Produktion

Seven Elephant Pictures geht an den Start

Mit Seven Elephant Pictures platziert sich ein spannendes Kreativ-Quartett im deutschen Filmmarkt. Auf die Fahnen hat sich das prominente Team die Herstellung von anspruchsvollen Filmen für ein großes Publikum geschrieben.

15.02.2018 09:08 • von Barbara Schuster
KREATIVPOOL Das Quartett um Fabian Gasmia, Erik Schmitt, Julia von Heinz und David Wnendt (von oben nach links unten) arbeitet auch mit Isabell Suba (oben r.) zusammen (Bild: Seven Elephant Pictures)

Mit Seven Elephant Pictures platziert sich ein spannendes Kreativ-Quartett im deutschen Filmmarkt. Auf die Fahnen hat sich das prominente Team die Herstellung von anspruchsvollen Filmen für ein großes Publikum geschrieben.

"Elefanten empfinden Trauer, Mitgefühl, Freude, Wut und gehören zu den wenigen Tieren, die weinen können. Elefanten leben, streiten, spielen zusammen, sie sind unzertrennlich. Sie haben einen Sinn für Altruismus, Kunst und Musik. Deshalb sind sie die Namenspaten unserer Firma." Nein, hierbei handelt es sich um keinen Beitrag aus "Brehms Tierleben", sondern um einen Auszug aus dem Firmenprofil eines spannen- den Zusammenschlusses ebenso spannender Kreativer der deutschen Filmbranche.

Unter dem Namen Seven Elephant Pictures geht eine neue Produktionfirma an den Start, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, mit gebündelter Energie Produktionen zu realisieren, die anspruchsvoll sind und ein großes Publikum erreichen. Namhaft sind die Firmengründer allemal seit geraumer Zeit. Auf das Konto von Regisseurin Julia von Heinz gehen aktuell die hochgelobte und preisgekrönte Fernseharbeit "Katharina Luther" sowie die erfolgreichen Kinostoffe "Ich bin dann mal weg" und "Hannas Reise". Regisseur David Wnendt ist bestens bekannt für seinen mehrfach prämierten "Kriegerin", seine Bestseller-Adaption "Feuchtgebiete" und die in den deutschen Kinos zum Blockbuster avancierte Satire "Er ist wieder da". Erik Schmitt hat sich als Kurzfilmregisseur Lorbeeren verdient gemacht - u.a. mit "Nun sehen Sie Folgendes", "Nashorn im Galopp" - und mit "Story of Berlin" sein Langspiefilmdebüt fertiggestellt. Und Produzent Fabian Gasmia ist als Geschäftsführer von Detailfilm und Leiter der Deutschlandniederlassungen von Zentropa in Hamburg und Berlin ein ausgewiesener Spezialist für internationale Koproduktionen.

Fabian Gasmia: "Uns interessieren smarte, intelligente, Filme."

"Wir leben in einer Welt in Aufruhr. Es brennt an allen Ecken und Enden. Dies ist eine Zeit, in der wir als Autoren, Regisseure und Produzenten Stellung beziehen müssen. In den Filmen von Seven Elephant Pictures wollen wir uns unmittelbar mit dieser Welt auseinandersetzen. Für uns geht es um gesellschaftliche Relevanz. Gleichzeitig sind unsere Filme gefühlvoll, spannend und verspielt und zeichnen sich durch moderne Figuren und Stoffe aus«, erklärt das von den vier Gründungsmitgliedern erarbeitete Firmenprofil. Julia von Heinz, die mit Kings & Queens Filmproduktion bereits eine eigene Firma hat, die sie gemeinsam mit Ehemann John Quester führt, bringt mit dem bereits angekündigten Politdrama "Und morgen die ganze Welt" das erste Projekt zu Seven Elephant. Das vom FFF Bayern jüngst geförderte Drehbuch hat sie auch zusammen mit Quester geschrieben, wie in der Vergangenheit bereits bei ihren Filmen "Hannas Reise" oder "Was am Ende zählt". Hauptsitz des neuen Unternehmens wird Berlin, einen Ableger wird es in Bayern geben, wo von Heinz lebt.

Erik Schmitt: "Das beste Feedback bekommt man von anderen kreativen Kollegen."

Grundlage des Zusammenschlusses des Quartetts ist die langjährige Freundschaft und gute Chemie untereinander. Die längste Verbindung haben Julia von Heinz und David Wnendt: "David und ich kennen uns seit seinem Regiestudium an der HFF Konrad Wolf", erzählt von Heinz. "Wir haben einen ähnlichen Weg beschritten." Für Fabian Gasmia stellte sich nach seiner Geschäftsführertätigkeit bei Detailfilm, die er zunächst mit Henning Kamm leitete, und Zentropa Berlin und Hamburg die Frage, "was der nächstliegende logische Schritt sein könnte. Ich wollte große, emotionale, schlaue Filme mit deutschem Talent aus Deutschland heraus produzieren. Da habe ich mir überlegt, wessen Regiehandschrift mir am besten gefällt - und jedes Mal bin ich bei den Filmen von Julia und David hängen geblieben." Auch für ihn spielte die freundschaftliche Verbindung eine Rolle: "Mit Erik Schmitt verbindet mich schon eine lange persönliche Freundschaft, die aus der Zusammenarbeit einiger Kurzfilme heraus entstanden ist. Ganz aktuell habe ich sein Langspielfilmdebüt 'Story of Berlin' produziert." Auch David Wnendt kennt Schmitt sehr gut: Sie waren zur selben Zeit Stipendiaten in der Villa Aurora in Los Angeles und teilen sich seit vielen Jahren ein Büro in Berlin.

An einen Tisch setzten sich die Vier zum ersten Mal vor etwa eineinhalb Jahren, weil der Wunsch nach einer neuen Form der Etablierung und Herangehensweise beim Filmemachen vorhanden war. Den Gründungsmitgliedern war es wichtig, dass bei ihrer neuen Firma der Autor, der Kreative im Mittelpunkt steht, der ohne größere Zwänge und Auflagen genau die Geschichte erzählen darf, die er erzählen möchte. Bis zur Gründung von Seven Elephant Pictures hat es bis Januar 2018 gedauert. Die Zahl sieben im Firmennamen wurde ausgewählt, weil sie "eine schöne Magie besitzt", erklärt Schmitt. "Sie besagt, dass wir wachsen möchten. Wir wollen noch eine weitere Produzentin und eine weitere Regisseurin und Autorin aufnehmen", so Schmitt weiter. Dass ihr Kreis jedoch genau auf genau sieben Personen anwachsen soll, ist keine Bedingung. Julia von Heinz ergänzt: "Wir zählen schon jetzt nicht nur uns vier zu Seven Elephant. Hinter der Firma stehen im weiteren Sinn auch alle unsere Partner, mit denen wir schon lange fest zusammen arbeiten. Das Herdengefühl und alles, was wir über Elefanten und deren Herdengebaren wissen, wollen wir auf unser Verhalten untereinander übertragen - ganz bewusst. Des- halb hat sich dieser Name für uns richtig angefühlt." Freuen würde sich das Team vor allem auch über interessierte Autorinnen und Autoren, die entweder mit einem originären Stoff anklopfen oder die Lust haben als Koautoren und kreative Partner an hauseigenen Projekten mitzuarbeiten.

David Wnendt: "Gemeinsam kann man einen höheren Output generieren."

Als Vorbilder dienen den "Seven Elephants" Firmen wie X Filme oder Komplizen Film "Sie sind inspirierende Firmen in Deutschland, die zeigen, dass Kreative eine dauerhafte Heimat finden können, in der sie sich wohl fühlen", so Julia von Heinz. "Genau so eine Heimat habe ich gesucht - und habe sie nun auch gefunden." Der Aspekt, dass man in einem Zusammenschluss auf konstruktive Kritik trifft, war auch für Erik Schmitt ausschlaggebend: "Das beste Feedback bekommt man von anderen kreativen Kollegen. Die Chance, die sich mit Seven Elephant Pictures bietet, ist einfach großartig und einzigartig. Für mein Langspielfilmdebüt konnte ich davon schon viel profitieren. Die Rückmeldungen, die ich erhalten habe, waren unglaublich wertvoll, weil sie genauso aus Sicht eines Produzenten wie aus der Sicht eines Regisseurs erfolgt sind. Kreativität braucht eine ganz eigene Mischung aus Freiheit, Sicherheit und Einschränkung. Wir haben einen Raum geschaffen, der Kreativität bestmöglich fördern kann."

Auch wenn die Vereinbarung nicht vorsieht, dass die Gründungsmitglieder künftig alle ihre Projekte ausschließlich über Seven Elephant Pictures produzieren, ist die Absicht genau diesbezüglich gegeben. "Unser Herz schlägt für diese Firma - und deshalb macht es auch Sinn, dass unsere Projekte über Seven Elephant Pictures laufen. Wir haben alle ein Stadium erreicht, wo wir auf erfolgreiche Zusammenarbeiten zurückblicken können. Unsere Karrieren hätten wir sicherlich auch ohne eine eigene Firma erfolgreich fortgesetzt. Die Firmengründung war ein bewusster Schritt zu mehr Verantwortung und Selbstbestimmung. Die gemeinsame Firma ist eine Bereicherung, mit der wir unsere Energien nun bündeln", erläutert David Wnendt. "Wir hätten auch jeder einzeln eine Firma ins Leben rufen können - das wollten wir aber nicht. Das Arbeiten alleine erscheint vielleicht verlockend als ultimative Freiheit, aber man kann sich dadurch isolieren und in eine Sackgasse steuern. Bei einer gemeinsamen Firma hat man immer ein Korrektiv, ein Gegengewicht, einen kritischen Blick. Zudem kann man gemeinsam einen höheren Output generieren", ergänzt Wnendt. "Natürlich stehen wir Angeboten aus der Branche ganz offen gegenüber. Was wir hoffen ist, dass wir dann nicht 'nur' als Regisseure gebucht werden, sondern dass die jeweiligen Produzenten uns als Firma mitdenken und mit Seven Elephant Pictures in eine Art Koproduktionsmodell gehen werden. Wir haben hier eine tolle Gemeinschaft zu bieten, die sich gegenseitig bei allen Stadien einer Filmproduktion, angefangen beim Drehbuch, hilft. Von daher möchten wir das Signal aussenden, dass uns externe Produzenten mit spannenden Stoffen jederzeit gerne als Regisseure anfragen können, es uns gleichzeitig aber wichtig ist, unsere Seven Elephant Pictures mit ins Boot zu holen", so Julia von Heinz.

Jenseits des oben erwähnten neuen Kinofilms von Julia von Heinz, "Und morgen die ganze Welt", der sich gerade in Finanzierung befindet, wird ein weiterer Stoff der Regisseurin zu den ersten Projekten von Seven Elephant gehören. "Es ist ein internationaler Stoff nach dem Roman "Too Many Men" von Lily Brett, den wir als internationale Koproduktion planen." Zudem befinde sich auch ein Serienprojekt in Entwicklung, denn "Serien finden wir extrem spannend, und wir können uns auch vorstellen, sie wie "Babylon Berlin" mit unseren vereinten Regisseurskräften zu realisieren", so von Heinz. David Wnendt bringt einen Stoff mit, an dem er schon eine ganze Weile "dran war" und den er ursprünglich selbst koproduzieren wollte. "Alle künftigen Stoffe, die ich entwickle und schreibe, sollen dann über Seven Elephant Pictures produziert werden." Ein weiteres Projekt soll mit Isabell Suba entstehen, deren Filmographie Titel wie "Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" oder "Hanni & Nanni - Mehr als beste Freunde" umfasst. "Isabell hat den Entstehungsprozess unserer Firma eng begleitet und passt mit ihrer Energie perfekt in unsere Gruppe", freut sich von Heinz.

Julia von Heinz: "Wir haben eine tolle Gemeinschaft zu bieten."

Auf spezielle Genres festlegen wollen sich die vier Elefanten nicht. "Wir schließen nichts aus. Was uns interessiert, sind smarte, intelligente, sehr visuell erzählte Filme", so Gasmia. Wichtig bei allen Projekten ist der nötige Freiraum bei der Umsetzung. "Wir wollen auch ein bisschen experimentieren, eine Spielwiese haben, auf der wir ausprobieren können, wie man Filme am besten herstellt und vor allem so herstellt, dass sie gut werden", so Gasmia weiter. Überdies ist ihm wichtig, die Filmprojekte von Anfang an "auf Herz und Nieren" zu prüfen, welches internationale Auswertungspotenzial in ihnen steckt, welches Festival zur Lancierung in Frage kommt, welche Verleiher geeignete Partner sind etc. "Diese Fragen stellen wir uns nicht erst mit dem Final Cut, sondern schon auf Treatmentbasis", erklärt der Produzent, der auf etliche "alte" Kontakte von Detailfilm zurückgreifen kann und als Geschäftsführer von Zentropa Deutschland besten Einblick erhalten hat, wie bei der dänischen Company die eigenen starken Namen - wie Lars von Trier, Susanne Bier oder Thomas Vinterberg - so positioniert werden, dass sie weltweit strahlen können. "Das ist vielleicht hoch gegriffen, aber wir orientieren uns gerne an großen Vorbildern", sagt er mit einem Schmunzeln.

Barbara Schuster