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Europaparlamentarierin Trüpel nennt YouTube-Vorstoß irreführend und zynisch

Mit einem offenen Brief rief YouTube-Chefin Susan Wojcicki die Akteure der Videoplattform zu Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform auf. Helga Trüpel, die für die Grünen im Europaparlament sitzt, nimmt den Fehdehandschuh auf.

23.10.2018 16:26 • von
Weist den Vorstoß von YouTube-Chefin Susan Wojcicki in der Diskussion ums Urheberrecht auf europäischer Ebene zurück: Helga Trüpel (Bild: Helga Trüpel)

Mit einem offenen Brief rief YouTube-Chefin Susan Wojcicki die Akteure der Videoplattform und deren Community zu Protesten gegen die europäische Urheberrechtsreform auf und warnte vor dem weltweit drohenden Verlust von hunderttausenden an Arbeitsplätzen, "falls Artikel 13 wie vorgeschlagen umgesetzt wird".

Helga Trüpel, die für die Grünen im Europaparlament sitzt und dort als Vizevorsitzende des Kulturausschusses fungiert, nimmt den Fehdehandschuh auf:

"Diese Aussagen sind grob irreführend", kommentiert Helga Trüpel, die kürzlich im Rahmen des Reeperbahn Festivals vom VUT die VIA Indieaxt für besondere Verdienste für die unabhängige Musikbranche und ihren Einsatz für eine faire Entlohnung von Musikern und Kreativschaffenden erhielt. "Zu behaupten, die Reform gefährde Arbeitsplätze, ist geradezu zynisch, schließlich zielen die Maßnahmen auf eine verbesserte Vergütung von Kreativen, deren Jobs aktuell durch ungeahndete Verletzungen ihrer Rechte und schlechte Verwertungsverträge gefährdet sind." Die Rechtsposition der Urheber gegenüber den Verwertern zu stärken, sei vielmehr "ein Beitrag zur Sicherung ihrer ökonomischen Existenz", streicht Trüpel heraus. "Außerdem muss ich erneut der Behauptung widersprechen, es gebe eine generelle Filterpflicht - es gibt keine verpflichtenden Uploadfilter, YouTube soll lizenzieren."

Laut Trüpel dürften die Einlassungen dazu dienen, "den angelaufenen Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission zu beeinflussen und eine endgültige Verabschiedung der Reform im kommenden Frühjahr zu verhindern". Zuletzt habe sie Gespräche im Silicon Valley mit Repräsentanten von Unternehmen wie Google oder Facebook "überwiegend als konstruktiv" erlebt, lässt Trüpel wissen. "Darstellungen wie im aktuellen YouTube-Brief halte ich dagegen für anmaßend, als langjährige Parlamentarierin verbitte ich mir solche kruden Interventionen."