Kino

"Als Förderer sehnen wir uns das Zukunftsprogramm herbei"

Mehr Unterstützung für die deutschen Kinos? Für MDM-Geschäftsführer Claas Danielsen keine Frage, wie er bei der diesjährigen Verleihung der Kinoprogrammpreise Mitteldeutschland klar machte.

19.09.2018 02:10 • von Jochen Müller

Dieser Termin hat Tradition: Auch in diesem Jahr ehrte die Mitteldeutsche Medienförderung bei der im Vorfeld des Eröffnungsempfangs jene mitteldeutschen Kinos, die sich im Vorjahr durch besonders engagierte Programmarbeit ausgezeichnet haben. Im Rahmen einer beschwingten Veranstaltung, die nicht nur durch die gewohnt souveräne Moderation von Zeremonienmeister Jörg Taszman und Musik der Leipziger Band "byebye" hevorstach, sondern auch durch die einleitenden Worte von MDM-Geschäftsführer Claas Danielsen. Denn dieser beließ es nicht etwa dabei, den Kinos in einem "extrem harten Jahr" (das im Arthouse bislang noch vergleichsweise moderat negativ ausfällt) Kraft und Durchhaltevermögen zu wünschen. Sondern er gab ein klares Bekenntnis zu einer (noch) engagierteren Unterstützung der Kinobranche ab. Als Förderer, so Danielsen, sehne er sich das im Koalitionsvertrag versprochene "Zukunftsprogramm Kino" herbei. Und das nicht etwa nur wegen der zu erwartenden direkten positiven Effekte. Sondern auch, weil ein solches Programm Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, für die die MDM als Länderförderer agiert, womöglich dazu bewegen könnte, Geld für eine Kinoförderung jenseits des bislang einzigen Instruments (der besagten Kinoprogrammpreise) in die Hand zu nehmen. Wunsch der MDM sei es, flankierend zur FFA in Sachen Kinoförderung tätig werden zu können. Und das vielleicht - Danielsen formulierte dies ausdrücklich als persönlichen Gedanken - auch jenseits der Investitionsförderung im engen Sinn. Also auch mit Blick auf inhaltliche Bemühungen.

Nun, was das Zukunftsprogramm bringen kann, wird man sehen müssen. Die derzeit kolportierten zehn Mio. Euro, die die BKM dafür in Ansatz gebracht haben soll (über einen Zeitraum von fünf Jahren, nicht etwa per anno) sind jedenfalls meilenweit von dem entfernt, was sowohl HDF als auch AG Kino Gilde zur Diskussion stellen. Und kaum weniger weit von dem entfernt, was man noch guten Gewissens unter einen Begriff wie "Zukunftsprogramm" fassen könnte. Dies hier aber nur am Rande. Denn im direkten Vorfeld der Filmkunstmesse-Eröffnung stand erst einmal die konkrete Prämierung herausragender Programmarbeit auf dem Plan - und es waren immerhin 79.500 Euro, die Danielsen an diesem feierlichen Abend im Salles de Pologne an 21 gewerblich betriebene Kinos in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vergeben konnte.

Wobei gerade in diesem Jahr doch eines auffiel: Der extrem kritische Blick, den die Jury offenbar auf sogenannte Crossover-Filme warf. Als Zuhörer konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Bemühen, den - auch nach ihrer Ansicht wirtschaftlich oft nicht wirklich zu vermeidenden - Spagat zwischen Arthouse und Mainstream (an sich bisweilen schon eine müßige Diskussion, hier klare Trennlinien zu ziehen) zu absolvieren, nicht gerade für Wohlwollen unter den Juroren sorgte. Muss preiswürdige Kinoarbeit wirklich darin bestehen, ausschließlich Nischen zu besetzen? Muss sich ein Programmkino wirklich dafür rechtfertigen, einen Fack Ju Göhte 3" auf den Spielplan gesetzt zu haben? Sind wir doch ehrlich: Dieser Film steuerte im Zweifel sehr viel mehr zum Diskurs über deutsche Befindlichkeiten bei, als der gerade auch an diesem Abend mehrmals hochgelobte (und durchaus auch nach Ansicht des Autors fantastische) La La Land".

Wie dem auch sei: An den Entscheidungen der Jury gab es am Ende nichts auszusetzen, insbesondere nicht, was den Hauptpreisträger betraf. Um es mit den Worten von Christian Bräuer zu sagen: "Es ist ein ganz wunderbares Kino mit einzigartiger Atmosphäre - und das Programm ist der Hammer!" Worte, die indes erst bei der Rede zur offiziellen Eröffnung fielen. Die Jury formulierte es zuvor ein wenig anders, sprach von Mut, Entschlossenheit; der Bereitschaft, Haltung zu zeigen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Den Hauptpreis zu vergeben, sei in diesem Jahr tatsächlich nicht schwer gefallen - denn seit der Eröffnung vor rund drei Jahren beobachte man die Arbeit dort mit allerhöchstem Interesse. Wie gut sie ist, davon legt unter anderem eine Zahl Zeugnis ab: Über 20 Prozent der Besucher sind Kinder und Jugendliche. Im Arthouse eine herausragender Wert und ein klares Signal, was bei dieser Zielgruppe mit entsprechenden Angeboten möglich ist. Die Rede ist vom Metropol in Gera, das sich den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis sichern konnte.

Aber auch jenseits dieser besonderen Ehrung zeigte sich die Jury nach eigenen Worten erneut beeindruckt von der Kinolandschaft in Mitteldeutschland, vom Engagement und Ehrgeiz, mit dem die Betreiber ihr Programm gestalten. In diesem Sinne unsere herzlichen Glückwünsche an sämtliche Gewinner, die neben dem Metropol wie folgt lauten:

Kinoprogrammpreise in Höhe von jeweils 5000 Euro erhielten das Burg Theater in Burg, das Lichthaus in Weimar, das Luchskino am Zoo in Halle (Saale), das Luru Kino in der Spinnerei in Leipzig, die Schaubühne Lindenfels in Leipzig sowie die Dresdner Filmtheater Programmkino Ost, Thalia Cinema . Coffee and Cigarettes und das Kino im Dach.

Die mit einer Prämie von je 2500 Euro dotierten Preise wurden an das Kino am Markt und das Kino im Schillerhof in Jena, KIF - kino in der fabrik in Dresden, Kinobar Prager Frühling und Passage Kinos in Leipzig, Metropol Chemnitz, Puschkino in Halle (Saale) und an die Schauburg in Leipzig vergeben. Über 1500 Euro konnten sich die Betreiber des Studiokinos in Magdeburg, des Zazie in Halle (Saale) und des Cineding in Leipzig freuen.

Dem Dresdener Kino im Kasten wiederum wurden 5000 Euro zuerkannt - in Form des Sonderpreises für eine alternative Abspielstätte.

Marc Mensch