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Nach dem Donnerhall: Viel Neues beim Fernsehfestival Baden-Baden

Nach der Kritik an der Qualität des letztjährigen Wettbewerbs hat das Fernsehfilm-Festival Baden-Baden sein Auswahlverfahren verändert. Die zwölf Kandidaten für den Preis der Akademie der Darstellenden Künste und die neu zusammen gestellte Jury versprechen Hochspannung.

12.10.2018 14:00 • von Frank Heine
"Saat des Terrors" (mit Christiane Paul) feiert kurz vor dem Festival am 21. November TV-Premiere in der ARD (Bild: SWR/Diwa Film)

Nach dem Donnerhall des Vorjahres, als nichts Geringeres als die Zukunft des Fernsehfilms in Frage gestellt wurde und von diversen Juroren die Qualität der Wettbewerbsfilme kritisiert wurde, hat sich einiges getan beim Fernsehfilm Festival-Baden (26. - 30. November), das zudem 30-jähriges Jubiläum feiert. Das Auswahlverfahren für die Wettbewerbsfilme wurde grundlegend verändert und eine Auswahlkommission, bestehend aus der Juryvorsitzenden Bettina Reitz|U und der Festivalleitung, gebildet. Diese Kommission wählte vier der zwölf Filme aus, die um den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und den 3sat-Zuschauerpreis konkurrieren. Die weiteren Filme wurden von der Akademie und den teilnehmenden Sendern nominiert. Mit dem Rückzug von Sat1 bleibt erstmals seit Beginn des 21. Jahrhunderts das Privatfernsehen in Baden-Baden komplett außen vor.

Gleich vier Filme - Saat des Terrors", Unterwerfung" Fremde Tochter" und Toulouse" beschäftigen sich in diesem Jahr, zumindest im weitesten Sinne mit (islamistischem) Terror. "Fremde Tochter", entstanden in der Nachwuchsreihe Debüt im Dritten führt dabei erstmals die Lokalmatadore von Kurhaus Production in den Wettbewerb. Mit Die Freibadclique" und Kästner und der kleine Dienstag" als Repräsentanten des Historiendramas, mit dem Krimidrama Ein Kind wird gesucht" und "Fremde Tochter" finden sich vier Filme im Wettbewerb, die es vergangene Woche auch auf die Nominierungsliste für den Preis der deutschen Fernsehakademie geschafft haben. Mut zur Komödie beweisen allein die Österreicher - der ORF schickt Marie Kreutzers TV-Debüt Die Notlüge" ins Rennen, das Schweizer Fernsehen - immerhin der Titelverteidiger - versucht sein Glück mit Dani Levys One-Take-Tatort".

Neben den Neuerungen im Auswahlverfahren gibt es auch eine von Bettina Reitz komplett neu zusammengestellte Jury. Dem fünfköpfigen Gremium gehören neben der HFF-Präsidentin Schauspielerin Senta Berger, Regisseurin Julia von Heinz, die FAZ-Redakteurin Sandra Kegel sowie Autor und Regisseur Oliver Kienle an. Bei Kienle darf man gespannt sein, ob er sich als ähnlich kritischer und streitbarer Geist wie sein Bad Banks"-Kompagnon Christian Schwochow im Vorjahr erweist.

Alle Wettbewerbsfilme in der Übersicht:

"Die Freibadclique" (SWR, Degeto, MDR, NDR, SR / Zieglerfilm Baden-Baden; Buch/Regie: Friedemann Fromm)

"Fremde Tochter" (SWR / Kurhaus Production; Buch/Regie: Stephan Lacant; Buch: Karsten Dahlem)

Fremder Feind" (WDR / Schiwago Film, Regie: Rick Ostermann; Buch: Hannah Hollinger)

"Kästner und der kleine Dienstag" (Degeto, WDR, ORF / Ester Reglin Film, Dor Film Köln; Regie: Wolfgang Murnberger; Buch: Dorothee Schön)

"Ein Kind wird gesucht" (ZDF, Arte; / Lailaps Pictures, Handwritten Pictures; Regie: Urs Egger; Buch: Katja Röder, Fred Breinersdorfer)

"Die Notlüge" (ORF, SWR / Epo Film; Regie: Marie Kreutzer, Buch: Pia Hierzegger)

"Saat des Terrors" (SWR, Degeto, BR, RBB, SR / Diwa Film; Buch/Regie: Daniel Harrich, Buch: Gert Heidenreich)

Südstadt" (ZDF / Network Movie; Regie: Matti Geschonneck; Buch: Magnus Vattrodt)

"Tatort: Die Musik stirbt zuletzt" (SRF / Hugo Film; Buch/Regie: Dani Levy)

"Toulouse" (HR; Regie: Michael Sturminger; Buch: David Schalko)

"Unterwerfung" (RBB / NFP; Buch/Regie: Titus Selge)

Wir lieben das Leben" (ZDF / Wiedemann & Berg; Regie: Sherry Hormann; Buch: Gabriela Sperl, Lena May Graf)