Kino

"Wir müssen umdenken!"

Beruflich mag Peter Sundarp künftig kürzer treten - die Branche behält er dennoch im Herzen. Gerade deshalb nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Herausforderungen zu benennen.

16.01.2019 12:23 • von Marc Mensch

Zum Ende des vergangenen Jahres gab Peter Sundarp die Geschäftsführung des einst von ihm gemeinsam mit Günther Mertins aus der Taufe gehobenen Central Film Verleih ab. Der Branche bleibt er gleichwohl verbunden - auch mit einem durchaus kritischen Blick. Im Interview mit Blickpunkt: Film blickt Sundarp auf Zeiten eines florierenden Geschäfts zurück - und spricht Klartext hinsichtlich heutiger Herausforderungen und Missstände.

Blickpunkt: Film: 1994 haben Sie den Central Film Verleih gemeinsam mit Günther Mertins gegründet. Hätte es Sie nicht gereizt, als Geschäftsführer noch das 25-jährige Jubiläum feiern zu können?

Peter Sundarp: Ich habe ja nun im Dezember meinen 75. Geburtstag feiern dürfen und mit ihm war einfach der Zeitpunkt gekommen, sich selbst einen Abschied zu gönnen. Ich glaube, ich habe lange und hart genug gearbeitet; irgendwann müssen einfach auch mal neue Leute ran. Central Film werde ich aber selbstverständlich eng verbunden bleiben - und vielleicht durchaus noch den einen oder anderen Kontakt mit Produzenten knüpfen. Auch das für April anstehende Jubiläum werden Günther Mertins und ich mitfeiern. Es ist also beileibe nicht so, als hätten ich und Central uns die Rücken zugekehrt. Wir sind und bleiben sehr freundschaftlich verbunden. Glauben Sie mir, wenn man ein Unternehmen gegründet und im Lauf der vielen Jahre zwei Mal quasi aus der Pleite geholt hat, dann schließt man nicht einfach damit ab. Soweit ich auch künftig noch etwas für Central tun kann, mache ich das sehr gerne.

BF: So ganz kehren Sie der Branche also nicht den Rücken?

PS: Diese Branche lässt man niemals gänzlich hinter sich. Es hat sich ja auch so ergeben, dass ich wieder ein Büro neben meinem guten Freund und Geschäftspartner Günther (Mertins) haben werde. Er braucht jetzt nicht zu befürchten, dass ich mich täglich einmische (Lacht), dazu sind die Kinoteams viel zu gut eingespielt. Aber vielleicht kann ich durchaus noch mit dem einen oder anderen Rat dienen.

BF: Sie haben zuerst mit Tobis und später Central insgesamt über 860 Filme auf die Leinwände gebracht, die zusammen rund 325 Mio. Besucher erreicht haben. Ist Ihnen einer davon besonders im Gedächtnis geblieben?

PS: Das war tatsächlich "Amadeus", den 14 Kinos über ein Jahr lang durchgehend im Programm hatten. Das war schon enorm - auch wenn es natürlich ganz andere Zeiten waren. Wissen Sie, die Tobis hatte ihre Glanzperiode zwischen Mitte der Siebziger und Ende der Achtziger. Eine Zeit, in der wir teils vier oder fünf Goldene Leinwände pro Jahr feiern konnten. Dass man Titel unbesehen programmierte, war damals ja ganz normal, schließlich kam erst viel später auf, dass Kinobetreiber den Großteil der Filme vorab sehen können. Aber wir sind dann tatsächlich so weit gegangen, "Überraschungsfilme" zu vermieten, also solche, bei denen vorab nicht einmal der Titel kommuniziert wurde. Und was soll ich sagen? Von 13 dieser Filme haben zehn eine Goldene Leinwand bekommen. Ein Tobis-Film wurde einfach gespielt, selbst wenn wir einen Termin zwei Jahre im Voraus mit einem neuen Werk von Bud Spencer und Terence Hill blockiert haben. Wie man hörte, hieß es damals von Betreiberseite mitunter "Wir können noch nicht abschließen, die Tobis war noch nicht da!", wenn die Amerikaner mit ihren Filmen ankamen. Diese Zeit hat schon wahnsinnig Spaß gemacht.

BF: Nicht schlecht für ein Unternehmen, das Horst Wendlandt eigentlich ausschließlich für die Verwertung der Werke von Charlie Chaplin gegründet hatte.

PS: Das ist sicher richtig (Lacht). Ausschlaggebend war damals ja, dass deren Vorführrechte nur unter der Bedingung erteilt wurden, dass diese gänzlich unabhängig von anderen Filmen verliehen wurden. Das konnten wir mit dem eigens gegründeten Unternehmen anbieten - und deswegen haben wir den Zuschlag erhalten, obwohl man ehrlich gestehen muss, dass wir damals keinerlei Ahnung vom Verleihgeschäft hatten. Wir haben tatsächlich in alle möglichen Unterlagen anderer Verleiher hinein geschnuppert, um zu sehen, wie das mit Terminbestätigungen oder Bezugsbedingungen so aussieht. Der Plan war wirklich, die Tobis nach Auswertung der Chaplin-Filme wieder zu schließen. Aber mit zunehmendem Erfolg wuchs der Spaß und wir erkannten, dass man eigentlich auch weitermachen könnte. Wendlandt hat dann gleich einmal "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" gekauft, da ging's dann natürlich Schlag auf Schlag weiter...

BF: Ende der 1980er haben Sie Ihre Tätigkeiten um die des Kinobetreibers erweitert. Hat Sie diese Doppelrolle jemals in eine Zwickmühle gebracht, was die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Geschäft anbelangt?

PS: Die Rolle desjenigen, der sich um die Kinoseite kümmert, ging ja relativ schnell an Günther Mertins, der aus diesem Bereich kam. Ich hatte ihn bei einer Premiere im Kant-Kino kennengelernt und als meinen Assistenten zur Tobis geholt, wo er sich unter anderem um die Filme aus der Verleihgemeinschaft mit der Constantin kümmerte. Die Kinobuchhaltung quasi in der Mittagspause zu bestreiten, hatte spätestens dann ein Ende, als wir den Titania-Palast übernommen und ausgebaut hatten. Nachdem wir dann schon gemeinsam Central Film gegründet hatten, musste eine Aufteilung her - und er kümmerte sich fortan ums Kino-, ich um das Verleihgeschäft. Trotzdem habe ich mich natürlich auf beiden Seiten bewegt - aber ich sah mich nie in einer Zwickmühle. Dass ich mich über 30 Jahre im Verleiherverband halten konnte, lag vermutlich gerade daran, dass ich sowohl die Probleme der Kinos als auch jene der Distribution kannte und stets versucht habe, Dinge zusammenzuführen. Und meine Kollegen im Verband sind da auch grundsätzlich mitgegangen, zumindest hat mir niemals jemand vorgeworfen, mit einer rosa Kinobrille zu argumentieren. Das ist doch auch nur logisch: Wenn der eine leidet, leidet der andere ebenso. Wir sitzen im selben Boot!

BF: Das ist zweifelsohne richtig, dennoch würde Ihnen vermutlich nicht jeder Kinobetreiber zustimmen, dass stets ein gerechter Interessenausgleich erfolgt. Nehmen wir nur die Belieferungsfrage...

PS: Sämtlichen Interessen beider Seiten stets gerecht zu werden, wäre wohl auch ein wenig zu viel verlangt. Allerdings glaube ich, dass man gerade die Frage der Belieferung nicht ganz so kritisch betrachten darf, wie Einzelne das tun. Die Wahrheit ist doch: Bei einem kleinen Film fragt niemand nach. Die muss man in der Flut der Neustarts doch eher anbieten wie Sauerbier. Und im Prinzip ist das im mittleren Segment nicht anders. Wobei in beiden Fällen gilt: Wir sprechen doch aus Erfahrung, wenn wir sagen, dass gerade diese Filme aufgebaut werden wollen, sich entfalten müssen. Wer da in der zweiten oder dritten Woche hinzukommt, hat doch eher Vorteile, wenn sich ein guter Film dann schon herumgesprochen hat. Auf der anderen Seite fliegen Filme gnadenlos von den Leinwänden, wenn sie zum Start zu breit vermietet waren und der Kopienschnitt entsprechend niedrig ausfällt. Und bedenken Sie, dass wir - außer bei den Kriterienhäusern - für den Großteil der Kinos noch VPF bezahlen! Nun, am Ende bleiben vielleicht 15 bis 20 Filme pro Jahr, bei denen ernsthaft Rückfragen kommen. Aber wir sprechen hier von Titeln, die ohnehin mit 700 Kopien und mehr anlaufen. Irgendwo muss auch eine Grenze sein, fürchte ich. Wir haben doch ohnehin schon nicht genug Leinwände, um alles an Programm aufzunehmen, was der Markt hervorbringt. Und bei einem echten Blockbuster wird man auch in späteren Wochen sein Geschäft machen.

BF: Apropos "alles an Programm aufnehmen". Das wird durch teils unflexible Verleihbedingungen nun auch nicht gerade erleichtert, oder?

PS: Das ist tatsächlich ein Punkt, den auch Verleiher im mittleren Segment regelmäßig beklagen. Denn wenn beispielsweise eine Nachmittagsvorstellung durch einen FSK-16-Titel blockiert wird, die sich mit einem Familienfilm viel sinnvoller belegen ließe, dann bleibt ganz klar Publikumspotenzial auf der Strecke. Das wird niemand ernsthaft bestreiten können. Natürlich muss man es auch von der anderen Warte aus sehen: Selbst wenn zu so einem Termin nur zehn Besucher kommen, summiert sich das bei hunderten von Kopien schon wieder. Und kein Verleih hat Geld zu verschenken. Trotzdem glaube ich, dass in diesen Punkt durchaus Bewegung kommen könnte - allerdings müssten die Kinos dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

BF: Sie sprechen von Transparenz?

PS: Genau! Es kann doch nicht angehen, dass man wieder und wieder beklagt, wie schwach einzelne Slots frequentiert werden - um dann aber mit den Zahlen hinter dem Berg zu halten, wenn konkret nachgefragt wird. Bekanntermaßen bekommen die Verleiher nur Tagesauswertungen, die nicht pro Vorstellung aufgeschlüsselt sind. Wenn man sich hier bewegen würde, könnte man doch auf ganz anderer Basis miteinander sprechen! Denn dass unter dem Strich mehr herauskommen würde, wenn jede Vorstellung optimal belegt wäre, liegt doch auf der Hand. Ähnliches gilt übrigens auch für die grundsätzliche Terminierung, wo sich innerhalb der Verleiher auch nicht abgesprochen wird. Sehen wir uns nur an, was jetzt zu Weihnachten wieder an Kinder- und Familienfilmen miteinander konkurrierte - es ist doch gar nicht denkbar, dass jeder dieser Filme sein Potenzial voll ausspielte. Allerdings muss man natürlich auch hier sehen, dass jeder Einzelne gute Gründe hat, seinen Film zu genau diesem Zeitpunkt zu bringen. Man darf sich also nicht der Illusion hingeben, dass solche Diskussionen einfach zu führen wären.

BF: Ist Kino Ihrer Ansicht nach zu teuer?

PS: Ein Kinofilm ist nach wie vor das mit Abstand preiswerteste Zwei-Stunden-Vergnügen - und ich würde niemals anfangen, es förmlich zu verschenken. Natürlich wird die Betrachtung dadurch erschwert, dass Cola, Popcorn und Nachos für viele Leute einfach dazugehören - und dann eine Gesamtrechnung gezogen wird, die gerade für Familien ungleich höher ausfällt, als wenn man den reinen Ticketpreis betrachtet. Aber am Ende denke ich, dass auch das kein massives Hindernis darstellt, wenn das Angebot stimmt, sprich: Film und Ort jene Qualität besitzen, die man vom Kino erwarten darf. Tatsächlich ist es doch so, dass die teuersten Plätze als allererste weg sind, wenn ein Film beim Publikum zündet. Trotzdem glaube ich, dass die Debatte um den Preis immer stärker geführt werden wird - und auch hier kann man den Mangel an Transparenz nur beklagen! Es steht doch die Frage im Raum: Lässt sich über ein wie auch immer geartetes Angebot die Frequenz derart erhöhen, dass Preisreduktionen ausgeglichen werden? An dieser Stelle wurde und wird einiges ausprobiert - aber wenn ein Verleih dann nachfragt, welche Effekte mit einer bestimmten Maßnahme erzielt wurden, herrscht wieder das große Schweigen. Zudem sprechen wir ständig von punktuellen oder zeitlich begrenzten Aktionen, deren Aussagekraft oft per se nicht groß genug wäre. Was wir bräuchten, wäre eine langfristige Maßnahme, deren Resultate dann aber auch offen diskutiert werden müssten.

BF: Wirkt sich 3D - auch als Preisfaktor - nicht möglicherweise längst negativ auf die Publikumsfrequenz aus?

PS: Ich halte es grundsätzlich nicht für richtig, den Gästen vorzuschreiben, wie sie einen Film zu sehen haben, auch wenn ein solcher "Zwang" vielleicht nur in der ersten Woche besteht. Soweit möglich, sollte man den Kinos die Freiheit lassen, Filme so anzubieten, wie sie das dortige Publikum sehen will. Es ist doch klar zu beobachten, dass insbesondere bei Kinder- und Familienfilmen bestenfalls noch ein Drittel des Geschäfts auf 3D entfallen. Das liegt durchaus nicht nur am Aufpreis. Viele Gäste wollen es einfach für sich und/oder ihre Kinder nicht. Hinzu kommt, dass beileibe nicht jeder 3D-Film auch sehenswertes 3D bietet. Das soll jetzt nicht als grundsätzliche Ablehnung des Formats missverstanden werden. Aber man muss sensibel mit solchen Angeboten umgehen.

BF: Hinter der Branche liegt ein extrem schwieriges Jahr. Sehen Sie darin eher eine besonders ausgeprägte Wellenbewegung oder doch eher das Niveau, auf das man sich langfristig wird einstellen müssen?

PS: Wellenbewegungen wird es immer geben und ich denke schon, dass wir es mit einem besonders harten Ausschlag nach unten zu tun hatten. Ich will sicherlich nichts beschönigen, aber wenn man sich die langfristige Entwicklung seit 1975 ansieht, stellt man fest, dass es sich gerade in Anbetracht der Resultate der letzten zehn Jahre um eine überaus stabile Branche handelt - und ich spreche von den Besuchern. Natürlich ist es schwierig, wieder aus einem Tal herauszukommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass 2019 so schlecht wird wie 2018. Alleine schon deshalb, weil wir hoffentlich nicht gleich wieder einen Rekordsommer erleben. Dies übrigens auch eine Beobachtung: Film war durchaus weiter "in" - aber eben nur im Freien. Open-Air-Veranstaltungen haben ihre Zahlen massiv ausbauen können! In anderen Ländern ist das Wetter kein annähernd so wichtiger Faktor - leider bin ich dahingehend überfragt, wie man den Deutschen auch bei Hitze das Kino wieder schmackhafter machen kann. Gut, ein entscheidender Faktor ist natürlich das Programm. Und sind wir ehrlich: Es war 2018 zeitweise nicht stark genug.

BF: Was mich zum deutschen Film bringt - Sie haben sich zuletzt ja durchaus kritisch über das Marktverständnis mancher Produzenten geäußert. War das zu Beginn Ihrer Karriere anders?

PS: Nun ja, damals hatte man es mit Unternehmern zu tun, die Filme mit hohem eigenen finanziellen Aufwand hergestellt haben. Es wurde nur produziert, woran zumindest die Macher wirklich glaubten. Heute ist man dank der diversen Fördertöpfe in einer ganz anderen Situation. Selbstverständlich gibt es weiterhin gute Produzenten, aber leider auch solche, bei denen ich den Eindruck habe, dass die Auseinandersetzung mit dem Markt teilweise verloren gegangen ist. Ich habe ja über ein Jahrzehnt an der Uni gelehrt und versucht, dem Nachwuchs verständlich zu machen, wer was macht, wer von welchem Geld lebt. Und ich bin regelmäßig auf Ahnungslosigkeit, teils sogar Desinteresse gestoßen. Ich könnte aus der Haut fahren, wenn ich zu hören bekomme, die Zielgruppe sei doch Sache des Verleihs. Der kann einen Film doch nicht mehr ändern! Kein Hollywood-Produzent käme auf die Idee, so zu arbeiten. Es ist absolut erschreckend, hören zu müssen, dass es doch egal sei, wie viele Leute kommen - Hauptsache man könne bei einem Festival landen, um sich einen Namen zu machen! Muss man sich da wundern, wie viele Filme völlig am Publikum vorbeigehen? Verschlimmert wird die Situation noch dadurch, dass Bundesförderung eine Verleihzusage bedingt - und man nur einmal alle Jubeljahre einen Film ablehnen kann, wenn man sieht, was dabei herausgekommen ist. Der Markt wird so zwangsläufig mit Werken überschwemmt, die schlicht keine Chance haben.

BF: Sie sehen Förderung aber nicht grundsätzlich kritisch?

PS: Ganz und gar nicht! Es ist die Verteilung, die Probleme bereitet. Es wird viel zu sehr gestreut, die Hürden sind viel zu niedrig - und am Ende bekommt jeder immer kleinere Happen. Produktionen müssen vernünftig ausgestattet, müssen von der Entwicklung bis zur Herausbringung konsequent begleitet werden. Wir müssen Filme sichtbar machen - und wir brauchen auch die Kinos die sie spielen. Und das ist mit das Schwerste, das wird auch von der Politik verkannt.

BF: Inwiefern?

PS: Naja, wenn ich höre, dass man Kinos auf dem Land fördern will, damit der "gute deutsche Film" dort stärker präsent ist, möchte ich dazu raten, sich mal am Montag in die Dispo zu setzen (Lacht). Im Ernst, Kino muss und darf zuallererst auch unterhalten. Und noch einen Irrglauben würde ich gerne korrigieren: Wem es "gut" oder "schlecht" geht, lässt sich nicht an der Größe festmachen. Wer als Eigentümer ein Haus auf dem Land hat, wird es immer erheblich einfacher haben, als jemand, der in der Stadt irrwitzige Pacht bezahlt.

BF: Noch ein Stichwort: "Roma".

PS: Ohje. Sagen wir es so: Ich fände es erheblich klüger, in solchen Fragen als Branche geschlossen aufzutreten. Denn es geht um ganz grundsätzliche Dinge. Sind Kinos nur der Steigbügelhalter? Dürfen sie punktuell gerne als Marketingplattform dienen, werden ansonsten aber ignoriert? Zumal man sich nicht der Illusion hingeben sollte, dass Netflix dauerhaft Interesse daran haben wird, Vorstellungen zu kaufen. Dass "Roma" nur im Arthouse funktioniert hat, ist nun wirklich kein Geheimnis, aber Netflix ging es auch nicht um Besucher. Selbstverständlich wird die Branche - und das schließt die Verleiher mit ein - lernen müssen, mit solchen Playern umzugehen, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Aber es müssen doch gewisse Grenzen gesetzt werden, sonst hat das Ganze keinen Sinn! So oder so ist jetzt ist die Zeit, Strategien im Umgang mit Streamingplattformen zu entwickeln. Denn nicht nur Disney steht in den Startlöchern.

BF: Ihr Wunsch für 2019?

PS: Es wird mit Sicherheit ein spannendes Jahr, für das ich hoffe, dass die Weichen richtig gestellt werden. Auch, damit nicht weiteren Unternehmen die Luft ausgeht, wie zuletzt leider Zorro Film. Wir müssen in manchen Dingen grundsätzlich umdenken, denn die Rahmenbedingungen sind mittlerweile einfach völlig andere als noch vor zehn Jahren. Mein Wunsch wäre, dass sich genug vernünftige Leute an einen Tisch setzen, die das Alte mal vergessen und neu denken. Die gemeinsam denken - zum Wohle der Branche. Einer nach wie vor tollen Branche! Und natürlich wünsche ich meinen wunderbaren Mitarbeitern bei Central Film und Wild Bunch noch viele erfolgreiche Jahre. Ich werde gerne an die gemeinsame Zeit zurückdenken.

Das Gespräch führte Marc Mensch