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BR: Programmpreziosen und Zukunftsängste

Das BR-Lineup für 2018 kann sich sehen lassen. Bei "Hindafing" riecht es nach Fortsetzung, der "Tatort" knöpft sich die Reichsbürger vor und beim "Polizeiruf" kommt es zum großen Abgang. Einsparungsängste dämpfen jedoch den Optimismus über die nächste Gebührenperiode hinaus.

19.01.2018 18:11 • von Frank Heine
BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik (Bild: BR)

Bevor der Bayerische Rundfunk am heutigen Freitag seine bevorstehenden Film-Highlights präsentierte, richtete Fernsehdirektor Reinhard Scolik den besorgten Blick in die Zukunft. Im Tenor mit seinem Intendanten, dem neuen ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm, appellierte er an die Politik, durch einen Inflationsausgleich zur nächsten Gebührenperiode eine kontinuierliche Programmplanung im bisherigen Rahmen zu ermöglichen. Der BR könne künftig nur dann verlässlicher Partner der bayerischen Filmwirtschaft" bleiben, "wenn die andauernde Schrumpfung unserer Finanzmittel beendet wird. Dazu brauchen wir zumindest einen Teuerungsausgleich, um Einschnitte im Programm, auch zulasten des Film- und Fernsehstandorts Bayern, zu vermeiden." Ansonsten drohten "wirkliche Einschnitte" ins Programm. Für 2019/2020 sei er noch zuversichtlich, für die neue Gebührenperiode nicht mehr, so Scolik.

Bettina Ricklefs, Programmbereichsleiterin Spiel/Film/Serie, fasst das Programmjahr 2017 als "preisgekrönt und hitverdächtig" zusammen. Insgesamt hätten BR-Produktionen über 100 Preise gesammelt. Ricklefs sprach von "Zeiten der strengen Sparskamkeit", von "finanziellen Unwägbarkeiten" und "Schlaglöchern", auf die man treffe, auf dem Weg zu tollem Programm.

Scolik wie Ricklefs hoben den Stellenwert neuer Serien hervor. Scolik outete sich als richtiggehender Fan und stellte eine Fortsetzung der für Grimme-Preis und Deutschen Fernsehpreis nominierten Satire Hindafing" in Aussicht. Mit "Servus Baby" von Natalie Spinell gibt es 2018 neuen Miniseriennachschub. Den präsentierten Filmzusammenschnitt bezeichnete Scolik als Leistungsschau, "mit der wir zeigen, was wir leisten können, wenn man uns lässt."

Große Worte, denen Taten respektive beeindruckende und unterhaltsame Trailer folgten. Das Zeug zum großen Programmhit offenbarte Alexander Adolphs "Der große Rudolph" mit einem umwerfenden Thomas Schmauser als Modezar Mooshammer und Hannelore Elsner als Frau Mama. Als deutsch-österreichische Liaison überzeugte Wolfgang Murnbergers Nichts zu verlieren" über eine skurrile Busentführung mit Georg Friedrich als mal rast-, mal ratlosen Kidnapperchef. Den wilden Eberhofer-Spirit versprühten Sebastian Bezzel und seine Weggefährten in Grießnockerlaffäre" als TV-Premiere und Sauerkrautkoma" als bevorstehendem Kinostart. Als heftiger Psychothriller gab sich Sieben Stunden" mit Bibiana Beglau als vergewaltigter Sozialtherapeutin zu erkennen. Regisseur und Koautor Christian Görlitz hatte sich 2003 in Die Geisel" schon einmal eines ganz ähnlichen Stoffs angenommen. Nicht im Trailer enthalten, aber trotzdem mit großer Spannung erwartet: "Staat des Terrors" vom großen Aufdecker Daniel Harrich, der sich diesmal mit Christiane Paul an den Hindukusch begibt, außerdem Urs Eggers "Das Wunder von Wörgl" mit Karl Markovics als alpinem Wirtschaftswunderbewirker in den 30er Jahren. Im übrigen eine weitere Liaison mit dem ORF, aber auch mit Arte und dem SRF.

Für ihr hohes Niveau sind die Sonntagskrimis aus den Redaktionen von Stephanie Heckner und Cornelia Ackers bekannt. Beim Franken-"Tatort" kommt in der Folge Ich töte niemand" erneut Max Färberböck, Regisseur der allerersten Folge, zum Einsatz, das Münchner Team betritt in der Folge Freies Land" die unbehagliche, aber auch unbekannte Welt der Reichsbürger. Beim "Polizeiruf" steht ein großer Wechsel bevor. Matthias Brandts von Meuffels verlässt mit Stoffen von Jan Bonny und Christian Petzold - dem Abschluss seiner Trilogie mit Barbara Auer - die Bühne. 2019 wird dann Sophie Rois als Nachfolgerin präsentiert.

Als viel versprechendes Experiment, over the top im besten Sinne, mit Ausflügen auf die Metaebene präsentierte sich das sechsteilige "Dahoam is Dahoam"-Spin off "Akte Lansing" für das mit Sebastian Bezzel, Christoph Süß, Stefan Murr oder Michael Grimm aufgefahren wurde, was in Bayern Rang und Namen hat. Völlig verrückt auch die dokumentarische Serie "früher oder später", bei der man sich bisweilen wie im wilden Hindafing vorkam.

Den an Höhepunkten reichen Ausblick beschlossen die Kinokoproduktionen, von denen Daniel Wilds Lux - Krieger des Lichts" einen daran erinnerte, das man a) schleunigst noch ins Kino sollte und b) die Nachwuchsförderung beim BR noch nicht ganz eingestellt ist, Oliver Haffners Wackersdorf" großes Interesse erzeugte, Donnersmarcks "Werk ohne Autor" zumindest Anklänge eine Meisterwerks verriet und Bierbichlers Zwei Herren im Anzug" kühnste Träume auf ein Erweckungserlebnis à la Edgar Reitz schürte.