Kino

Deutscher Kinomarkt auch nach drittem Quartal im Plus

Mit dem zweitstärksten Umsatz im Fünf-Jahres-Vergleich ist der deutsche Kinomarkt in diesem Jahr auch nach neun Monaten noch auf solidem Kurs. Das schwächere dritte Quartal hat das Wachstum allerdings vorerst etwas eingetrübt.

04.10.2017 12:45 • von Marc Mensch
"Ich - Einfach unverbesserlich 3" war der Spitzentitel im dritten Quartal - und führt auch das Gesamtjahr an (Bild: Universal)

Die vielen eher durchwachsenen Wochenenden im dritten Quartal ließen es bereits ahnen: Das Wachstum im deutschen Kinomarkt hat sich zwischen Juli und September abgeflaut. Wie aus der von ComScore heute vorgelegten vorläufigen Auswertung hervorgeht, die auf Basis der Flash-Ergebnisse erstellt wurde, konnten zwischen dem 1. Juli und 30. September 2017 insgesamt 25.457.477 Besucher gezählt werden, die für Ticketumsätze in Höhe von 215.202.330 Euro standen. Diese Zahlen stehen für ein Minus von 2,0 bzw. 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Anders ausgedrückt: Das dritte war das bislang schwächste Quartal des laufenden Jahres. Im Fünf-Jahres-Vergleich waren es die zweitschlechtesten Werte nach 2013, als in den drei Bilanzmonaten 25.188.074 Besucher und 194.337.264 Euro Boxoffice gezählt wurden.

Knapp fünfprozentiger Vorsprung gegenüber 2016

Entsprechend der Rückgänge hat sich auch das Wachstum gegenüber dem Vorjahr nach neun Monaten abgeflacht. Stand laut der ComScore-Flash-Ergebnisse zum Halbjahr noch ein Plus von 7,9 Prozent nach Umsatz und fünf Prozent nach Besuchern zu Buche, belief sich der Vorsprung Ende September noch auf 4,6 bzw. 2,7 Prozent. Unter dem Strich weist die Zwischenbilanz 83.148.959 Kinogäste (oder rund elf Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt im Rekordjahr 2015) und 722.516.933 Euro Gesamtumsatz aus. Dies stellt im Fünf-Jahres-Vergleich den zweibesten Zwischenstand dar und liegt um 6,8 Prozent hinter dem Resultat 2015.

Auffällig ist, dass die Durchschnittspreise im Quartalsvergleich leicht gesunken sind: von 8,50 Euro auf zuletzt 8,45 Euro - was aber immer noch um 9,5 Prozent über dem Wert des dritten Quartals 2013 (7,72 Euro) liegt. Allerdings sind die Durchschnittswerte bei den Eintrittspreisen im dritten Quartal traditionell Ausreißer nach unten, was unter anderem an der Stärke von Kinder- und Familienfilmen in den Sommerferien-Wochen liegen dürfte. Hinzu kommt, dass auch der einzige 3D-Film des dritten Quartals, der sein Potenzial wirklich ausschöpfen konnte (namentlich "Ich - Einfach unverbesserlich 3"), ebenfalls in dieses Segment fiel. In der Neun-Monats-Betrachtung jedenfalls zeigt die Kurve deutlich nach oben. Die Preise stiegen zum Stichtag 30. September von 8,53 Euro in 2016 auf zuletzt 8,69 Euro, ein Plus von rund 1,9 Prozent.

Deutscher Film legt zu

Deutsche (Ko-)Produktionen konnten im dritten Quartal erwartungsgemäß stärker punkten, wofür vor allem Warner und Constantin verantwortlich zeichneten. Während der Hamburger Major mit "Bullyparade - Der Film" den erfolgreichsten deutschen Titel des Quartals (sowie des laufenden Gesamtjahres) stellte, platzierte die Constantin mit "Ostwind - Aufbruch nach Ora" und "Das Pubertier - Der Film" zwei Titel in den Quartals-Top-Ten. "Grießnockerlaffäre" verpasste auf Rang 11 eine Top-Ten-Platzierung knapp, zählt angesichts der Tatsache, dass er (fast) exklusiv in Bayern lief und über 775.000 Besucher anzog, zu den ausnehmend positiven Überraschungen. Zwischen Juli und September entfielen 22,9 Prozent des Boxoffice und 25,7 Prozent aller gelösten Tickets auf deutsche Filme. Insgesamt konnten deutsche (Ko-)Produktionen ihren Marktanteil nach neun Monaten auf 19,5 Prozent nach Besuchern und 16,6 Prozent nach Umsatz steigern. Zum Vergleich: Ende Juni hatten diese Werte noch bei 16,7 bzw. 14 Prozent gelegen.

Universal führt im Ranking

Mit "Ich - Einfach unverbesserlich 3" und seinen knapp 4,48 Mio. Zuschauern stellte Universal den meistgesehenen Film im dritten Quartal (sowie des laufenden Gesamtjahres). Dahinter folgen "Bullyparade - Der Film" (1,77 Mio.), "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" (knapp 1,05 Mio.), "Ostwind - Aufbruch nach Ora" (gut eine Mio.), "Spider-Man: Homecoming" (knapp 996.000) und "Planet der Affen: Survival" (gut 776.000). Mit anderen Worten: Unter den Neustarts des dritten Quartals fanden sich vier Besuchermillionäre, im Gesamtjahr sind es derzeit 18, wobei die 2016 gestarteten "Rogue One: A Star Wars Story" und "Vaiana" ebenfalls mehr als eine Mio. Besucher zur 2017er-Bilanz beisteuerten. Auch Warners jüngster Hit "ES" ist bereits Besuchermillionär, übersprang diese Hürde aber am 1. Oktober - und legte damit gleichzeitig den Grundstein für einen hervorragenden Beginn des vierten Quartals.

Im Verleiherranking bekleidete Universal im dritten Quartal mit Marktanteilen von 21,0 (Umsatz) bzw. 21,6 Prozent (Besucher) den ersten Platz, dicht gefolgt von Warner (20,6 & 20,5 Prozent), die Top-3 beschließen dann bereits mit deutlichem Abstand Sony (11,2 & 11,0 Prozent) sowie der erfolgreichste Independent: Die Constantin lag nach Besuchern (11,6 Prozent) noch vor Sony, nach Umsatz (10,1 Prozent) auf Rang 4. Im Gesamtjahr führt Universal (jeweils 19,8 Prozent) nach neun Monaten vor Walt Disney (15,5 & 13,7 Prozent) und Warner (jeweils 12,8 Prozent). Die Constantin reiht sich - wiederum als stärkster Independent - hier auf Rang 7 (4,3 & 4,8 Prozent) ein.

Marc Mensch