Kino

Facebooks Kino-Strategie

Nahtlos zum Kinoticket: Beim ICTA-Seminartag zur Filmwoche lieferte Facebook-Vertreter Frank Ditz interessante Fakten zur voll integrierten Kinobesuchsplanung über die Social-Media-Plattform.

23.01.2019 08:00 • von Marc Mensch

Dass der diesjährige ICTA-Seminartag zur Filmwoche von einem mitunter durchaus kritischen Blick auf die Entwicklung der Kinomärkte geprägt sein würde, konnte angesichts so mancher Bilanz (insbesondere natürlich der deutschen) nun wirklich nicht überraschen. Umso wohltuender mochte da die Einschätzung sein, die ausgerechnet vom Vertreter einer Plattform kam, die sich die Filmindustrie zwar selbstverständlich eifrigst zunutze macht, die mitunter aber auch als einer jener zeitfressenden Faktoren gesehen wird, die es dem Kino zunehmend schwer machen, wichtiger Teil des individuellen Freizeitverhaltens zu werden.

Nun, für den Head of Entertainment & Media bei Facebook steht fest: "Es gibt kein generelles Problem mit dem Kino! Die Leute lieben es nach wie vor!", so Frank Ditz. "So sie denn realisieren, dass es existiert", könnte man überspitzt erwidern. Denn das von Ditz formulierte Problem hat die Branche natürlich längst auch selbst erkannt: Es herrscht ein gnadenloser Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Konsumenten, der dadurch nicht eben weniger hart wird, dass er sich (steigenden Startzahlen sei Dank) schon alleine innerhalb des Segments Film abspielt.

Für den einzelnen Film macht es das natürlich denkbar schwierig. Doch die gute Nachricht ist: Bei Facebook sehe man, dass filmbezogener Content mit das größte Interesse und die höchste Bindungswirkung generiere. Womit man bei einer Erkenntnis landet, die beileibe nicht neu ist und beispielsweise schon der Gründung von DeinKinoticket.de zugrunde lag: Je einfacher und schneller man das geweckte Interesse an einem Kinofilm in einen Ticketkauf übersetzen kann, desto besser.

Und was wäre einfacher, als diese "Customer Journey" komplett auf jener Plattform anzutreten, auf der man sich ohnehin bewegt und auf der man potenziell zuerst von einem Film erfahren hat? Insofern ist es sicherlich nicht despektierlich, zu konstatieren, dass Facebook mit dem, was man aktuell bereits in den USA testet, das sprichwörtliche Rad nicht neu erfindet, sondern schlicht auf ein nahe liegendes Bedürfnis reagiert: Vom Trailer zum Ticket mit wenigen Klicks, alles ohne die Plattform verlassen zu müssen. Ist im Prinzip so simpel wie es klingt - übersetzt sich laut Ditz aber in eine Umsetzungsrate (Verhältnis Wahrnehmung/Ticketkauf), die im Rahmen des US-Testlaufs um 20 Prozent über jener ohne direkte Brücke von Facebook zu Ticketingplattformen wie Fandango liege. Wer Marktingbudget einsetze, um z.B. Trailer prominenter auf Facebook zu platzieren, komme pro Ticketkauf auf einen um 25 Prozent effektiveren Einsatz der Gelder.

Eine nicht unerhebliche Rolle spiele dabei die optimale Personalisierung von Werbebotschaften. So könne der Algorithmus per beständiger Effektivitätsanalyse dafür Sorge tragen, aus diversen alternativen Bausteinen optimierte Fassungen für diverse Zielgruppen zu stricken. Denn ganz egal um welches Produkt oder welche Leistung es gehe - die Botschaft müsse so relevant wie irgend möglich sein. Wem das nicht ohnehin klar ist, für den hatte Ditz einen beeindruckenden Maßstab parat: Im Schnitt scrolle sich jeder Facebook-Nutzer pro Tag durch 99 virtuelle Feed-Meter. Die Entscheidung, ob ein Post angeklickt werde oder nicht, falle innerhalb von 0,5 Sekunden.

Wann Facebook auch deutschen Usern den direkten Weg zum Kinoticket ermöglicht? Wollte Ditz ad hoc noch nicht sagen - aber es ist wohl kein Geheimnis, dass sich ein Besuch der diesjährigen Präsentation von DeinKinoticke.de diesbezüglich womöglich lohnen könnte...