Kino

Fox feiert starke Partnerschaften

Wird 2018 das Jahr des deutschen Films? Nun, der Eindruck festigte sich zur Halbzeit der Filmwoche München nur noch weiter. Denn auch im Rahmen der Tradeshow von Fox&Friends nahmen überaus vielversprechende deutsche (Ko-)Produktionen breiten Raum ein - ohne dass dabei Blockbuster Made in Hollywood zu kurz gekommen wären.

18.01.2018 15:14 • von Marc Mensch

Wird 2018 das Jahr des deutschen Films? Nun, der Eindruck festigte sich zur Halbzeit der nur noch weiter. Denn auch im Rahmen der Tradeshow von Fox & Friends nahmen überaus vielversprechende deutsche (Ko-)Produktionen breiten Raum ein, ohne dass dabei Blockbuster Made in Hollywood zu kurz gekommen wären.

Ein solcher durfte auch das Startsignal setzen - und wie von Fox gewohnt, ging man mit einem Knalleffekt in die gut zweistündige Show. Oder besser gesagt: Man rockte den Mathäser mit einer Live-Darbietung jenes Queen-Klassikers, für den das Händeklatschen förmlich erfunden wurde - und ließ die wie üblich bejubelte Fox-Fanfare per Gitarrensolo intonieren. Ein Einstieg, der nur noch von dem getoppt wurde, was er bewarb: Erste exklusive Bilder aus "Bohemian Rhapsody" über Queen-Frontmann Freddie Mercury.

Danach wurde es Zeit für die Begrüßung durch Vincent de La Tour und Horst Müller. Wer an dieser Stelle einen direkten Kommentar zur anstehenden Übernahme durch Disney erwartet hatte, sah sich getäuscht. Aber die Tatsache, dass de La Tour seinen Mitarbeitern nicht nur "fantastische Professionalität", sondern zuallererst "große Moral" bescheinigte, sagte genug aus. Nicht dass Fox an irgendeiner Stelle nun weniger schwungvoll agieren würde - ganz im Gegenteil. So nutzte man die Bühne der Filmwoche, um eine brandneue Partnerschaft vorzustellen: Jene mit dem gerade erst gegründeten deutschen Verleiharm von eOne, der vor wenigen Monaten die Arbeit unter Führung von Benjamina Mirnik-Voges aufgenommen hat.

Die neue Geschäftsführerin nutzte die Plattform der Filmwoche, um jene sechs Titel vorzustellen, mit denen eOne in sein erstes Verleihjahr in Deutschland geht. Zum "Premierentitel", dem auf historischen Tatsachen basierenden Thriller "Entebbe" mit Daniel Brühl (der per Videobotschaft grüßte) und Rosamund Pike, gab es den vielversprechenden Trailer zu sehen. Feel-Good-Kontrastprogramm vor allem für die Gruppe der Best Ager ist hingegen "Finding Your Feet" mit Imelda Staunton als einer Frau, die den Herbst ihres Lebens - notgedrungen - zum Frühling macht. Auch hier gab der Trailer einen ersten Einblick. Zwei Promos schürten im Anschluss die Vorfreude auf zwei sehr unterschiedliche Filme: Den Sci-Fi-Thriller "Captive State" mit John Goodman, in dem Aliens die Herrschaft auf der Erde übernommen haben. Und das auf Tatsachen beruhende Drama "On the Basis of Sex", das thematisch wohl zu keinem besseren Zeitpunkt hätte kommen können, dreht es sich doch um den Kampf von Ruth Bader Ginsburg (gespielt von Felicity Jones) gegen Geschlechterdiskriminierung in der Arbeitswelt. Wem der Name nichts sagt: Die Frauenrechtlerin wurde 1993 an das US Supreme Court berufen - als erst zweite Frau. Noch ohne Bewegtbild kündigte Mirnik-Voges schließlich noch "City of Lies" über den Mord an Tupac Shakur und "Country Music" an, der den steinigen Weg einer jungen Frau zum Country-Star skizziert. Randnotiz an dieser Stelle: eOne ist beim offenbar mit einer Tradeshow an Bord - dies zumindest der zwingende Schluss aus der Bemerkung, man wolle "mehr in Baden-Baden zeigen".

Einen besonders prominenten Fürsprecher fand man bei Fox für die Vorstellung eines kommenden Animations-Highlights: Berlinale-Direktor Dieter Kosslick verlieh per Videobotschaft seiner Bewunderung für Wes Anderson und dessen jüngstes Werk "Isle of Dogs" Ausdruck. Kein Wunder, darf dieses Kunstwerk doch bald schon die Festspiele eröffnen. Gezeigt wurde der aktuelle Trailer.

Ebenfalls mit einem Trailer - zum bezaubernden Drama "The Florida Project" mit Willem Dafoe, das bei den Oscar-Nominierungen das eine oder andere Wörtchen mitreden sollte - startete der Auftritt eines bereits langjährigen Fox-Partners. Prokino-Geschäftsführer Stephan Hutter hatte gleich mehrere brandneue Ausschnitte aus "3 Tage in Quiberon" von Emily Atef im Gepäck. Der in Schwarz/Weiß gedrehte Film, der ebenfalls auf der Berlinale zu sehen sein wird, dreht sich um eine der Schlüsselepisoden im Leben von Romy Schneider - bestechend verkörpert von Marie Bäumer.

Weiter ging die Riege der Fox-Partner: Majestic-Geschäftsführer Benjamin Herrmann konnte ebenfalls einen Berlinale-Titel ankündigen, die Dokumentation "Eldorado" von Markus Imhoof. Sein Fokus lag jedoch auf der mittlerweile dritten Zusammenarbeit mit Elmar Wepper. Nach "Kirschblüten - Hanami" und "Dreiviertelmond" kommt jetzt "Grüner wird's nicht", den Wepper persönlich und gemeinsam mit Regisseur Florian Gallenberger vorstellte. Dessen Motivation, gerade diesen Stoff anzupacken, eine Tragikomödie über die späte Verwirklichung von Träumen? "Ich wollte einen Film machen, aus dem man glücklicher herauskommt, als man hineingeht." Nun, diesen Vorsatz hat er absolut in die Tat umgesetzt, wie die exklusive Promo versprach. Ein etwas jüngeres Zielpublikum spricht der jüngste Streich des Teams hinter "Ooops! Die Arche ist weg" an: "Luis und die Aliens" ist eine animierte Culture-Clash-Komödie der ganz besonderen Art - und begeisterte schon in ihren kurzen Ausschnitten mit ebenso viel Witz wie Charme. Beides muss man unbedingt auch dem Drama "Love, Simon" attestieren, das sich um einen jungen Mann dreht, der mit seinem Coming-Out ringt. Bei der Tradeshow gab es ein großartiges "Sizzle-Reel" zu sehen, zudem hatte Fox den Film zuvor schon in kompletter Länge gezeigt.

Und noch ein Partner: SquareOne-CEO Al Munteanu hatte zwar bereits einen anderen Slot bestritten, sich das "Schmankerl" (hochdeutsch: die besondere Köstlichkeit) aber für die Fox-Tradeshow aufgehoben: die erste deutsch-internationale Koproduktion im Portfolio von SquareOne. Ein Zwölf-Mio.-Euro-Projekt - und eine Geschichte, die so packend ist, dass sie nur das Leben selbst geschrieben haben kann. Die Geschichte eines deutschen Kriegsgefangenen, der in England zur Fußball-Legende avancierte. Regisseur Marcus H und Hauptdarsteller David Kross ließen es sich nicht nehmen, "Trautmann - Geliebter Feind", persönlich vorzustellen.

Kontrastprogramm zu diesem bewegenden Drama war der deutsche Mystery-Horror "Heilstätten" aus dem Hause Fox International Productions. Beklemmende Atmosphäre, bewährte "Jump-Scares" und Protagonisten ganz auf der Wellenlänge der Generation Facebook: Die exklusiven Ausschnitte verdeutlichten, weshalb der Film in den sozialen Medien schon jetzt für enormen Buzz sorgt. Auf die Bestselleradaption "The Darkest Minds" wiederum stimmte eine vielversprechende Promo-Rolle ein. Die Prämisse? Eine mysteriöse Seuche rafft 98 Prozent der Kinder & Jugendlichen dahin, die Überlebenden entwickeln übernatürliche Fähigkeiten, werden fortan als Bedrohung gesehen und interniert...

Leinwand-Alptraum oder grandioses Experiment? Bei einem komplett auf einem iPhone gedrehten Film mag man zunächst an Ersteres denken. Doch was Steven Soderbergh mit "Unsane" abgeliefert hat, lässt an Intensität und Spannung offenbar nichts vermissen. So zumindest der Eindruck, den die erste Promo hinterließ. Apropos Eindruck: Einen Besseren kann man wohl nicht hinterlassen, als es die aktuelle Marketingkampagne zu "Deadpool 2" tut. Da kann man es auch verschmerzen, wenn Horst Müller nur den neuen Starttermin (17.Mai) nennen konnte, aber kein Material im Gepäck hatte. Zumal er umgehend mit zwei tollen Promos nachlegte: Jener zu "The Predator" und einem der diesjährigen Prestigeprojekte, "Alita: Battle Angel", inszeniert von Robert Rodriguez und produziert von den "Avatar"-Machern James Cameron (der sich die Rechte an diesem Herzensprojekt bereits vor rund zwei Jahrzehnten gesichert hatte) sowie Jon Landau.

Und mit den brandneuen ersten 20 Minuten aus dem Agententhriller "Red Sparrow" mit Jennifer Lawrence konnte die Fox zum Ausklang des Abends noch einmal so richtig punkten.

Marc Mensch