

Den Auftakt der 90-minütigen Show machte noch einmal der Trailer für Der Club der roten Bänder - Wie alles begann", von dem sich Verleih nach dem durchschlagenden Erfolg der drei Staffeln umfassenden Vox-Serie im Kino Einiges erhofft: Bei der großen Fangemeinde wird das Prequel, in dem erzählt wird, wie es zu dem Club kam, mit großer Spannung erwartet. Im Family-Entertainment-Block wurden anschließend vier Titel vorgestellt. Der Publikumsliebling Rabe Socke geht in "Der kleine Rabe Socke - Die Suche nach dem verlorenen Schatz" in die dritte Runde. Neben den Veteranan Jan Delay und Katharina Thalbach konnte diesmal auch Dieter Hallervorden als Sprecher gewonnen werden. Für die ganz kleinen Kinogänger ist Prinzessin Emmy" konzipiert, in dessen Mittelpunkt neben der Titelfigur gleich 26 sprechende Pferde stehen; ein etwas ältere Zielgruppe spricht dann die Fantasygeschichte Bayala - Das magische Elfenabenteuer", basierend auf der beliebten Schleich-Figuren-Reihe. Die Macher haben bereits mit den "Niko"-Filmen bewiesen, dass sie ihr Fach verstehen. Das trifft auch auf die kreativen Köpfe hinter Luis und die Aliens" zu, die mit Die sagenhaften Vier" eine sehr komische Neuinterpretation der Bremer Stadtmusikanten auf die Beine gestellt haben.

Eine wichtige Rolle im Programm von Universum spielt seit Jahren das Thema Anime - allerdings bis vor kurzem vornehmlich im Home-Entertainment. Seit dem Erfolg der letztjährigen Eventprogrammierung von "Your Name" hat japanische Animation auch endgültig ein Zuhause in der Kinostrategie des Hauses. In diesem Jahr kann sich die Fangemeinde gleich im Februar schon einmal über "Big Fish & Begonia" freuen.

Zwei deutsche Produktionen versprechen spannende Unterhaltung: In Kidnapping Stella" erzählt Thomas Sieben einen harten Thriller mit Jella Haase, Max von der Groeben und Clemens Schick, in dem es durchaus zur Sache geht. Bernhard zu Castell sieht den Film bei einer FSK 16. Perfekten Suspense inszeniert indes Regiedebütant Patrick Vollrath, der 2016 für seinen Kurzfilm "Alles wird gut" für einen Oscar nominiert war, in 7500", in dem sich, komplett aus dem Cockpit eines Passagierflugzeugs erzählt, vor den Augen des Kopiloten Joseph Gordon-Levitt eine Flugzeugentführung. Großen internationalen Thrill mit zwei Oscar-Gewinnern bietet indes "Im Netz der Versuchung" mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway in den Hauptrollen, während Richard Linklater der großartigen Cate Blanchett in der Bestsellerverfilmung Bernadette" eine große Bühne bereitet. Richtig zur Sache geht es in dem Reboot des Comic-Franchise Hellboy", "Hellboy -Call of Darkness", in dem Guillermo Del Toro von dem britischen Genrespezialisten Neil Marshall abgelöst wurde und Stranger Things"-Star David Harbour an die Stelle von Ron Perlman getreten ist, um den blutroten Höllenjungen zu spielen, der hier gegen Milla Jovovich antritt.

Die drei größten Filme in der Universum-Staffel hatte sich Bernhard zu Castell für den Schluss aufgehoben. Tosenden Applaus gab es für den kompletten Anfang von Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks", der in Frankreich mehr als vier Millionen Besucher begeistert hat und auch hierzulande mit den Stimmen von Charly Hübner und Milan Peschel ein großes Publikum finden sollte. Fasziniert waren die Kinobetreiber im Mathäser auch von 17 Minuten aus Vice - Der zweite Mann", der gestern acht Oscar-Nominierungen erhalten hatte. Und schließlich kam eben noch Roland Emmerich auf die Bühne, um vom Fortschreiten der Arbeit an seinem gerade abgedrehten Midway" zu erzählen, einem prächtigen Kriegsabenteuer u. a. mit Woody Harrelson, Dennis Quaid und Patrick Wilson in den Hauptrollen. Leider gab es noch kein Bewegtbild. Aber wenn Emmerich verspricht, dass der Film groß werden wird, dann kann man ihm schon glauben.