Kino

KOMMENTAR: Das Zauberwort

Werfen wir einfach einmal einen Blick auf die Staffel von Disney für das Jahr 2019: "Captain Marvel". "Dumbo". "Avengers: Infinity War 2". "Aladdin". "Toy Story 4". "Der König der Löwen". "Artemis Fowl". "Die Eiskönigin 2". "Star Wars: Episode IX".

06.12.2018 08:02 • von Jochen Müller

Werfen wir einfach einmal einen Blick auf die Staffel von Disney für das Jahr 2019: Captain Marvel". Dumbo". "Avengers: Infinity War 2". "Aladdin". Toy Story 4". "Der König der Löwen". Artemis Fowl". "Die Eiskönigin 2". Star Wars: Episode IX". Im Jahr 2018 hat Disney schon zum jetzigen Zeitpunkt, noch vor dem Start von Mary Poppins' Rückkehr", mit einem Einspiel von 2,9 Milliarden Dollar das beste Jahr, das jemals ein Studio in den USA für sich reklamieren konnte. Bis zum Jahresende wird mit bis zu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die Drei-Milliarden-Dollar-Hürde genommen werden. Beim Anblick der neuen Staffel ließ sich ein amerikanischer Kollege zu der Bemerkung hinreißen: Und 2019 knackt Disney die Vier-Milliarden-Dollar-Marke. Nun soll man den Tag nicht vor dem Abend loben, aber natürlich darf festgehalten werden: Das ist eine beeindruckende Staffel. Sie umfasst das Beste aller Marken, die der Major unter der Führung von Alan Horn gehegt und gepflegt hat und die Disney zu einem beispiellosen Erfolgslauf hat antreten lassen. Mit der neuen Staffel im Rücken (und natürlich den ähnlich edel bestückten kommenden Jahren) kann das Studio in Burbank mit einer gewissen Zuversicht die nächste Stufe zünden, Disney +, der Streamingdienst, der die Zukunft sichern wird. Auch hier kann man darauf vertrauen, dass mit ähnlicher Souveränität zu Werke gegangen wird. Weil man bei Disney erkannt hat, dass für den Erfolg entscheidend ist, das richtige Programm richtig zusammenzustellen. Kuratierung heißt das Zauberwort. Kuratierung ist die Kunst, mit der man eine Alleinstellung erzielen und das Vertrauen der Kunden gewinnen kann. Wo Disney drauf steht, ist Disney drin. Darauf kommt es an. Kuratierung ist Markenpflege. Das ist gegenwärtig die Schwäche der Streamingriesen Netflix und Prime: Sie sind riesige Supermärkte mit einem beachtlichen Programm, nur dass man sich als Kunde nicht an die Hand genommen fühlt.

Deshalb sind auch die linearen Fernsehsender nicht in Gefahr: Sie bieten ein kuratiertes Programm, man wird als Zuschauer geführt. Das funktioniert auch in kleineren Zusammenhängen: Mubi kann sich gegenüber Netflix behaupten, weil es die Boutique im Gegensatz zum Warenhaus ist. Jeden Tag kommt ein neuer Titel ins Programm des Streamingangebots, den man dann 30 Tage lang ansehen kann. Jeder Titel ist ausgewählt. In England drängt Mubi mit derselben Philosophie bereits ins Kino: Jede Woche wird den Nutzern ein neuer Film empfohlen und Tickets bereitgestellt. Kuratierung ist das Zauberwort, mit dem sich kleinere Kinos wie das Wolf in Berlin einen Namen gemacht haben. Man vertraut der Auswahl. Und kommt gerne wieder. Kuratierung könnte ein Zauberwort auch für alle anderen Kinos sein, die sich künftigbehaupten wollen.

Thomas Schultze, Chefredakteur