Kino

KOMMENTAR: Was wir von William Fox lernen können

Im Jahre 1929 stand William Fox kurz davor, MGM zu übernehmen und als entscheidender Schritt auf dem Weg zur angestrebten Monopolisierung des Filmgeschäfts seiner 14 Jahre zuvor gegründeten Fox Film Corporation einzuverleiben. Ein schwerer Autounfall, der den aus Ungarn eingewanderten Filmpionier zwei Monate ans Krankenbett fesselte, und die Weltwirtschaftskrise machten dem seiner Ansicht nach unvermeidlichen Schritt, wenn man sich im Geschäft behaupten wollte, einen Strich durch die Rechnung.

25.10.2018 07:55 • von Jochen Müller

Im Jahre 1929 stand William Fox kurz davor, MGM zu übernehmen und als entscheidender Schritt auf dem Weg zur angestrebten Monopolisierung des Filmgeschäfts seiner 14 Jahre zuvor gegründeten Fox Film Corporation einzuverleiben. Ein schwerer Autounfall, der den aus Ungarn eingewanderten Filmpionier zwei Monate ans Krankenbett fesselte, und die Weltwirtschaftskrise machten dem seiner Ansicht nach unvermeidlichen Schritt, wenn man sich im Geschäft behaupten wollte, einen Strich durch die Rechnung. Ein Jahr später war Fox Pleite, er verkaufte die Assets seiner Firma an die 20th Century Films: 20th Century Fox war geboren. 88 Jahre später steht die Fox wieder im Mittelpunkt einer spektakulären Übernahme in Hollywood: Walt Disney erwirbt das Studio von Rupert Murdoch|U, der sich aus dem Filmgeschäft verabschiedet. Wie William Fox damals geht es auch Bob Iger|U um Konsolidierung, um die Sicherung der Pfründe und um das Schaffen der Grundlagen für eine strategische Ausrichtung, mit der man sich als klassisches Filmstudio gegen die neue Konkurrenz von Netflix und Prime sowie Megaplayer wie Google, YouTube oder Apple behaupten will:

Noch ist nicht ganz sicher, was genau mit Fox geschehen wird, ob und in welcher Form das Studio, das mit Avatar" den erfolgreichsten Film aller Zeiten auf den Weg gebracht hat, fortbestehen wird - und wie es um die Zukunft der Dependancen außerhalb der USA bestellt sein wird. Zwar steht fest, dass Fox-Studiochefin Stacey Snider|U ihren Hut nehmen wird (und sich nicht als Nachfolgerin für den auch schon 75-jährigen Disney-Studiochef Alan Horn|U in Stellung bringt, wie man vielleicht hätte vermuten können), aber mit ihrer rechten Hand Emma Watts ist bereits eine Nachfolgerin bestellt, und auch die Chefs der Unterstudios Fox 2000 und Fox Searchlight wurden bestätigt. Was zumindest heißt, dass Fox weiterbestehen und nicht in die DNA von Disney aufgelöst wird, auch wenn aus den Personalien nicht ersichtlich wird, was ihre künftige Aufgabe sein soll. Aber das Maus-Haus braucht Content, wenn der angekündigte hauseigene Streamingdienst ein Erfolg werden soll. Auf eine solche Plattform wird auch Warner Bros in der Zukunft setzen, was eine verständliche strategische Entscheidung ist: Wer seine Kunden an sich binden kann, wird überleben. Der Konsument ist indes der Gelackmeierte, wenn er künftig für den Content jedes einzelnen Studios separat zahlen kann.

Dann wird man schnell feststellen, dass die ersten Jahre der SVoD-Dienste, als auf einer Plattform noch alle Studios vertreten waren, die tollsten und wildesten waren. Vielleicht hält ja der eine oder andere beim aktuellen Hauen und Stechen um die beste Position im großen Contentkrieg kurz inne und erinnert sich an William Fox im Jahr 1929: Wer hoch pokert, kann auch groß verlieren. Wer sich dem Pokerspiel verweigert, allerdings auch.

Thomas Schultze|U, Chefredakteur