Kino

Ein deutsches Kinoquartal zum Abhaken

ComScore hat seine offizielle Bilanz für das erste Quartal im deutschen Kinomarkt vorgelegt - und die Zahlen sind erwartungsgemäß ernüchternd.

11.04.2018 16:08 • von Marc Mensch
Kommerzieller Lichtblick. "Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" war der mit Abstand erfolgreichste Film im ersten Quartal (Bild: Universal)

Der Münchner Zahlenspezialist ComScore hat seine offizielle Bilanz für das erste Quartal im deutschen Kinomarkt vorgelegt - und die Zahlen sind erwartungsgemäß ernüchternd. Ausgewertet wurde dabei, der Betrachtung kompletter Spielwochen folgend, der Zeitraum vom 4. Januar bis zum 4. April 2018. Damit wurde das starke Geschäft um Neujahr zwar ausgeklammert, dafür aber zumindest das komplette Osterwochenende berücksichtigt.

Unter dem Strich wurden in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mit dem Verkauf von 28.583.786 Tickets 245.429.564 Euro umgesetzt. Damit sanken die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,9 Prozent, das Boxoffice schrumpfte sogar um fast zehn, genauer gesagt um 9,6 Prozent. Dass das Minus beim Umsatz diesmal überproportional hoch ausfiel, hat einen naheliegenden Grund: Der durchschnittliche Eintrittspreis sank im ersten Quartal um sechs Cent oder rund 0,7 Prozent auf 8,59 Euro.

Wer unerschrocken ist, kann auch noch den Vergleich zum (außergewöhnlich starken) ersten Quartal 2015 anstellen - und landet bei einer Umsatzdifferenz von satten 18 Prozent und einer Differenz bei den Kinobesuchen von dramatischen 23 Prozent. Allerdings sei angemerkt - und man kann nur immer wieder betonen, wie sehr die (Nicht-)Berücksichtigung des Neujahrsgeschäftes die Vergleiche beeinflusst - dass ComScore für 2015 einen Zeitraum auswertet, der vom 1. Januar bis 1. April reicht. Angesichts der damaligen Stärke von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" ein nicht ganz trivialer Faktor. Tatsächlich aber lagen die Ergebnisse zuletzt sogar noch (wenn auch nur leicht) unter jenen des ersten Quartals 2014 - bekanntermaßen das einzige Jahr, in dem seit dem erstmaligen Überschreiten der Umsatzmilliarde diese Hürde nach zwölf Monaten gerissen wurde.

Mit Abstand meistgesehener Film im ersten Quartal 2018 war "Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" (Universal) mit knapp drei Mio. Zuschauern, auf den Plätzen folgen nach Besuchern "Black Panther" (Walt Disney) mit rund 1,7 Mio. und "Die kleine Hexe" (Studiocanal) mit mehr als 1,4 Mio. verkauften Tickets. Nach Umsatz ging die Bronzemedaille an einen Überläufer aus dem Weihnachtsgeschäft 2017: "Star Wars: Die letzten Jedi", der im laufenden Jahr für gut 1,1 Mio. Zuschauer gut war. Generell fällt auf: Nach Umsätzen tummeln sich in den Top 5 des vergangenen Quartals gleich drei Starts aus dem vorangegangenen Weihnachtsgeschäft, neben "Star Wars" sind dies "Jumanji: Willkommen im Dschungel" und "Dieses bescheuerte Herz" - durchaus auch ein Indiz für den Mangel an hochkarätigen Neustarts in den letzten zwölf Wochen.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Zahl der Neustarts von Januar bis März wieder etwas sank, so wurden mit 156 Debütanten neun Filme weniger ins Rennen geschickt als noch im selben Zeitraum 2017. Dennoch liegt die Zahl der Neustarts weiterhin auf einem sehr hohen Niveau (zum Vergleich: 2014 waren es 131). Ohnehin verharrte die Anzahl der insgesamt in Auswertung befindlichen Filme (257) nahezu exakt auf dem Level des Vorjahres (258).

Positive Nachrichten gibt es vom deutschen Film, trotz einer insgesamt durchwachsenen Gesamtbilanz. So erfasste ComScore im Bilanzzeitraum 7.127.211 Besucher für deutsche Produktionen, die für Umsätze in Höhe von 51.914.045 Euro sorgten. Gegenüber dem (schwachen) Resultat in den ersten drei Monaten des Vorjahres entspricht dies Steigerungen von 8,1 bzw. 5,1 Prozent - der deutsche Film entwickelte sich somit genau entgegen des Trends im Gesamtmarkt. Marktanteile von 24,9 Prozent nach Besuchern und 21,2 Prozent nach Boxoffice lassen aber durchaus noch Luft nach oben. Immerhin: Bemerkenswert ist, dass die Steigerungen mit nur 49 Neustarts (55 im Vorjahresquartal) erzielt wurden, insgesamt befanden sich von Januar bis März 2018 mit 94 Titeln aber sogar zwei mehr in der Auswertung als im Jahr zuvor. Letzteres übrigens der höchste Stand seit 2014 (97). Dass es vor allem Kinderfilme waren, die unter den lokalen Titel punkten konnten, schlägt sich stark im Durchschnittspreis nieder, der um ganze 21 Cent auf 7,28 Euro sank. Besucherstärkster deutscher Film war "Die kleine Hexe", die gleichzeitig den umsatzstärksten Neustart stellte. Mehr einspielen konnte nur "Dieses bescheuerte Herz". Für beide Filme wurden (als einzige deutsche Produktionen) bis 4. April mehr als eine Mio. Tickets verkauft.

Wo der deutsche Film zulegen konnte, ließ Hollywood natürlich in besonderem Maße Federn. US-Filme büßten 13,1 Prozent ihrer Besucher und 13,3 Prozent des Umsatzes ein, auch hier sank der durchschnittliche Eintrittspreis, wenn auch nur um zwei Cent auf 9,12 Euro. Übrigens markieren die von US-Filmen erzielten knapp 171,5 Mio. Euro durchaus nicht das schwächste Ergebnis innerhalb der letzten fünf Jahre. Sowohl 2014 als auch tatsächlich 2015 fiel die ComScore-Zwischenbilanz für US-Filme schlechter aus - 2014 waren es nicht einmal 141 Mio. Euro. Allerdings war gerade der deutsche Film in beiden Jahren mit sensationellen Zahlen in die Bresche gesprungen. Noch zur Gesamtzahl der Besuchermillionäre: Davon konnten bis zum Beginn des zweiten Quartals acht gezählt werden, fünf davon waren Neustarts.

Marc Mensch