Kino

KOMMENTAR: Wir warten

Irgendwann muss er doch platzen, der Knoten in den deutschen Kinos. Während in den USA dank der Starts von "Venom" und "A Star Is Born" das beste Oktober-Wochenende aller Zeiten verzeichnet wurde (und den Erfolgsabstand des aktuell lukrativsten Kinojahres aller Zeiten vergrößerte), ging es in Deutschland zwar auch wieder bergauf. Aber so richtig rund laufen will es auch zum Auftakt des letzten Kinoquartals in diesem Jahr nicht

12.10.2018 08:23 • von Jochen Müller

Irgendwann muss er doch platzen, der Knoten in den deutschen Kinos. Während in den USA dank der Starts von Venom" und "A Star Is Born" das beste Oktober-Wochenende aller Zeiten verzeichnet wurde (und den Erfolgsabstand des aktuell lukrativsten Kinojahres aller Zeiten vergrößerte), ging es in Deutschland zwar auch wieder bergauf. Aber so richtig rund laufen will es auch zum Auftakt des letzten Kinoquartals in diesem Jahr nicht: Die erhofften Trümpfe stechen zwar, aber eben nicht mit der nötigen Power, um die Branche mit neuer Zuversicht zu erfüllen: Wenn schon Die Unglaublichen 2" nicht durch die Decke geht, der in den US-Kinos umsatzstärkste Animationsfilm aller Zeiten, was soll denn dann noch funktionieren?

Immerhin: Als erster Film seit Juni sicherte sich der 19. Film aus dem Hause Pixar wieder einen Bogey. Das sollte man nicht klein reden. Wie auch die soliden Erfolge der ersten großen deutschen Titel, die zum Jahresendspurt gestartet wurden. Natürlich lassen sich die Starts der neuen Filme von Til Schweiger und Bully Herbig, die beiden erfolgreichsten deutschen Filmemacher der letzten 25 Jahre, nicht an ihren ganz großen Triumphen messen. Aber beide betreten auch Neuland, der eine mit einer Komödie, die sich ums Älterwerden - nicht das glamouröseste aller Themen - dreht; der andere mit einer regelrechten Neuerfindung als Genreregisseur, ohne das kleinste bisschen Augenzwinkern.

Wenn man sich ansieht, wie sich die Titel halten, lässt sich doch konstatieren, dass sie ihrem Publikum gefallen und weiterempfohlen werden. Dass Werk ohne Autor" indes so ohne Nachhall startet, als, verzeihen Sie den Spruch, "Werk ohne Publikum", ist indes tragisch: Weil viel Ambition und Leidenschaft und Herzblut (und Geld) in diesem Film steckt, der mit seiner Thematik und seiner Machart eigentlich angetan war, jenes Publikum abzuholen, das nicht so oft ins Kino geht, aber jederzeit in der Lage ist, Titel wie "Das Parfum" oder Der Medicus" zu großen Hits zu machen.

Auch das waren Filme, über deren Qualität und Machart hitzig und in manchen Lagern der Filmkritik hämisch debattiert worden war. Aber sie trafen einen Nerv bei der Zielgruppe, die sich von einem Kinobesuch etwas anderes erwartet als Avantgarde oder State of the Art, sondern gediegene und gehobene Unterhaltung mit Themen, über die man spricht.

Dass dies in Lagern, die sich auch im Jahr zwölf nach Florian Henckel von Donnersmarcks Debüt immer noch darüber beäumeln, wie toll man den Namen des Regisseurs verballhornen kann, natürlich als Unding empfunden wird, war zu erwarten.

Darüber kann man auch stehen. Dass das Publikum nicht mitzieht, tut weh. Und treibt Regisseure mit Lust an großen und epischen Stoff en für die große Leinwand wohl noch mehr in Richtung Fernsehserie, wo sie von Prime und Netflix mit off enen Armen empfangen werden.

Wir aber warten auf den Ruck, der durchs Kino gehen muss. Und zwar bald.

Thomas Schultze|U, Chefredakteur