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ARD-Ausblick: Herausforderung "Babylon Berlin"

Bei seiner Jahrespressekonferenz kündigte der Senderverbund nicht nur 140 Fernsehfilmpremieren und 54 neue Serienfolgen an, ebenso soll eine "Zwanziger Jahre Welle" entfacht werden. Und die Zeichen stehen auf Fortsetzung.

19.01.2018 10:24 • von Frank Heine
Degeto-Chefin Christine Strobl (Bild: ARD Degeto/Laurence Chaperon)

Auch in Zeiten knapper werdender Kassen werde die ARD nicht an Umfang und Qualität des fiktionalen Angebots sparen, betonten die Verantwortlichen bei der Jahrespressekonferenz der ARD-Koordination Fernsehfilm und ARD Degeto am Donnerstagabend in Hamburg. 2018 stehen über 140 Fernsehfilm-Erstausstrahlungen, 54 neue Folgen der Hauptabendserien sowie 42 Folgen von In aller Freundschaft", zwölf Kinokoproduktionen, zwölf Debütfilme und zehn Sommer- und Premierenkino-Programmplätze an. Besonders die Programmierung der Serie Babylon Berlin" wird eine Herausforderung darstellen: alle 16 Folgen sollen im Herbst um jeweils 20.15 Uhr gezeigt werden. Nach dem Hype um die Pay-TV-Ausstrahlung will Christine Strobl, ARD Degeto-Geschäftsführerin, auch im Free-TV mit flankierenden Maßnahmen eine "Zwanziger Jahre Welle" entfachen. Der Vertrag für die dritte Staffel von "Babylon Berlin" stehe unmittelbar vor dem Abschluss, so Strobl. Auch von der Erfolgsserie "Weißensee" werden 2018 sechs neue Folgen gezeigt, die erfolgreiche Mini-Serie Charité" solle ebenfalls fortgesetzt werden.

Als Themenabende werden die Events "Aufbruch ins Ungewisse" - eine Dystopie von Kai Wessel -, Gladbeck" von Kilian Riedhof, Unterwerfung" nach dem Roman von Michel Houellebecq, die Komödie Big Manni" über den Flowtex-Skandal sowie "Saat des Terrors" von Daniel Harrich gestaltet. "Was die Gesellschaft bewegt, bewegt auch unsere Fernsehfilme", teilte ARD-Programmdirektor Volker Herres schriftlich mit, der erkrankt war und deshalb nicht an der Pressekonferenz teilnehmen konnte.

Ab 2018 will die ARD verstärkt auf Mehrteiler setzen. Mindestens ein zusätzlicher Mehrteiler solle pro Jahr ausgestrahlt werden, so Jörg Schönenborn, ARD-Koordinator Fernsehfilm. Den Anfang macht Aenne Burda" (SWR, ebenfalls mit einer Dokumentation flankiert), gefolgt von "Oktoberfest 1900" (BR), der in diesem Jahr gedreht wird, sowie "Unsere wunderbaren Jahre" (WDR) nach einem Roman von Peter Prange. In Entwicklung ist außerdem der Mehrteiler "Das Geheimnis des Totenwaldes" (NDR), für den Stefan Kolditz das Drehbuch schreibt.

Das ambitionierteste Programm bietet der Film-Mittwoch im Ersten. Besonders vielversprechend wirkten u.a. die Literaturverfilmung Kruso", das Weltkriegs-Drama Die Freibadclique" (Friedemann Fromm nach einem Roman von Oliver Storz), sowie die Gesellschaftssatire "Der große Rudolph" von Alexander Adolph, in der Thomas Schmauser in die Rolle des Modeschöpfers Rudolf Mooshammer schlüpft und Hannelore Elsner dessen Mutter verkörpert.

Bei den Dienstagsserien gibt es zwei Neustarts: Falk" (war bereits für 2017 angekündigt) und "Die Heiland: Wir sind Anwalt". Bei den Donnerstagskrimis kommen die Schauplätze Amsterdam und Prag hinzu. Am Freitagabend wird die ARD 2018 verstärkt auf Fernweh und Reihen setzen, wie bei "Die Inselärztin" oder "St. Josef am Berg". Am Samstagabend sind neben Shows auch Filme wie "Die Diplomatin - Jagd durch Prag" mit Natalia Wörner oder "Song für Mia" mit Club der roten Bänder"-Star Tim Oliver Schultz geplant.

Die Zahl der Experimente beim "Tatort" solle nicht reduziert werden: "Wir haben uns vorgenommen, dass der 'Tatort' in dem Umfang wie bisher Experimente haben wird, aber nicht mehr", so Schönenborn. Die einzige große Veränderung 2018 beim "Tatort" ist das Ende des bisherigen Radio-Bremen-Teams Sabine Postel und Oliver Mommsen. Til Schweiger wird in seinem Kino-"Tatort: Off Duty"zu sehen sein, für Schweigers nächsten Fall entwickelt Eoin Moore das Drehbuch; 2019 soll gedreht werden. Im Weihnachtsprogramm soll die Romanverfilmung "Wir sind doch Schwestern" laufen; Heide Schwochow adaptierte den Roman von Anne Geesthuysen, Regie führte Till Endemann. Zum Kino-Line-up gehören die ARD-Koproduktionen Griesnockerlaffäre" und Tschick", sowie u.a. Toni Erdmann", "Wild", Carol" oder Ein Mann namens Ove". Zum Abschluss der Pressekonferenz gab Christine Strobl einen Werkstatt-Einblick auf "Siegfried & Roy", einen Dreiteiler, den Philipp Stölzl inszenieren wird.

ARD-Chefredakteur Rainald Becker stellte die Bedeutung der Information heraus, die mit 42 Prozent den größten Programmanteil in der ARD stellt. Besonders hob er hervor, das die "Tagesschau" aktuell mehr Zuschauer erreicht als vor der Etablierung des Internets (10,18 Mio.). "Totgesagte leben länger", bilanzierte Becker. Das Informationsprofil solle noch gestärkt werden. Ein Ziel sei es, im Dokumentarbereich schneller zu werden und für wichtige gesellschaftliche und politische Themen einen Sendeplatz zur Prime-Time am Montagabend zu finden. Hier komme auch der Investigativ-Recherche wie bei den "Panama Papers" oder den Doping-Fällen eine besondere Bedeutung zu. In der großen Samstagabendunterhaltung belege die ARD, was die Zuschauerreichweite angeht, unter den Top-Ten neun Plätze (nur der zweite Platz ging an RTL). Die meistgesehene Unterhaltungssendung war mit 7,85 Mio. der Eurovision Song Contest 2017.

Sabine Weiss