Kino

"Diese Entscheidung werden wir nicht tolerieren!"

"The Happytime Murders" sorgt aktuell wieder für Debatten um die Freigabepraxis. Tatsächlich setzen einzelne Kinobetreiber bei diesem Film nun eigene Maßstäbe durch. Der Verleih zeigt dafür Verständnis.

12.10.2018 17:38 • von Marc Mensch
"The Happytime Murders" erhielt von der FSK eine niedrigere Freigabe als der Verleih sie beantragt hatte (Bild: Tobis)

Dass in der hessischen Landeshauptstadt gelegentlich Ermessensentscheidungen in Sachen Film getroffen werden, über die man trefflich streiten kann, liegt in der Natur der Sache - und betrifft beileibe nicht nur die FSK. Im Fall von "The Happytime Murders" durfte aber auch der deutsche Verleih staunen.

Dabei geht es zunächst gar nicht darum, welche Freigabe für diesen Film tatsächlich vertretbar ist. Aber angesichts der Tatsache, dass schon der erste Trailer eine FSK 16 verpasst bekam und Tobis ebendiese Freigabe dann auch für den Hauptfilm beantragt hatte, zeigte man sich von der Entscheidung erst einmal "selbst überrascht", wie Marketingleiter Magnus Vortmeyer gegenüber Blickpunkt: Film erklärt. Zumal man auf dem Plakat selbst mit dem Slogan "Achtung - Dieser Film ist nur für Erwachsene!" wirbt.

In der Freigabebegründung der FSK jedenfalls heißt es: "In dieser Krimiparodie ermitteln Puppen neben echten Schauspielern in einer rätselhaften Mordserie. Der Film erzählt in klamaukhafter Übertreibung in einem Wechsel von Dialog- und Actionszenen. Dabei kann zwar die teils sehr vulgäre Sprache Kinder unter 12 Jahren irritieren, doch bereits 12-Jährige sind in der Lage, sie dem Kontext und den Figuren zuzuordnen und sich davon zu distanzieren, sodass kein Nachahmungseffekt zu befürchten ist. 12-Jährige erkennen die stets deutliche Fiktionalität der Geschichte und können den ins Absurde reichenden Humor des Films entschlüsseln. Daher ist für sie keine Beeinträchtigung anzunehmen."

Folgerichtig lautet das vergebene Siegel "FSK 12" - womit der Film dank des Elternprivilegs auch entsprechend begleiteten Sechsjährigen zugänglich ist. Was, dies sei am Rande erwähnt, aber selbstverständlich auch für das nominell strengere "R"-Rating in den USA gilt, wo das Elternprivileg weitreichender ausgestaltet ist.

Indes zeigt sich nicht jeder Kinobetreiber mit der FSK-Einstufung einverstanden. In den sechs Häusern der Gruppe Nennmann/Thies & Thies - die erst im Frühjahr 2016 einen entsprechenden "Brandbrief" an die FSK geschickt hatte - jedenfalls behandelt man den Film, als sei er erst für Sechszehnjährige freigegeben. Auf den jeweiligen Kino-Websites heißt es dazu, dass man mit dem Hausrecht zum wiederholten Male in das Jugendschutzgeschehen eingreife. Die "unverantwortliche", "nicht nachvollziehbare" und "inakzeptable" Entscheidung werde man "keinesfalls tolerieren".

Die Ansicht, dass "The Happytime Murders" nicht für eine FSK 12 geeignet ist, stütze man dabei auch auf die Meinung des Publikums. Denn wie es weiter heißt, habe man nach einer gut besuchten Preview Einschätzungen zur Altersfreigabe eingeholt. 83 Prozent der Gäste hätten dabei für eine FSK 16 plädiert, drei Prozent sogar für eine FSK 18. Von diesem "sehr eindeutigen Bild" sehe man sich in der Ansicht bestätigt, Besuchern unter 16 Jahren keinen Zutritt zu diesem Film zu gewähren.

Ähnlich argumentieren unter anderem die Betreiber des Cineplex Goslar. Dort heißt es unter anderem auf Facebook: "Auch wenn wir sehr darauf bedacht sind, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, gibt es Momente, an denen wir diese Entscheidungen nicht nachvollziehen können und uns, zum Schutz der Kinder und Jugendlichen, gezwungen sehen, uns auf unser Hausrecht zu berufen." Auch hier spricht man von einer "unverständlichen" und "unverantwortlichen" Freigabeentscheidung und beschränkt den Zugang zum Film auf Besucher im Alter von mindestens 16 Jahren. Manche Betreiber arbeiten übrigens grundsätzlich mit der FSK 12, machen von ihrem Hausrecht aber insofern Gebrauch, als sie das Elternprivileg für die Mitnahme von Kindern unter 12 Jahren außer Kraft setzen.

Wie Magnus Vortmeyer schildert, legt Tobis jenen Kinos, die bei diesem Film einen höheren Altersmaßstab ansetzen wollen, keine Steine in den Weg. Zwar würden FSK-12-Filme in der Regel auf Basis von drei Vorstellungen pro Tag vermietet, allerdings akzeptiere man in diesem Fall - schon aufgrund der ursprünglichen eigenen Erwartung an das Votum der Prüfer - auch den Einsatz unter FSK-16-Bedingungen.