Kino

KOMMENTAR: Blick nach vorn - und nicht zurück im Zorn

Das Kinojahr 2018 ist in Deutschland ein Jahr zum Abhaken. Dafür ist es weltweit gesehen das erfolgreichste aller Zeiten. Immerhin verabschiedet es sich hierzulande mit einem Hoch, das viel für das neue Jahr hoffen lässt.

07.01.2019 07:09 • von Jochen Müller

Das Kinojahr 2018 ist in Deutschland ein Jahr zum Abhaken. Dafür ist es weltweit gesehen das erfolgreichste aller Zeiten. Immerhin verabschiedet es sich hierzulande mit einem Hoch, das viel für das neue Jahr hoffen lässt. Dass Kino auch in Zukunft auf Hochtouren laufen wird, belegen die 41,7 Mrd. Dollar Boxoffice, die weltweit erwirtschaftet werden konnten. Auch in US-Kinos konnte mit 11,85 Mrd. Dollar ein neues Rekordboxoffice verzeichnet werden. Die magische 12 soll nächstes Jahr fallen. Mit 2,8 Mio. Besuchern und 25,4 Mio. Euro Umsatz war das letzte Wochenende des Jahres auch das beste des Jahres in deutschen Kinos. Das ist zu gleichen Teilen dem hinreißenden neuen Film von Caroline Link, Der Junge muss an die frische Luft", und dem Superheldenfilm Aquaman" zu danken, der belegt, dass sich auch das Publikum hier zunehmend für diese Filme erwärmt. Überhaupt bringt es nicht viel, die Gründe durchzukauen, die zur schwachen Kinoperformance in diesem Jahr geführt haben. Natürlich gibt es die Konkurrenz durch andere Freizeitvergnügen, sei es Fußball oder Streaming, aber damit haben auch die Kollegen in den internationalen Märkten zu kämpfen. Dass die Magie des Ortes Kinos nicht nachlässt, dafür sind in hohem Maße die Betreiber selbst verantwortlich, die mit zum Teil erheblichen Investitionen dafür sorgen, dass die gesamte Erfahrung eines Kinobesuchs so positiv und ungetrübt ist, dass die Besucher (immer) wieder kommen wollen. Und zum anderen sind es natürlich die Filme, die sie spielen können. Caroline Link, UFA und Warner machen es vor, wie sich das Publikum fürs Kino begeistern lässt. Til Schweiger muss sich gegen viel Kritik wehren und zieht doch die Leute ins Kino wie wenige sonst. Sein Film "Klassentreffen" ist einer von zwei deutschen Filmen, die es in die Top 20 des Jahres geschafft haben, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" ist der andere. Diese Filme braucht es wie auch 100 Dinge", "Der Vorname" oder Ballon", damit Kino in Deutschland populär bleibt. Da hilft es wenig, wenn sich ein Vergabeausschuss der FFA nicht darauf einigen kann, den nächsten Film von Bora Dagtekin zu fördern. Der Blick auf das Programm der kommenden Monate zeigt, dass es vor vielversprechenden Filmen strotzt. Darunter sind große deutsche Filme, solche aus dem Marvel- oder DC-Universe, mit Rocketman" gibt es ein neues Bohemian Rhapsody", zum Jahresende startet wieder ein "Star Wars"-Film, und mit "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" sogar ein neuer "Weihnachtsfilm" von Caroline Link. Genügend gute Gründe also, um voller Zuversicht auf dieses neue Kinojahr zu blicken. Natürlich verfügt auch die TV- und Streamingkonkurrenz über große Programmhighlights. Und wenn sich davon etwas auch fürs Kino eignen sollte, wie "The Irishman" von Martin Scorsese, warum nicht einfach zur Freude der Kinobesucher ganz selbstbewusst mitspielen?

Ulrich Höcherl, Chefredakteur