Kino

Vertrauensstelle für Opfer sexueller Belästigung und Gewalt gegründet

Mitte Februar haben zahlreiche Branchenverbände die Gründung einer unabhängigen Vertrauensstelle für Betroffene von sexueller Belästigung und Gewalt beschlossen. Diese ist jetzt formell vollzogen worden. Neben einer Anschubfinanzierung aus dem Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters sind bereits weitere Mittel zugesagt worden.

01.06.2018 12:10 • von Jochen Müller

Wie Mitte Februar beschlossen, haben zahlreiche Branchenverbände und Gewerkschaften der Film- und Fernsehbranche zusammen mit Vertretern der ProduzentInnen, Sender, Theater und Orchester in Deutschland jetzt einen Trägerverein für eine unabhängige Vertrauensstelle für Opfer sexueller Belästigung und Gewalt gegründet. Sie soll zunächst Anlaufstelle für Betroffene aus den genannten Bereichen sein, könne aber durch die Beteiligung weiterer UnterstützerInnen und entsprechende Branchenvertreter auf die gesamte Medienbranche, den Musikbereich und andere Kulturzweige ausgeweitet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der beteiligten Verbände.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird aus ihrem Etat eine Anschubfinanzierung in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Sie betont die Wichtigkeit einer derartigen Vertrauensstelle: "Es war und ist mir ein wichtiges politisches und menschliches Anliegen, angesichts sexueller Belästigungen, Demütigungen und Gewalt in der Filmbranche, aber auch in anderen Kultursparten eine Anlaufstelle mit zu initiieren, an die Betroffene sich vertrauensvoll wenden können,. Dafür habe ich neben der politischen vor allem auch finanzielle Unterstützung zugesichert. Mit der 'Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung' haben wir nun ein breites Bündnis aus der besonders betroffenen Film-, Fernseh- und Theaterbranche aufgestellt, an dem sich aber auch Vertreter anderer Kulturzweige beteiligen können. Ich begrüße es, dass es gelungen ist, so viele Partner ins Boot zu holen, die dieses Projekt jetzt gemeinsam verwirklichen. Die Zeit des Schweigens muss vorbei sein!"

Im Namen der beteiligten Arbeitsnehmerverbände und Berufsverbände erklärt Simone Wagner, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Schauspiel: "Wir freuen uns, dass sich auf unsere Initiative hin nun Sender, Produzenten und viele Verbände der Film- Fernseh- und Theaterbranche auf den Weg gemacht haben, diese dringend notwendige überbetriebliche Anlaufstelle nun tatsächlich ins Leben zu rufen. Aufarbeitung und Prävention sexueller Gewalt ist unbedingte Voraussetzung für eine angstfreie Arbeitskultur, für die gerade die Vertreter der Arbeitnehmenden und Freischaffenden stehen müssen."

Alexander Thies, Vorsitzender der Allianz Deutscher Produzenten Film & Fernsehen, Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins, und Susa Kusche, Vorstand Verband Deutscher Filmproduzenten, für die beteiligten Arbeitgeberverbände: "Die Gründung der Vertrauensstelle ist ein wichtiges Signal in unsere Branchen, denn wir sind der Überzeugung, dass eine Annahme-, Aufklärungs- und vor allem Hilfsstelle - in Ergänzung zu bereits vorhandenen Einrichtungen einiger Mitgliedsunternehmen und AuftraggeberInnen - für Betroffene einen wichtigen Beitrag leisten wird. Als Arbeitgeberverbände stehen wir dieser Stelle als Ansprechpartner zur Verfügung und werden diese in ihrer Arbeit unterstützen."

Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD, Annette Kümmel, TV-Vorstand VAUNET, und Thomas Bellut, Intendant des ZDF, für die beteiligten Sender begrüßen die neue Vertrauensstelle: "Neben den eigenen Anlaufstellen, Ombudspersonen und Beratungsangeboten in den Rundfunkanstalten wird diese branchenübergreifende Vertrauensstelle Betroffenen aus der gesamten Kreativwirtschaft eine weitere Möglichkeit bieten, ihre Anliegen in geschütztem Rahmen zu thematisieren. Die in eigener Sektion zusammengeschlossenen Sender unterstützen von Beginn an aktiv die gemeinsam mit zahlreichen Partnern der Branche entwickelten Ideen."

Barbara Rohm, Pro Quote Film Vorstand, und Heide Schwochow, Vorstand Deutsche Filmakademie, für die beteiligten Branchenverbände und -institutionen: "Dass die #Metoo-Debatte zur Zusammenarbeit so vieler BranchenvertreterInnen geführt hat, ist ein wichtiges Signal für alle Betroffenen. Jetzt gilt es die Idee eines Kulturwandels hin zu einem belästigungs- und gewaltfreien Arbeiten in die Tat umzusetzen. Diese Aufgabe wird nur mit viel Engagement und einem langen Atem umzusetzen sein. Die großen Erwartungen, die an die überbetriebliche und neutrale Beschwerdestelle gerichtet werden, dürfen nicht enttäuscht werden. In mehreren Veranstaltungen der Deutschen Filmakademie ist immer wieder zum Ausdruck gekommen, dass sich die Branche sowohl eine juristische Einordnung von Fällen sexueller Belästigung und Gewalt wünscht, als auch eine psychologische Erstbetreuung. Das ist das Wunderbare an der Vertrauensstelle: Sie wird Problemlösungen und aktive Unterstützung für Betroffene anbieten und - nicht zuletzt - Machtmissbrauch immer wieder thematisieren, um ein angstfreies Arbeitsklima zu ermöglichen."

Neben der Anschubfinanzierung seitens der BKM haben bereits einige BranchenvertreterInnen ihre finanzielle Unterstützung der Vereinsarbeit angekündigt. So stellt die ARD 40.000 Euro jährlich, der Deutsche Bühnenverein, das ZDF und Vaunet jeweils 15.000 Euro jährlich und die Produzentenallianz 10.000 Euro jährlich zur Verfügung.

Gründungsmitglieder des Vereins sind:

ARD Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen e.V. Bundesverband Casting e Bundesverband Regie e Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS), Bundesvereinigung Maskenbild e.V. Deutsche Akademie für Fernsehen e Deutsche Filmakademie Deutscher Bühnenverein/ Bundesverband der Theater und Orchester InteressenVerband Synchronschauspieler e Pro Quote Film e.V. Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater e Verband der Nachwuchsagenturen e.V. (VDNA) Verband Deutscher Filmproduzenten Verband Privater Medien e.V. (VAUNET) Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ZDF