TV

Servus TV: "Eine Duftmarke in Deutschland setzen"

Am morgigen 9. November (20.15 Uhr) geht bei Servus TV Deutschland die Crime-Serie "Meiberger - Im Kopf des Täters" an den Start, nach "Trakehnerblut" die nächste fiktionale Eigenproduktion des österreichischen Privatsenders. Frank Holderied, Leiter der strategischen Programmplanung, gibt ihm Gespräch Auskunft über die Fiction-Ambitionen des Red-Bull-Media-Unternehmens.

08.11.2018 14:06 • von Frank Heine
Frank Holderied leitet seit 2012 die strategische Programmplanung und Einkaufsabteilung bei Red Bull Media House/ Servus TV. Zuvor war er u.a. als Ressortleiter Spielfilm, TV Movies & Serien für den ORF tätig. (Bild: Servus TV/ Christian Leopold)

Herr Holdenried, zunächst bedarf es einer Klärung: Als Sie 2017 mit dem Dreh von "Trakehnerblut" begannen, war überall von der ersten Servus TV-Serie die Rede, aber laut Wikipedia gibt es da schon 2010 ein Format namens "Eine Couch für alle". Was stimmt denn nun?

Frank Holderied: Streng genommen stimmt es natürlich, dass "Eine Couch für alle" der erste Versuch in Richtung Fiction war. "Trakehnerblut", aufwendig und für den Hauptabend produziert, sehen wir als den wahren Startschuss für die Serienproduktion bei Servus TV

Täuscht der Eindruck oder hat das Thema fiktionale Eigenproduktionen für Servus TV lange Zeit keine große Rolle gespielt?

FH: Servus TV hat einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Und gerade Eigenproduktionen sind es, die einem Sender Authentizität verleihen und ihn unverwechselbar machen. Servus TV hat einen Eigenproduktionsanteil von über 65 Prozent, was für einen kleinen privaten Sender eine enorme Quote ist. Fiktionale Eigenproduktionen sind aber noch einmal eine andere Nummer, vor allem, wenn man qualitativ hochwertige Fiction machen will. Das will gut überlegt sein. Daher haben wir in allen anderen Bereichen erst einmal unsere Hausaufgaben gemacht, bevor wir uns an die Königsdisziplin gewagt haben. In Österreich sind wir der einzige private Sender, der den Schritt in die fiktionale Eigenproduktion gewagt hat.

"Trakehnerblut" lief nur in Österreich, nicht aber im deutschen Servus TV, wurde stattdessen an die ARD verkauft. War das ein von Anfang an eingeplanter Finanzierungsbaustein? Man könnte das sonst auch als Geringschätzung ihres deutschen Ablegers bewerten.

FH: Es war von vorn herein geplant, "Trakehnerblut" nur in Österreich bei Servus TV auszustrahlen und darüber hinaus zu verkaufen. Und das ist uns auch gelungen, wir haben die Serie nach Deutschland, Italien und in die Schweiz verkauft. Und jüngst nach Dänemark und China.

Ihre aktuelle Serie Meiberger" zeigen Sie nun auf beiden Kanälen. Wie kam es dazu, haben Sie keinen Abnehmer in Deutschland gefunden oder keinen gesucht?

FH: Auch das war eine klare Entscheidung. Wir hatten uns von vorn herein entschlossen, die Serie sowohl bei Servus TV Deutschland als auch bei Servus TV Österreich auszustrahlen. Wir wollen hier deutlich eine Duftmarke in Deutschland setzen und haben daher in Deutschland keinen Käufer gesucht, bieten die Serie aber international selbstverständlich an.

Aber Sie zielen mit Ihren Fiction-Programmen zuallererst auf den österreichischen Markt?

FH: Bei "Meiberger" ist es uns auch wichtig, in Deutschland gesehen zu werden. Daher haben wir mit Fritz Karl auch einen Hauptdarsteller, der sowohl in Österreich als auch in Deutschland zu den beliebtesten Schauspielern gehört. Obwohl unsere Eigenproduktionen immer eine typisch österreichische Note haben, bietet Servus TV Vollprogramm von Doku bis Live-Sport und internationaler. Fiction - natürlich für beide Märkte, beziehungsweise alle drei, denn wir senden ja auch in der Schweiz. Leichte Adaptionen in den verschiedenen Senderschemata geben uns hier die Freiheit, auf die Spezifika der einzelnen Märkte zu reagieren.

Wie sind Ihre Erwartungen an "Meiberger"?

FH: Natürlich wünschen wir uns, dass unsere zweite Hauptabendserie mindestens genauso erfolgreich läuft, wie unsere erste. Und dass sie uns besonders in Deutschland hilft, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Wie fällt Ihre Bilanz für "Trakehnerblut" aus? Von einer Fortsetzung war bislang nie die Rede.

FH: "Trakehnerblut" war sehr erfolgreich. Wir hatten sofort starke Quoten und auch in Deutschland lief die Serie erfolgreich. Wir sind derzeit mit Sam Film im Gespräch, wie eine mögliche Fortsetzung aussehen könnte.

Auf eine Pferde- und Familienserie folgt nun ein Crimeformat. Was müssen fiktionale Stoffe mitbringen, damit Sie für Servus TV interessant sind?

FH: Auch wenn es besonders im Crime-Bereich immer schwieriger wird, sich von anderen Formaten zu unterscheiden, ist es dennoch unser Anspruch, dem Genre neue Impulse zu geben, keine Allerweltsfiction zu produzieren, unique und authentisch zu sein, und dem ganzen selbstverständlich auch die typisch österreichische Note zu geben. Sprich, so simpel das klingen mag: Der Stoff muss zu Servus TV passen.

Würde nicht auch die von Red Bull Media angestoßene Fußball-Serie "The Net/Das Netz" gut zu Servus TV passen - gibt es Pläne in diese Richtung?

FH: Die Serie wurde von Matthias Hartmann ja bewusst ganz groß angelegt. Nur so kann sie funktionieren und nur so hebt sie sich von allem ab, was wir bisher gesehen haben. Daher müssen da auch erst einmal die ganz großen Player an Bord geholt werden, wie es ja in Deutschland schon gelungen ist. Wenn es dann noch ein Plätzchen für einen österreichischen Player an Bord gibt, werden wir natürlich auch sehr gerne in diese Richtung denken.

Wie offen sind Sie im fiktionalen Bereich für Kooperationen mit anderen Sendern und Plattformen, insbesondere aus Deutschland?

FH: Wir führen selbstverständlich schon länger Gespräche mit deutschen Sendern und Produktionsfirmen und sind immer offen für alles. Im Kinobereich sind wir eh schon diverse Koproduktionen - zuletzt Crescendo" (Arbeitstitel) mit Alice Brauners CCC Film - eingegangen. Im Dokubereich tun wir das seit Jahren.

Von vielen deutschen Kollegen hört man ständig, dass die non-lineare Nutzung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ist das bei Ihnen ähnlich und sind unter dem Aspekt Eigenproduktionen als Mediathekenfutter besonders wertvoll?

FH: Klar, gilt das auch für uns, aber wahrscheinlich ein bisschen weniger als für Sender, deren Hauptzielgruppe die 12 bis 29-Jährigen sind. Unser Publikum ist ja ein wenig reifer und selektiv qualitätssuchend. Aber natürlich wächst auch bei uns die Nutzung der Mediathek. Daher reagieren wir zum Beispiel jetzt bei "Meiberger" insofern darauf, dass alle Episoden in der Mediathek bleiben, solange die Serie läuft. Und wir lassen dann auch alle acht Episoden bis über die Weihnachtsfeiertage dort.

Wie sind ihre Pläne über "Meiberger" hinaus? Welche Rolle will Servus TV künftig auf dem österreichischen, vielleicht auch dem deutschen Fiction-Markt spielen?

FH: Wir wollen auch zukünftig eigene Fiction produzieren - im Idealfall natürlich gleich die zweite Staffel "Meiberger". Aber step by step. Wie gesagt, wir sind dazu in Gesprächen und grundsätzlich offen. Aber, wie auch gesagt: Der Stoff muss zu Servus TV passen.

Können Sie schon ein weiteres Nachfolgeprojekt benennen?

Dazu ist es noch zu früh.

Das Intervwew führte Frank Heine