Produktion

Trimafilm startet durch

Alles läuft gut: Die von Trini Götze und David Armati Lechner geführte Münchner Produktion startet mit ihren ersten Langfilmen durch. Eva Trobischs Debüt "Alles ist gut" ist auf der Lola-Shortlist und Mariko Minoguchis Debüt "Relativity" wird fertiggestellt.

18.01.2019 11:40 • von Heike Angermaier
"Alles ist gut" ist der vielfach prämierte Langfilmdebüt von Trimafilm (Bild: NFP (Filmwelt))

Die von Trini Götze und David Armati Lechner geführte Trimafilm startet mit ihren ersten Langfilmen durch. Eva Trobischs Debüt Alles ist gut" ist auf der Lola-Shortlist und Mariko Minoguchis Debüt Relativity" wird fertiggestellt.

Trini Götze produzierte bereits die Kurzfilme der Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen Eva Trobisch und Mariko Minoguchi während ihres Studiums an der HFF München. Nun feiert sie gemeinsam mit ihrem Produktionspartner seit 2017 David Armati Lechner einen Festivalerfolg nach dem anderen mit dem Langfilmdebüt ihrer Firma und dem von Trobisch, "Alles ist gut", das gleichzeitig auch als Trobischs Abschlussfilm an der HFF gilt und mit Unterstützung von Starhaus im Sommer 2017 gedreht wurde. Das intensive, anspruchsvolle Drama um eine Frau, die vergewaltigt wird, sich aber einredet, dass weiterhin alles gut sei, wurde bei seiner Premiere beim Filmfest München gleich dreifach ausgezeichnet - mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino für Regie und für Hauptdarstellerin Aenne Schwarz sowie dem FIPRESCI-Preis - und erntete seitdem etliche weitere Preise auf den Festivals von Locarno, Thessaloniki, den Hamptons, in Stockholm und kürzlich in Marrakesch und Macao. Gerade wurde es auf die Vorauswahlliste zum Deutschen Filmpreis gesetzt. Ab Ende September war das erwachsene Drama, das trotz seines schweren Themas auch mit einer gewissen Leichtigkeit umgesetzt ist, über NFP auch regulär im Kino. Götze, die die Firma 2012 mit Philipp Trauer als Trimaphilm gründete und sie später zu Trimafilm GmbH umfirmierte, und Armati Lechner wurden für "Alles ist gut" außerdem mit dem VGF-Nachwuchsproduzentenpreis gewürdigt. Der Preis wurde Ende Oktober im Rahmen der Hofer Filmtage vergeben.

Das Produzentenduo hatte nicht damit gerechnet, dass der Film in der regulären Kinoauswertung ein Millionenpublikum erreichen wird, aber bei Festivals gut ankommen würde, nicht aber mit diesem Erfolg: "Dass unser Glaube an die Qualität des Filmes auf diese Weise bestätigt wurde, freut uns sehr", so Götze. Armati Lechner führt aus:"Bei Diskussionen über das Drehbuch und der Umsetzung haben wir uns bewusst für die konsequentere statt einer publikumsfreundlicheren Variante entschieden." Dazu gehörte etwa auch der Verzicht auf einen Score. "Das heißt nicht, dass wir nur Filme machen wollen, die nicht fürs breite Publikum sind", so Götze, die betont, dass der Film, den Trobisch 70 Stunden Material drehte, weil sie mit ihren Schauspielern unterschiedliche Herangehensweisen testete, vorallem international auch außerhalb von Festivals Annerkennung findet. In Frankreich soll "Alles ist gut" etwa im März 2019 über Wild Bunch in den Kinos starten.

Bereits vor Trobisch hatte Götze Minoguchi kennengelernt, vor zehn Jahren bei der Serie Um Himmels Willen". Sie produzierte später Minoguchis Kurzfilme "Geschwisterherzen", Karlstod" und "Ich mag dich nicht mehr". Momentan arbeiten sie gemeinsam an der Fertigstellung von "Relativity", Minoguchis Langfilmregiedebüt. In der poetischen Liebesgeschichte über die Macht der Vorsehung spielen Saskia Rosendahl und Julius Feldmeier das Paar Aron und Nora, deren junges Glück jäh zerstört wird, als sie in einen Banküberfall geraten und Aron getötet wird. Nora betäubt ihren Schmerz und verbringt die Nacht mit einem Fremden - gespielt von Edin Hasanovic -, der ihr seltsam bekannt vorkommt. Sie ahnt jedoch noch nicht, was sie wirklich verbindet. Gedreht wurde mit Thomas Wöbke und seiner BerghausWöbke Filmproduktion als Koproduktionspartner und mit Jonathan Saubach von Telepool als Verleih - und einem jungen Team - u.a. mit dem Kamermann von "Alles ist gut" Julian Krubasik - von Ende März bis Mitte Mai 2018. Minoguchi tritt aktuell auch als Koautorin von Tim Fehlbaums in Produktion befindlichem postapokalyptischen Drama Haven - Above Sky" in Erscheinung, das Wöbke produziert. "Mit Mariko zusammen habe ich im Filmbereich angefangen und so war ihr Langfilmregiedebüt auch ein Herzensprojekt für mich ebenso wie das von Eva", sagt Götze. "Relativity" soll bei einem Festival Premiere feiern. Geschnitten wurde es von Andreas Menn in Köln, die Post läuft noch in München.

Im November 2018 drehte Trimafilm zudem gemeinsam mit Network Movie für ZDF - Das kleine Fernsehspiel sechs Folgen der Web- und TV-Miniserie "Fett und Fett" ab, die von Regisseurin Chiara Grabmayr mit den Darstellern Jakob Schreier, Isabella Wolf, Katrin Röver, Mathias Lillienthal und Wolfgang Flatz in Szene gesetzt wurde. Grabmayr, die mit Trimafilm bereits den Spot "Moonjourney" realisierte, und Schreier schrieben auch die unterschiedlich langen Episoden, die authentisch und mit Witz vom Lebensgefühl von Endzwanzigern in München erzählen. Die beiden Studenten der HFF München wurden für ihre ersten fünf selbst produzierten Episoden, die sie auf Vimeo stellten, beim Seriencamp 2016 ausgezeichnet. ZDF wurde darauf aufmerksam und bestellte eine zweite Staffel, die gemeinsam mit den alten Folgen ausgestrahlt und ein Jahr lang in der Mediathek abrufbar sein sollen. Veronika Neuber, die bereits bei "Alles ist gut" und "Relativity" in der Produktion mitwirkte, produziert.

Mit Grabmayr denkt Trimafilm auch über ihr Langfilmdebüt nach. Und natürlich arbeitet das Duo gerne auch wieder mit Trobisch und Minoguchi zusammen. Kontinuität in der Zusammenarbeit ist Götze und Armati Lechner sehr wichtig, nicht nur bei der Regie, sondern auch beim Team. Für 2019 sind aber erst einmal keine Dreharbeiten geplant. "Das Jahr steht ganz im Zeichen der Entwicklung. So ist der mit 60.000 dotierte VGF-Produzentenpreis sehr wertvoll für uns", so Götze. "Als Nachwuchsproduzent schafft man es kaum, einen Film zu drehen, während man das nächste Projekt vorbereitet und das übernächste entwickelt. Dafür hat man einfach nicht die Kapazität", führt Armati Lechner aus und ergänzt: "Wir hoffen darauf, dass künftig bei der Projektentwicklungsförderung eine höhere Producers Fee kalkulierbar sein wird um sich auch während der Entwicklung als Produzent über Wasser halten zu können. Es freut uns jedoch sehr, dass durch die diesjährige Absenkung der Eigenmittel auf 2,5% unsere heimische Förderung dem Produzenten unter die Arme greift."

"In den letzten eineinhalb, zwei Jahre haben wir uns sehr viel weiterentwickelt. Wir sind aus der Filmhochschule und den Kurzfilmen herausgewachsen und haben uns als unabhängige Produzenten selbständig gemacht", fasst Götze zusammen. "Es hätte nicht besser laufen können", konstatiert Armati Lechner und führt aus: "Innerhalb von nur einem Jahr haben wir "Relativity" finanziert - für ein Debüt eigentlich sehr gut - und auch der Dreh und der Schnitt liefen sehr gut". Davor setzte man auch "Alles ist gut" verhältnismäßig rasch um, auch um die angestrebte Premiere beim Filmfest München zu schaffen. Von der Erfahrung bei "Alles ist gut" profitierte das Duo und suchte sich für "Relativity" Verstärkung für die Crew, u.a. in der Aufnahme- und Produktionsleitung, Positionen, die es bei "Alles ist gut" noch selbst ausfüllte. Bei "Relativity" konnten sie sich so mehr auf ihre eigentlichen, produzentischen Aufgaben konzentrieren, etwa auch ans Marketing denken, so Armati Lechner.

Über die Zusammenarbeit mit Götze in der Firma sagt Armati Lechner: "Wir ergänzen uns sehr gut in unseren Stärken und Schwächen. Wir kümmern uns gemeinsam um alles und wir legen beide sehr viel Wert auf die inhaltliche Arbeit." Das Duo ist für alle Genres und Formate aufgeschlossen: "Wir wollen uns bei den Stoffen nicht einschränken, ausschlaggebend sind die Regisseure und Drehbuchautoren, die besondere Erzählweise", sagt Götze und Armati Lechner ergänzt: "Wir entscheiden nach unserem Bauchgefühl, nach unserem Interesse. Wir denken "von innen nach außen", suchen erst den Inhalt und dann den Rahmen, die Form, die dazu passt." Eine Einschränkung gibt es: "Wir konzentrieren uns auf deutsche Projekte, versuchen, den deutschen Film attraktiver zu machen - am liebsten im Kino, aber gerne auch bei Streaming-Diensten", schließt Götze.