Produktion

Kreativer Produzent mit purem Kino und modernen Serien

Alexis von Wittgenstein, der zwei "Burg Schreckenstein"-Filme produzierte, hat vor einigen Wochen mit "A Pure Place" den ersten komplett eigenen Kinofilm seiner Violet Pictures abgedreht. Die erste Folge seiner Miniserie "Labaule & Erben" wird heute beim SWR ausgestrahlt. Diesen Sommer starten die Dreharbeiten zur neuen Miniserie "Oktoberfest - Blut & Bier".

10.01.2019 15:32 • von Heike Angermaier

Alexis von Wittgenstein, der zwei "Burg Schreckenstein"-Filme produzierte, hat vor einigen Wochen mit A Pure Place" den ersten komplett eigenen Kinofilm seiner Violet Pictures abgedreht. Die erste Folge seiner Miniserie Labaule & Erben" wird heute beim SWR ausgestrahlt. Diesen Sommer starten die Dreharbeiten zur neuen Miniserie "Oktoberfest - Blut & Bier".

Alexis von Wittgenstein, der nach BWL-Diplom und Filmhochschul-Aufbaustudium bei Beta Film und Universum Film im Weltvertrieb und Kinoverleih arbeitete, machte sich 2011 mit Unterstützung seines ehemaligen Arbeitgebers Jan Mojto mit Violet Pictures als Produzent selbständig. Erstes realisiertes Projekt war "Burg Schreckenstein" nach der gleichnamigen populären deutschen Kinderbuchreihe von Oliver Hassencamp, das seine Firma in Koproduktion mit Roxy Film umgesetzt hat. Beta Film agierte als Weltvertrieb, den Verleih übernahm Concorde. Late-Night-Legende Harald Schmidt spielt darin Graf Schreckenstein. Der Film startete im Herbst 2016 und kam auf über 370.000 Besucher in Deutschland. Nur ein Jahr später landete die Fortsetzung in den Kinos. Uwe Ochsenknecht gehörte diesmal zum Ensemble. Schmidt und Ochsenknecht spielen nun auch in der aktuellen Violet Pictures-Produktion "Labaule & Erben" wesentliche Rollen. Die sechsteilige SWR-Serie entstand nach einem Konzept von Schmidt. Ochsenknecht glänzt darin als Berufssohn Wolfram Labaule, der nach dem bizarren Tod von Vater und Bruder Chef des Familien-Verlages, der Labaule Media Group wird. Die erste Folge wird am 10. Januar beim SWR ausgestrahlt und läuft donnerstags ab 22 Uhr. Bereits seit 27. Dezember sind alle sechs 45-Minüter in der Mediathek abrufbar. Bis zum 10. Januar wurde sie über 500.000 mal abgerufen. Am Weltpremiere feierte die Serie beim Filmfest in München. Die von den mit 4 Blocks" erfolgreichen Autoren Hanno Hackfort, Richard Kropf und Christoph Bob Konrad- sie firmieren als HaRiBo - sowie Anneke Janssen und Elena Senft umgesetzten Drehbücher inszenierte Boris Kunz, der mit dem BR-Format Hindafing" bewies, dass er bissig und modern erzählen kann. Violet Pictures produzierte den Mix aus Mediensatire und Familien(streit)komödie in Zusammenarbeit mit Michael Souvignier und Till Derenbach von Zeitsprung Pictures. In dem in Freiburg spielenden und in Karlsruhe, Freiburg und Baden-Baden gedrehten "Labaule & Erben" gehören neben Ochsenknecht u.a. Inka Friedrich als Labaules Frau, Irm Hermann als Labaules Mutter, Lukas Rüppel und Lena Dörrie als Labaules Sohn und Tochter zum Ensemble.

Mit Zeitsprung bereitet von Wittgenstein auch die historische Mini-Serie "Oktoberfest - Blut & Bier" für ARD unter der Federführung des BR vor. Von Wittgenstein kreierte das Konzept und arbeitete gemeinsam mit den Autoren Ronny Schalk, Christian Limmer, Niko Schulz-Dornburg, Christian Lex, Stefan Betz, u.a. an den Drehbüchern. Für die Exposes der um 1900 in einer Umbruchszeit zwischen beginnender Industrialisierung und endender Monarchie angesiedelten deftigen und düsteren Geschichte um zwei rivalisierende Bierbrauerfamilien ließ sich von Wittgenstein von Fakten und realen Figuren wie dem Nürnberger Brauer Georg Lang oder Coletta Möritz alias Schützenliesl inspirieren. U.a. das Münchner Stadtmuseum und Wiesnwirte-Sprecher Peter Inselkammer berieten. "Als Produzent liegt mein Schwerpunkt auf der kreativen Seite bei der Entwicklung", beschreibt von Wittgenstein seine Arbeitsweise. Um eine "kleine, wendige Unternehmensstruktur" beizubehalten, die es Violet Pictures ermöglicht, sich auf ausgewählte Projekte konzentrieren zu können, kooperierte Wittgenstein bei größeren Projekten bisher mit etablierten Partnern wie Zeitsprung. Er treibt die Stoffe inhaltlich voran und setzt sie dann gemeinsam mit Zeitsprung um. Wittgenstein beschreibt es als "symbiotische Zusammenarbeit", die über die gemeinsame enge Beziehung zu Beta Film entstand. Beta Film hält Anteile an Zeitsprung Pictures und Violet Pictures ist Beta Film seit der Firmengründung eng verbunden. FFF Bayern, Film- und Medienstiftung NRW und German Motion Picture Fund unterstützen "Blut und Bier" mit großen Summen. Im Mai soll unter der Regie von Hannu Salonen in Bayern, NRW und Tschechien gedreht werden. Salonen, der spätestens seit seiner Schirach-Verfilmungen Verbrechen" und Schuld" eine eine feste Größe in Deutschland ist, hat im letzten Jahr gerade seine 10-teilige Serie Arctic Circle" in Lappland abgeschlossen. ""Oktoberfest- Blut & Bier" soll kein reines Ausstattungsspektakel werden, im Vordergrund steht die Geschichte, und in Zeiten von Netflix & Co. müssen wir uns erzählerisch an der internationalen Konkurrenz messen lassen." sagt von Wittgenstein und verspricht, mit der sechsteiligen Serie inhaltlich neue Wege zu gehen. Beta Film, MDR, WDR und Degeto sind die weiteren Partner.

Während "Labaule & Erben" in nur neun Monaten zügig realisiert wurde, dauerte es bei "A Pure Place" länger. Seit Mitte Dezember ist das Kinodrama, das Nikias Chryssos hauptsächlich in der Umgebung von Athen und auf zwei griechischen Inseln umsetzte, abgedreht. Die erste Idee hatte der Regisseur und Drehbuchautor bereits vor zwölf Jahren. Vor drei Jahren war er zu von Wittgenstein gekommen, der ZDF - Das kleine Fernsehspiel an Bord holte. Chryssos, der mit Lars Henning Jung das Drehbuch schrieb, legte mit der Groteske "Der Bunker" 2015 sein preisgekröntes Langfilmdebüt vor. Bereits mit seinem im Rahmen seines Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg entstandenen mittellangen Film "Das Hochhaus" von 2005 sammelte er Meriten und demonstrierte seine Lust an unkonventionellen Stoffen. In seinem neuen Drama kombiniere Chryssos eine fantastische Welt mit harter Realität in einer Art magischem Realismus für das Kino, skizziert von Wittgenstein das Projekt, das er im Rahmen des Labels Ultraviolet entwickelte, mit dem er innovative, radikalere Projekte von Nachwuchstalenten produziert. "Ich muss immer einen persönlichen Zugang zu einem Stoff finden, das Genre ist egal. Ich will nicht in Schubladen gesteckt werden. Das Sublabel Ultraviolet ist dabei eine Art Brutkasten für andersdenkende Kreative.", so von Wittgenstein. Im Zentrum von "A Pure Place" stehen Bruder und Schwester, die abgeschirmt vom Rest der Welt bei einer Sekte aufwachsen. Claude Heinrich spielt den jüngeren Bruder, der seine Schwester (Greta Bohacek) retten will, Sam Louwyck den Sektenführer, der einen Reinheitskult betreibt. Wie in "Das Hochhaus" wird aus der Sicht eines Kindes, hier des zwölfjährigen Protagonisten, erzählt. Auch die Optik des Films werde anders sein als man es von deutschen Projekten gewöhnt ist, so von Wittgenstein. BKM, Medienboard, FFF Bayern, MFG BW, DFFF und Kuratorium junger deutscher Film förderten. Koch Films, die ungewöhnliches Arthouse und Genre ins Kino bringen, stieg als deutscher Verleih ein. Postproduziert wird momentan in München und Baden-Württemberg. Angedacht ist, den Film im Sommer fertig zu stellen und ihn vor dem regulären Kinostart auf Festivalreise zu schicken.

In der Entwicklung bei Violet Pictures befinden sich mehrere Serien- und Kino-Projekte, u.a. auch ein weiteres Projekt mit Richard Kropf. "Es war sehr schwierig, den ersten Film hinzubekommen, seitdem ist der Knoten aber geplatzt", so von Wittgenstein. Im Zuge des Serien-Hypes setzten die Sender nun vermehrt auf jüngere Produktionsfirmen wie Violet, die nicht auf etliche bereits fertiggestellte TV-Projekte verweisen können, um hochkarätige, horizontal erzählte Serien zu realisieren, freut sich von Wittgenstein. "Ich bin vollkommen glücklich mit meinem Beruf, es wird einem definitiv nie langweilig, aber wenn man es nüchtern betrachtet, stehen die Risiken, die man eingeht in keinem Verhältnis zu den Ertragschancen. Das wird erst anders, wenn man den weltweiten Markt bedienen kann. Ich weiß nicht, warum die Marge, die man sich als Produzent anrechnen kann, bei einem Kinofilm wesentlich geringer ist, als bei geförderten Fernsehprojekten.", spricht von Wittgenstein ein Problem an, dass etliche seiner Kollegen bewegt. Auch seien die Strukturen beim Fernsehen nicht auf dem Stand der Zeit, in der beim modernen Serien-Entwickeln Showrunner und Head-Autoren mit einkalkuliert werden müssen.