Produktion

Mischa Hofmann: "Wir wissen genau, wie wir ticken"

"Hofmann & Voges wieder vereint" - eine Schlagzeile die Anfang Mai in der deutschen Film- und Fernsehbranche für Aufsehen sorgte. Im Interview mit BF äußert sich H & V-Geschäftsführer Mischa Hofmann zu den Hintergründen. Außerdem kündigte er die Zusammenarbeit mit einem der gefragtesten deutschen Regisseure bei einem internationalen Serienprojekt an.

11.05.2017 17:43 • von Frank Heine
Mischa Hofmann (Bild: Andreas Grieger)
Die Branche staunte nicht schlecht, als am 2. Mai verkündet wurde, dass Produzent Philip Voges an seine alte Wirkungsstätte zu H & V Entertainment zurückkehrt. BF sprach mit H & V-Geschäftsführer Mischa Hofmann über die Hintergründe und aktuelle Produktionsaktivitäten..

Sie überraschten vor einer Woche mit der Wiedervereinigung von Hofmann & Voges. Wie kam es dazu?

Auch nach seinem Weggang 2010 waren Philip Voges und ich ständig in Kontakt. Tatsächlich hatten wir die Absicht mit Chestnut Films zu kooperieren, das war so gemeinsam mit Philip Voges und Ilja Haller geplant. Dann kamen aber die schwere Krankheit Ilja Hallers und sein Tod vor einigen Wochen dazwischen. Es erschien uns dann sinnvoller, wenn Philip direkt zu H & V zurückkommt. Wir hätten gerne mit beiden zusammen gearbeitet, leider ist das jetzt nicht mehr möglich.

Welchen Part übernimmt Philip Voges?

Er kommt zu uns als Produzent zurück und wird genau wie früher seine eigenen Projekte machen. Es ist natürlich eine tolle Situation. Wir wissen genau, wie wir ticken. Das ist eine schöne Art der Zusammenarbeit, auf die ich mich sehr freue. Auch wenn es tragisch ist, dass sein Partner nicht mehr dabei sein kann.

Gemeinsame Projekte sind dann in Zukunft auch vorstellbar?

Alles ist möglich. Wir haben früher schon immer zusammen gearbeitet, auch wenn jeder seine eigenen Projekte hatte. Wir wollen wieder daran anschließen, wo wir zuletzt aufgehört haben. Wir haben ja eine erfolgreiche gemeinsame Zeit hinter uns. Und wir wollen zusammen wieder besondere Serien entwickeln.

Was geschieht mit Chestnut Films, wird die Firma in die Odeon Gruppe integriert?

Nein, Chestnut Films wird nicht integriert. Die Firma ruht. Man kann eine solche Firma auch nicht ohne weiteres stilllegen. Die Projekte, die Chestnut entwickelt hat, kommen dann in der Produktionsphase zu H & V.

Das bedeutet, dass beispielsweise auch die Miniserie Bonn" eine H & V-Produktion wird. Können Sie etwas über den aktuellen Stand sagen?

Die Bücher liegen der ARD vor und werden gerade überarbeitet. Wir beabsichtigen die Serie im nächsten Jahr zu realisieren. Bei der Comedyserie Harry die Ehre" mit dem Münchner Comedian Harry G. hat Chestnut einen Pilotfilm produziert. Da befindet sich Philip gerade mit mehreren Sendern in Gesprächen.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf aktuelle H&V-Produktionen werfen: Ende 2016 mussten Sie den Verlust der Kluftinger-Krimireihe hinnehmen. Ist das alternativlos?

Nein. Wir sind noch damit befasst. Für uns ist das Thema Kluftinger noch nicht erledigt. Aber Genaueres, kann ich noch nicht sagen.

Viele H&V-Produktionen befinden sich in Wartestellung. Wie ist denn der Stand bei 23 Cases", bei der Fortsetzung von Harter Brocken" und bei Franziska Meletzkys Thriller Verräter"?

Wir werden mit vier Produktionen auf dem Münchner Filmfest laufen. Das sind der von Ihnen erwähnte ZDF-Thriller "Verräter - Tod am Meer", die Degeto-Fortsetzung Harter Brocken - Die Kronzeugin", außerdem die BR-Komödie Falsche Siebziger" und das WDR-Drama "Loverboy". Das ist natürlich toll. Für eine Firma mit unserem Output ist das ganz schön viel.

Und was gibt es zu der Miniserie "23 Cases" zu erzählen?

Der Titel lautet jetzt "23". Das wird nun wohl anders konfektioniert und von Sat.1 wahrscheinlich als Zweiteiler jeweils à 100 Minuten im Herbst ausgestrahlt. Es gibt Bedenken wegen der horizontalen Erzählweise im Free TV. Trotz gelungener Beispiele wie Weissensee" oder Charité" scheinen Free TV und horizontal erzählte Serien nicht so gut zusammenzupassen. Zumindest trifft man wieder häufiger diese Ansicht. Die klassischen Stammseher bevorzugen kurze Shows mit abgeschlossenen Episoden. Insofern verstehe ich die Überlegungen von Sat.1, auch wenn es für die an der Serie Beteiligten schade ist.

Was steht darüber hinaus 2017 für H & V an?

Wir drehen bald den dritten "Brocken" für die ARD. Für den BR bereiten wir das Gefängnisdrama "7 Stunden im April" vor. Und im Herbst wollen wir für Sat.1 den Zweiteiler "Der Staatsfeind" mit Henning Baum in der Hauptrolle realisieren.

Auch auf dem internationalen Markt sind Sie seit längerem sehr aktiv. Wie steht es hier um Ihre Bestrebungen?

Auch unsere englischsprachigen Serien kommen gut voran. Für "Spy City" haben wir einen deutschen Senderpartner. Wir sind mit William Boyd in der Buchentwicklung und beabsichtigen im nächsten Jahr zu drehen. Mit Christian Schwochow als Regisseur.

Frank Heine

Hintergrund:

1996 gründeten Mischa Hofmann und Philip Voges (Foto) die Hofmann & Voges Filmproduktion (später Hofmann & Voges Entertainment). Seit März 2007 gehört die Firma zur Odeon Film-Gruppe. Mischa Hofmann ist seit 2010 alleiniger Vorstand der Odeon Film AG. Philip Voges verließ das Unternehmen 2010 und gründete mit Ilja Haller Chestnut Films. Herausragende Produktionen aus der gemeinsamen Zeit von Voges und Hofmann sind u.a. die Kinofilme "Erkan & Stefan" und John Rabe" und die TV-Serien "Türkisch für Anfänger" und KDD".