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Meierling lenkt ROOF Music "aus dem Bauch und mit dem Herzen"

Das Team von ROOF Music schließt Ende 2018 ein Jubiläumsjahr ab. Im Gespräch mit MusikWoche erläutern Firmenchefin Kristine Meierling und Uli Mücke, der ROOF Music seit 2017 in der Labelarbeit und im Künstlermanagement unterstützt, was die unabhängige Firmenfamilie aus dem Ruhrgebiet auch nach 40 Jahren weiter antreibt.

20.12.2018 14:05 • von Jonas Kiß
Das ROOF-Team mit (von links): Anne Tucholski, Ulrich Kopmann, Katrin Heitkemper, Kristine Meierling, Anna Meierling, Uli Mücke, Karoline Meierling, Nicholas Helmstädter, Toni Heim, Katharina Stolt, Ninja Meininghaus und Silke Pfeiffer (Bild: ROOF Music)

Das Team von ROOF Music schließt Ende 2018 ein Jubiläumsjahr ab. Im Gespräch mit MusikWoche erläutern Firmenchefin Kristine Meierling und Uli Mücke, der ROOF Music seit 2017 in der Labelarbeit und im Künstlermanagement unterstützt, was die unabhängige Firmenfamilie aus dem Ruhrgebiet auch nach 40 Jahren weiter antreibt.

»Bei uns geht es um die mittel- und langfristige Begleitung ganzer Künstlerkarrieren «, sagt Uli Mücke. »Dazu gehört nicht bloß die Auswertung im Label, dazu gehören vielmehr auch die Verlags- und Live-Aktivitäten bis hin zu Merchandising, Kooperationsgeschäft und dem gesamten Management des Künstlers.«

Entsprechend vereint ROOF Music passend zum Firmennamen zahlreiche Geschäftsbereiche unter dem eigenen Dach. Dazu zählen der Musikverlag und das Label als Keimzelle des Unternehmens, aber ebenso die Sparten Künstlermanagement und Booking sowie seit 1999 die Produktion und Vermarktung von Hörbüchern über das Label tacheles! und auch das Literaturmanagement.

»Die Idee der Namensgebung war es, mehrere Aktivitäten zu vereinen«, bestätigt Kristine Meierling, die das 1978 von Bernd Kowalzik zunächst mit Partnern in Bochum gegründete und später allein fortgeführte Unternehmen seit dessen Tod 2014 mit den beiden Töchtern Anna und Karoline Meierling sowie Uli Mücke lenkt. »Es ist aber keineswegs so, dass wir das 360-Grad-Modell erfunden haben.« Auch dränge man die Kreativschaffenden bei ROOF nicht in Willemeine Rundumbetreuung hinein. Vielmehr sei es oftmals »eine echte und willkommene Bereicherung«, mit verschiedenen Partnern in den Bereichen Musikverlag, Booking oder Management an der Entwicklung von Künstlern zu arbeiten.

»Wenn ich das wüsste, wäre ich Unternehmensberater«, schmunzelt Kristine Meierling auf die Frage, ob es angesichts sich verändernder Rahmenbedingungen im Zuge der Digitalisierung auch heute noch möglich sei, eine unabhängige Kreativzelle wie ROOF aufzubauen. Das Unternehmen sei schließlich nicht mit einem Business-Plan am Reißbrett entstanden, sondern vielmehr von einem Team aufgebaut und immer weiter entwickelt worden.

Meierling selbst kam 1984 dazu. Sie selbst habe zudem zunächst weiter journalistisch für den WDR gearbeitet, während Bernd Kowalzik noch das Booking für die Zeche betreute. »Wir haben gemacht, was wir wichtig und toll fanden, wofür wir brannten.« Auch heute noch würden Entscheidungen die Künstlerauswahl betreffend »zu großen Teilen aus dem Bauch und aus dem Herzen« fallen, sagt die Firmenchefin: »Denn wenn wir schon viel arbeiten, dann für Dinge, die wir lieben«, erläutert Meierling ihre Devise.

So könne sie sich auch heute noch nichts Schöneres vorstellen als das zu tun, was sie mache. Das gelte sicher auch für den großen Teil der 15 Mitarbeiter von ROOF, meint Kristine Meierling.

Auch Uli Mücke musste nicht lange gebeten werden: »Ich sehe es als eine unglaublich tolle Möglichkeit und Chance, in so einem Unternehmen mitarbeiten zu dürfen.« So sei es für ihn eine große Ehre, im Musikbereich die Arbeit von Bernd Kowalzik zusammen mit dessen Tochter Karoline fortzusetzen. Das Thema Digitalisierung habe ROOF genauso erfasst wie Musikkonzerne und andere Indies. Dank des lange gewachsenen Katalogs als bedeutender Basis sei man dafür aber gewappnet gewesen.

»Wir haben die Überführung des Repertoires von ROOF Music mit ganz wenigen Ausnahmen im vergangenen Jahr vollendet und dadurch im 40. Jahr der Firmengeschichte einen immensen digitalen Schub erlebt«, betont Mücke. So erziele ROOF allein durch die Vermarktung des vorhandenen Repertoires über Streaming heute »veritable Umsätze«.

Literatur als wichtiges Standbein

Einen großen Anteil zu den Einnahmen von ROOF steuert die Sparte Literatur bei: »Gut 50 Prozent entfallen auf den literarischen Bereich mit Hörbuch und Literaturmanagement «, bestätigt Kristine Meierling.

Im Hörbuchbereich habe sich die ROOF-Familie mit dem Label tacheles! früh profilieren können, als viele Buchverlage mit dem Thema Hörbuch noch nicht viel anfangen konnten. »Das war unser großes Glück«, erinnert sich Meierling. So habe man Zuschläge für Projekte bekommen, die man ohne dieses Profil kaum hätte stemmen können, eben »weil die Autoren gern bei uns veröffentlichen wollen und weil sie das Umfeld gut finden«.

Bei tacheles! konzentriere man sich »zu 95 Prozent auf im Original deutschsprachige Bücher« und veröffentliche diese sehr gern in Form von Autorenlesungen, berichtet Meierling. Entsprechend gebe es einige Autoren, von denen tacheles! »quasi das ganze Programm« im Hörbuchbereich vertrete. »Zum Beispiel haben Roger Willemsen und Heinz Strunk all ihre Hörbücher bei uns gemacht.« Auch mit Hape Kerkeling habe tacheles! drei Hörbücher realisieren können, von denen »Ich bin dann mal weg« mit mehr als 700.000 abgesetzten Exemplaren noch immer der Bestseller der Firmengeschichte sei.

»Das ist großartig, wir sind dafür wahnsinnig dankbar«, sagt Kristine Meierling. Im Bereich Literaturmanagement und Hörbuchproduktion hätten sich die Rahmenbedingungen trotz der Digitalisierung nur bedingt verändert. »Dass man mit interessanten Autoren zusammenarbeitet und diese manchmal auch über eine längere Strecke begleitet, das ist so geblieben.« Wohl aber hätten sich die Umsatzanteile verschoben: »Wir erzielen heute nur noch rund 50 Prozent der Hörbuchumsätze im physischen Bereich und erwirtschaften den anderen Teil digital.« So erreiche das Hörbuch »Ich bin dann mal weg« viele Jahre nach den großen Verkaufserfolgen nun auch im Streaming »immense Abrufzahlen «.

Gleiches gelte für Künstler wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Heinz Strunk, Jan Böhmermann oder Sven Regener. »Die schillernde Persönlichkeit, Qualität und Bekanntheit dieser Künstler zeigt sich im digitalen Bereich genauso wie zuvor in der analogen Welt.« Dazu passend rief man gerade mit dem Namen tacheles+ ein Unterlabel ins Leben, das künftig als Heimat für rein digitale Veröffentlichungen dienen soll »Hier erscheinen im Februar 2019 'Disintegriert euch' von Max Czollek und im März die Lesung zu 'Alte weiße Männer' von Sophie Passmann als rein digitale Hörbücher «, kündigt Meierling an. Beiden Veröffentlichungen traut sie gerade im digitalen Bereich eine breite Rezeption zu.

Das tacheles! auch mit aktuellen Produktionen Erfolge feiert, zeigen unter anderem die »Bilder deiner großen Liebe« von Sandra Hüller. Das Hörbuch wurde gerade vom Hessischen Rundfunk zum hr2-Hörbuch des Jahres gekürt und ist, wie Meierling herausstreicht, »ein wirklich sensationelles Hörbuch«. Zudem steht das »Musik«-Hörbuch von Roger Willemsen und Matthias Brandt in der Dezember-Bestenliste ganz oben. Desweiteren erschien bei tacheles! jüngst passend zur anstehenden Veröffentlichung des aktuellen Albums von Udo Lindenberg unter dem Titel »Udo« die Hörbuchversion der bei Kiwi veröffentlichten Biografie des Künstlers; basierend auf dessen Erinnerungen sowie auf Berichten von Wegbegleitern und Mitgliedern des Panikorchesters, aufgeschrieben vom Journalisten Thomas Hüetlin und gelesen von Udo Lindenberg selbst und dem Schauspieler Charly Hübner.

Auch menschlich muss es passen

Weitere Schwerpunkte fürs neue Jahr sind längst fix, darunter »Agentterrorist « von Deniz Yücel, mit »Erste Hilfe« und »Die Herrenausstatterin « zwei weitere von Sandra Hüller gelesene Bände oder »Das Schloss« von Franz Kafka, gelesen von Sven Regener: »Sven ist für mich der beste Kafka-Interpret«, sagt Meierling. Mit vielen Künstlern verbinde man über die unternehmerischen Beziehungen hinaus zudem auch menschlich eine gewisse Nähe: »Götz Alsmann ist einer unserer ersten Künstler und wir sind, so würde ich sagen, sehr enge Freunde«, sagt Kristine Meierling.

Gleiches gelte für den leider verstorbenen Roger Willemsen, aber auch mit Helge Schneider, Sven Regener, Heinz Strunk oder Benjamin von Stuckrad-Barre unterhalte man enge Beziehungen. Ein enges und beinahe familiäres Verhältnis mit den Künstlern gebe es bei ROOF auch heute noch, betont Uli Mücke. Als Beleg dafür führt er die Zusammenarbeit mit der Band Das Lumpenpack aus Stuttgart an, an die bei ROOF »alle vollumfänglich und mit einer langfristigen Perspektive« glauben und an der die ganze Firma Freude hat. ROOF vertritt und unterstützt die Band in vielen Bereichen und Mücke ist sich sicher: »Ohne dieses Vertrauen, das so einer Art der Zusammenarbeit zugrunde liegt, wäre das alles gar nicht möglich.« Mücke, der lange Jahre leitende Positionen bei EMI Music inne hatte, genießt die Art der Zusammenarbeit in der unabhängigen Kreativzelle:

Mit »Fest und flauschig« zum Welterfolg

»Unglaublich eng mit dem Künstler, eine kreative Partnerschaft auf Augenhöhe, in der man gemeinsam entscheidet, was man tut oder eben auch nicht tut, und wie man miteinander die jeweiligen Stärken ausspielt.« ROOF bringe hier ein großes Netzwerk und die Erfahrungen aus 40 Jahren unabhängigen Unternehmertums mit, das gebe wiederum den Kreativschaffenden die Möglichkeit, sich ganz auf ihre Kunst zu konzentrieren. »So direkt und intensiv mit den Künstlern zusammenarbeiten zu können, ist für mich ein außerordentliches Privileg und macht großen Spaß.«

Das zeige sich in der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Helge Schneider oder Götz Alsmann ebenso wie in der Entwicklung neuer Auswertungsformen. »Der Schritt von der beinahe altertümlichen Herangehensweise an ein neues Album hin zu neuen Ideen progressiver Vermarktungsansätze ist hier wesentlich leichter als in großen Firmenkonstrukten«, findet Mücke. »Zum Beispiel im Bereich Podcasts, wo wir direkt mit Anbietern wie Spotify arbeiten und mit 'Fest und Flauschig' und Heinz Strunk zwei sehr zukunftsorientierte Deal-Modelle begleitet haben, die in Hinblick auf die Modernität in Deutschland weit vorn sind.« Darauf, dass »Fest und Flauschig« als Lizenzmodell heute der weltweit erfolgreichste Podcast bei Spotify ist, sei man »extrem stolz«. Hier könne eine Firma wie ROOF schnell und flexibel agieren.

Ein neues Studio entsteht

Den Musiklabel- und Verlagsbereich führen Karoline Meierling und Uli Mücke gemeinsam und arbeiten dabei sehr eng mit den verschiedensten Künstlern zusammen - von A&R Aktivitäten übers Management bis hin zum Labelmanagement. Mit dem Singer/Songwriter Tim Kamrad oder der Band Das Lumpenpack, die beide seit 2016 zur ROOF-Familie gehören, arbeiten sie besonders intensiv zusammen. »Das macht richtig Bock«, freut sich Mücke über die enge Beziehung zu den Kreativen und die Einbindung in den gesamten Schaffensprozess. »Beim Lumpenpack kommt das neue Album am 9. August«, kündigt Mücke bereits an. T

im Kamrad, mit dem ROOF auch im Verlagsbereich zusammenarbeitet, geht nun nach der großen Arena-Tour mit Sunrise Avenue im Januar auf seine erste eigene Tournee. Für den weiteren Verlauf des Jahres seien dann Singleveröffentlichungen geplant und später sein nächstes Album. Im 41. Jahr der Firmengeschichte wolle man bei ROOF nun zudem »die Live-Aktivitäten weiter ausbauen«, streicht Mücke heraus. Während sich Ulrich Kopmann weiterhin vor allem um das Tourneemanagement von Götz Alsmann und Band kümmere, habe man dafür Anfang Dezember mit Robert Grosse einen neuen Booker ins Haus geholt, der sich zum Beispiel um das Booking für Das Lumpenpack kümmert.

Mit Leidenschaft und Vertrauen

Aber auch in die Produktionskapazitäten investiert ROOF: So verfügt das Unternehmen bereits in Berlin Mitte über ein eigenes Studio, in dem Hörbücher produziert werden, baut nun aber auch in Bochum ein weiteres Studio auf, das Raum für Hörbuch-, Musik- und Podcast-Produktionen bieten soll und dessen Eröffnung für Herbst 2019 geplant ist. Einen Teil zum langjährigen Erfolg von ROOF Music habe sicherlich beigetragen, dass man sich von Beginn an auf spezielle Genres und Künstler konzentriert und nicht versucht habe, Konkurrenzprodukte zu den Musikkonzernen zu vermarkten.

»Man braucht diese Struktur mit vielen kleinen, kreativen Zellen, um die Vielfalt im Markt aufrecht zu erhalten«, schaut Mücke über den Tellerrand des Unternehmens hinaus. »Auch die langjährige Erfahrung hilft uns heute sehr«, bilanziert Kristine Meierling. Mit vielen Fragen könne man souveräner und gelassener umgehen. Zudem brauche es »eine gemeinsame Überzeugung, sowie den Wunsch und das Ziel, dass dabei etwas Tolles herauskommt«, fasst die ROOF-Firmenchefin zusammen. Diese Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft gebe schließlich dem gesamten Team die Möglichkeit, viel in eine von beiderseitigem Vertrauen und gemeinsamen Visionen geprägte Zusammenarbeit mit den Künstlern zu investieren. »Das verbindet.«