Kino

Politische Aktivisten beim Abschlusspanel der World Conference of Screenwriters

Politische Aktivisten wie zwei Mitglieder von Pussy Riot sowie der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, berichteten beim Abschlusspanel der World Conference of Screenwriters in Berlin über das Dilemma der Kreativen in ihren Ländern.

12.10.2018 10:36 • von Jochen Müller

Politischen Besuch bekam das gestrige Abschlusspanel der zweitägigen World Conference of Screenwriters, zu der sich mehr als 300 DrehbuchautorInnen in der Akademie der Künste in Berlin versammelt hatten. So wies der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, der derzeit in Deutschland im Exil lebt, in seiner Rede zu Beginn des Panels auf die widerspenstige Kraft der Kultur hin, die auch in der Türkei wirke: "Stellen Sie sich vor, Sie sind so lange an der Macht, sind zum einzigen Richter über alle Bereiche im Land geworden, aber nach wie vor sind Sie nicht in der Lage, einen vernünftigen Kinofilm oder eine Serie drehen zu lassen. Hunderte Bauunternehmer, Imame, Polizeichefs haben Sie herangezogen, aber keinen einzigen nennenswerten Autoren, Regisseur oder Schauspieler hervorgebracht."

Die Pussy-Riot-Aktivisten Peter Verzilov und Veronika Nikulshina, Verzilovs Lebensgefährtin, waren nach Berlin gekommen, um auf den Kampf der Autoren für Kunst-, Rede- und Meinungsfreiheit auf der ganzen Welt hinzuweisen. Verzilov erholt sich derzeit in Berlin von einer lebensgefährlichen Vergiftung. Er gab sich gewohnt kämpferisch: "Du zahlst einen Preis, wenn Du gegen Putin aufbegehrst, aber es lohnt sich. Es ist eine Ehre, hier im Kreis von so vielen großartigen Autoren zu sein. Erzählen Sie Ihre Geschichten, kämpfen Sie für die Wahrheit.

Auf dem von Carolin Otto, Vorstandsmitglied der Federation of Screenwriters in Europe (FSE), die zusammen mit dem Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) und der International Affiliation of Writer's Guilds (IAWG) zu der zweitägigen Konferenz geladen hatte, moderierten Panel saßen Autoren aus Polen, Österreich und den USA.

Maciej Karpinski, einer der angesehensten Drehbuchautoren Polens, wusste von einer schleichenden Veränderung für die Filmwirtschaft in seinem Land zu berichten: "Es gibt zwar keine offizielle Zensur. Aber es schleicht sich etwas Schlimmeres ein: Nämlich die von der Regierung geschaffene und gewollte generelle Atmosphäre, in der Selbstzensur gedeiht, in der sich viele Autoren fragen, ob sie über bestimmt Themen schreiben, bestimmte Gefühle zulassen oder Interpretationen der Wahrheit wagen sollten."

Der österreichische Drehbuchautor Jacob Groll warnte vor dem Hintergrund, dass der ORF unter enormen Druck durch die regierenden Parteien gekommen ist: "Es wird tricky in Österreich, wenn es dort um Filmförderung geht."

Der US-Autor zog nach seinem Referat über die Rolle der Writer's Guildes in den USA in der MacCarthy-Ära das Fazit: "Das gilt für uns alle auf der ganzen Welt: Wenn deine eigene Gilde dich nicht schützt, hilft dir niemand."