Kino

Verhältnismäßig gut geschlagen: Die Bilanz des Arthouse-Halbjahres

Keine Frage: In einem schwierigen Marktumfeld, das nicht zuletzt von monatelangem Sommerwetter und der schon per se wenig kinofreundlichen WM-Zeit geprägt war, mussten auch die deutschen Arthouse-Kinos Federn lassen. Allerdings schlugen sich diese im Verhältnis deutlich besser als der Gesamtmarkt.

09.07.2018 10:00 • von Marc Mensch
"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" war der erfolgreichste Arthouse-Titel im ersten Halbjahr (Bild: Fox)

Keine Frage: In einem schwierigen Marktumfeld, das nicht zuletzt von monatelangem Sommerwetter und der schon per se wenig kinofreundlichen WM-Zeit geprägt war, mussten auch die deutschen Arthouse-Kinos Federn lassen. Allerdings schlugen sich diese im Verhältnis deutlich besser als der Gesamtmarkt - und mussten einen erheblich geringeren Rückgang bei Umsatz und Besucherzahlen verkraften, als dies im Schnitt bei den Mainstream-Häusern der Fall war.

Die AG Kino-Gilde jedenfalls schätzt das Minus im Gesamtmarkt sowohl beim Boxoffice als auch den Besuchern auf rund 16,5 Prozent - beziffert die Rückgänge bei den Filmkunsttheatern aber auf nur 7,5 Prozent beim Umsatz und 7,9 Prozent bei den Besuchern. Bekanntermaßen ist das Arthouse-Segment ein besonders heterogener Markt - dementsprechend berichtet der Verband sogar von "etlichen Mitgliedern", die bis zum Halbjahr sogar ein stabiles Ergebnis vorweisen können. Eine allzu große Überraschung ist das angesichts der vielen hochkarätigen Arthouse-Filme des ersten Halbjahres eher nicht, auch wenn die terminliche Ballung vieler Filme hier sicherlich Potenzial gekostet hat. Was man übrigens umso mehr vom Mainstream-Segment behaupten muss, das sich mit Rahmenbedingungen konfrontiert sah, die schlechter kaum hätten sein können - gerade auch was die Terminierung mancher Titel anbelangt. Mit Blick nach vorne liegt hier gerade um Weihnachten noch Einiges im Argen. Schwer vorstellbar, dass es hier nicht noch zu einer leichten Entzerrung kommt.

Aber zurück zum Arthouse-Ergebnis: Für den Vorstandsvorsitzenden der AG Kino-Gilde ist das verhältnismäßig solider Abschneiden vor allem auf das große Engagement vor Ort zurückzuführen: "Die BetreiberInnen sind umtriebiger geworden und ihre Kinos haben große Anziehungskraft auf das Publikum, weil sie wissen, wie man Events veranstaltet und die Aufmerksamkeit auf die Filminhalte lenkt. Neben einer wachsenden und gut kuratierten Vielfalt an Filmen bieten die Filmkunsttheater ein reichhaltiges Angebot an Sonderveranstaltungen. Mit Festivals, Filmreihen, Angeboten für Kinder und Jugendliche ebenso wie mit Museumsdokumentationen, Konzert- und Opernübertragungen verbinden sie in attraktiver Weise Alltags- und Eventkultur", so Christian Bräuer.

Sein Schluss: Gutes Kino setzt sich durch. Deshalb arbeite man daran, den Kulturort Kino weiterzuentwickeln. Kernanliegen dabei seien innovative Angebote, der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Modernisierung der Spielstätten. "Die Erhaltung der Kino- und Programmvielfalt ist aus unserer Sicht auch ein gesamtgesellschaftliches Anliegen", so Bräuer. "Auch im digitalen Zeitalter ist das Kino die Herzkammer für den Film und macht ihn erst sichtbar. Dies gilt in besonderem Ausmaß für deutsche und europäische Filme jenseits des Mainstreams." Tatsächlich habe der Anteil der Filmkunst-Kinos am Gesamtergebnis der drei erfolgreichsten deutschen Arthouse-Titel bei rund 60 Prozent und darüber gelegen.

Ermittelt wurden die Zahlen von ComScore in Zusammenarbeit mit der AG Kino-Gilde.

TOP 3 ARTHOUSE-CHARTS (1. Halbjahr)

1) Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

2) Die Verlegerin

3) Shape of Water

TOP 3 DEUTSCHE ARTHOUSE-FILME

1) Aus dem Nichts

2) 3 Tage in Quiberon

3) Das schweigende Klassenzimmer

TOP 3 KINDERFILME

1) Die kleine Hexe

2) Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

3) Peter Hase

TOP DOKUMENTARFILM

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