TV

Marco Mehlitz: "Das Horrorgenre mochte ich schon immer"

Lago-Film-Geschäftsführer Marco Mehlitz, zuletzt als Produzent von "Tschick" in den Kinos vertreten, geht mit einer Horrorserie an den Start, die er gemeinsam mit Sky produziert.

22.02.2018 07:36 • von Barbara Schuster
Marco Mehlitz arbeitet mit Sky Deutschland an "Hausen" (Bild: Lago Film)

Lago-Film-Geschäftsführer Marco Mehlitz, zuletzt als Produzent von "Tschick" in den Kinos vertreten, geht mit einer Horrorserie an den Start, die er gemeinsam mit Sky produziert (wir berichteten).

Ein großes deutsches Serienprojekt jagt das nächste. Nun haben auch Sie mit "Hausen" Ihre erste Serie angekündigt, die für Sky entsteht. Wie kam es dazu?

Es ist die erste Serie für Lago Film, das stimmt. Ich selbst habe vor vielen Jahren bereits eine Serie für den SciFi-Channel in Kanada produziert. Serien mochte ich schon immer, allerdings habe ich mich danach erst einmal ausschließlich um Kinoproduktionen gekümmert. Wie viele andere finde ich jedoch diese seit ein paar Jahren auszumachende Qualitätsoffensive in der deutschen Serienlandschaft faszinierend. Es ist toll, wenn man die Möglichkeit bekommt, eine Geschichte über viele Stunden zu erzählen, das entspricht viel eher dem, wie wir z.B. Bücher lesen. In diesem gerade vorherrschenden Seriensog entstehen plötzlich Möglichkeiten, neue Formen auszuprobieren, die herausfordernd und gleichzeitig unglaublich spannend sind.

Beschrieben wird "Hausen" als zeitgenössische Spukhaus-Horrorserie - das hat es im deutschen Fernsehen so noch nie gegeben. Was hat Sie denn an der Idee angesprochen?

Das Projekt haben die beiden Serienschöpfer Till Kleinert und Anna Stoeva an mich herangetragen, als sie mit der Entwicklung bereits begonnen hatten. Till trägt diese Idee bereits seit vielen Jahren mit sich herum. Das Horrorgenre per se mochte ich schon immer. Hier haben mich vor allem die Figuren umgehauen: Sie sind sehr untypisch für dieses Genre, weil sie zwar durchaus auch kontrovers, aber in erster Linie sehr liebevoll und mit viel Tiefe ausgestattet sind. Es ist nicht der typische Horror, in dem die Figuren nur als Futter benutzt werden.

Wie kam dann noch Sky an Bord?

Das Projekt wurde vergangenes Jahr bei den Berlinale Series gepitcht - da war Sky auch vor Ort. Redakteur Quirin Schmidt klinkte sich das ganze letzte Jahr über bereits als Partner in die Entwicklung mit ein, bis wir jetzt eben vom Sender grünes Licht für die Produktion erhalten haben. Sky hat große Lust auf die Geschichte, auf die Entwicklung, auf die Figuren - das ist eine sehr enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

Wie gestalten sich die Eckpunkte bezüglich Staffellänge, Cast und Crew? Gibt es hier schon mehr zu berichten?

Zu Cast & Crew kann ich natürlich noch nichts sagen. Ich kann allerdings verraten, dass wir für die erste Staffel zehn Episoden planen. Gerade für das Horrorgenre eine tolle Gelegenheit. Wer Horrorfilme kennt, weiß, dass sie üblicherweise kurz und knapp sind. Hier dürfen wir eine Horrorgeschichte über zehn Stunden erzählen. Das ist einfach fantastisch und gibt Raum, viel subtiler zu arbeiten.

Werden Serienproduktionen auch künftig eine Heimat bei Lago Film finden?

Absolut. Ich habe noch zwei weitere Serienprojekte in verschiedenen Stadien in Entwicklung. Serien bleiben künftig Teil unserer Strategie.

Wie schätzen Sie allgemein diesen wahrnehmbaren Ruck hinsichtlich der regen Produktion von deutschen High-End-Serien ein?

Die einzelnen Serien, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen, nehmen eine gewisse Leuchtturmfunktion ein, weil sie so groß sind. Und vielleicht bekommt man gerade das Gefühl, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Aber man bedient hier ein Publikum und den Wunsch nach Programm. Ziel ist ja nicht, dass man mit jeder Serie stets alle Zuschauer abholt, sondern eben auch Zielgruppen bedienen darf. Das ist spannend. Wenn man sich anschaut, wie viele TV-Sender existieren und wie viel Programm tagtäglich gesendet wird, machen die paar High-End-Serienproduktionen, die gerade annonciert werden, lange nicht den Großteil aus. Diese Produktionen zeichnet indes aus, dass sie in sich stärker sind und als solitäre Projekte aus der Masse herausstechen.

Das Gespräch führte Barbara Schuster