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Rechteteilung: Weitere Annäherung zwischen ARD und Produzenten

Im Vorgriff auf die Ausweitung der Verweilzeiten in den Mediatheken haben sich die ARD und die Produzentenallianz auf eine erweiterte Rechteteilung geeinigt.

25.07.2018 12:48 • von Frank Heine
MDR-Intednatin Karola Wille (Bild: MDR/Martin Jehnichen)

Der Aufschrei unter Produzenten- und Kreativverbänden war groß, als vor einigen Wochen die Länder im Zuge einer Reform des Telemedienauftrags längere Verweildauern von Inhalten in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken beschlossen haben (wir berichteten). Die ARD hat darauf nun reagiert und sich zu einer erweiterten Rechteteilung bei teilfinanzierten Auftragsproduktionen verpflichtet. Dies hat eine Anpassung innerhalb des ARD-Eckpunkte 2.0-Papiers zufolge und betrifft das von der ARD entwickelte Schichtenmodell, mit dem die Aufteilung der Rechte bei teilfinanzierten Auftragsproduktionen geregelt ist. In Korridoren wird die Werthaltigkeit von Rechten beziffert wird.

"Mit der Weiterentwicklung des Schichtenmodells in den ARD-Eckpunkten 2.0 wird ein fairer Interessenausgleich zwischen den kommunikativen Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer und den Verwertungsmöglichkeiten der für uns kreativ tätigen Produzenten gesichert", sagte MDR-Intendantin Karola Wille. Die ARD trage somit bereits der Protokollerklärung der Länder im Entwurf des 22. Rundfunkänderungsstaatsvertrags Rechnung. Darin hieß es, dass der Film- und Medienproduktionswirtschaft unter Berücksichtigung einer Rechteverteilung eine auskömmliche Finanzierung der Produktionen zu sichern ist.

"Produzentenallianz und ARD ist es einmal mehr in konstruktivem Zusammenwirken gelungen, Rahmenbedingungen für die Verweildauern bei teilfinanzierten Produktionen in den Mediatheken zu entwickeln", kommentierte der Vorsitzender der Produzentenallianz, Alexander Thies die Verhandlungen. Beiden Seiten böten diese Rahmenbedingungen Verlässlichkeit. "Finanzierungsbeiträge der Produzenten erfahren eine transparente Bewertung und flexible Kompensation", so Thies.

Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz erklärt: "Die seitens unseres Verbandes angeregte Protokollerklärung aller Länder zu § 11d., Absatz 2 des Rundfunkstaatsvertrages, die die Notwendigkeit fairer Vertragsbedingungen und Rechteteilung zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der Film- und Medienproduktionswirtschaft einfordert, ist nun hinsichtlich teilfinanzierter Auftragsproduktionen mit der ARD umgesetzt. Das Modell muss freilich in der Praxis auch mit Leben erfüllt werden. Unsere Erwartung ist es, dass teilfinanzierte Auftragsproduktionen mit dynamischem Rechtemodell eine weit größere Rolle erfahren als in der Vergangenheit."

Der Vorsitzende der Kino-Sektion, Uli Aselmann, verweist auf die noch laufenden Verhandlungen zur zukünftigen Ausgestaltung der Kino-Koproduktionen und hofft dort ebenso auf substantielle Ergebnisse. "Wichtig sind für die Produktionswirtschaft insgesamt der Verbleib werthaltiger Rechte, besonders auch als Rückdeckung eigener Investitionen", so Aselmann. Karola Wille betonte diesbezüglich: "Unsere Selbstverpflichtung für teilfinanzierte Auftragsproduktionen trägt auch zu einer vielfältigen und mittelständisch geprägten Produzentenlandschaft in Deutschland bei. Deshalb finden mögliche längere Verweildauern auch in den derzeit laufenden Verhandlungen zu Kino-Co-Produktionen Berücksichtigung."

Die Konkretisierung des Schichtenmodells in den ARD-Eckpunkten 2.0 gilt als Selbstverpflichtung der ARD bereits ab dem 1. September 2018 im Umgang mit allen Auftragsproduzenten unabhängig von der Verbandszugehörigkeit. Eine mögliche Anpassung der ARD-Eckpunkte 2.0 bei vollfinanzierten Auftragsproduktionen ist Teil der turnusmäßigen Evaluierung der Selbstverpflichtung, die 2019 beginnen soll. Zeitnah wird die Produzentenallianz in Schulungen in Berlin und München ihre Produktionsunternehmen mit dem neuen Modell vertraut machen.

Die Vereinbarung zum Schichtenmodell im Wortlaut.