Kino

"Dankbar, glücklich, zufrieden"

"Toni Erdmann" sorgt aktuell fast im Tagesrhythmus für neue Schlagzeilen: Innerhalb weniger Tage hagelte es fünf europäische Filmpreise, eine Golden-Globe-Nominierung und die Aufnahme in die Shortlist für den Auslandsoscar. Ein Gespräch mit Verleihchef Christoph Ott.

16.12.2016 11:12 • von Marc Mensch
NFP-Verleihchef Christoph Ott (Bild: Kurt Krieger)

"Toni Erdmann" sorgt aktuell fast im Tagesrhythmus für neue Schlagzeilen: Erst der Lux-Filmpreis, dann der Jackpot beim Europäischen Filmpreis mit fünf Auszeichnungen, weniger als 48 Stunden später die Golden-Globe-Nominierung und heute nun die Nachricht von der Aufnahme in die Oscar-Shortlist für den besten nicht-englischsprachigen Film. Kurz vor dieser jüngsten guten Neuigkeit sprachen wir mit Christoph Ott|U, dem Verleihchef von NFP.

Fünf Nominierungen, fünf Auszeichnungen. Besser hätte die Bilanz beim Europäischen Filmpreis kaum ausfallen können. Ihre Gedanken dazu?

Um es knapp auf den Punkt zu bringen: Überraschung, gepaart mit großer Freude und Dankbarkeit! Eine perfekte Punktlandung! Sprichwörtliches Tüpfelchen auf dem i war die Berichterstattung. Die Tagesschau zum Beispiel widmete "Toni Erdmann" am Tag nach der Verleihung fast drei Minuten. Das gibt natürlich auch noch einmal Rückenwind für die Kinoauswertung.

Diese konnte fünf Monate nach Start unmittelbar von den Preisen profitieren?

Am Montag nach der Verleihung zogen die Zahlen gegenüber der Vorwoche um 331 Prozent an. Der Film geht jetzt noch einmal breiter in die Auswertung. Aus zuletzt 20 Kinos, die ihn noch im Einsatz hatten, wurden in der am 15. Dezember beginnenden Spielwoche wieder knapp 80.

Wie sehr hatten Sie angesichts des enorm positiven Presseechos denn schon auf die Golden-Globe-Nominierung gesetzt?

Setzen kann man darauf natürlich nicht, aber wenn man ehrlich ist, war es vielleicht nicht die ganz große Überraschung. Aber in jedem Fall einmal mehr eine ganz große Freude!

Ursprünglich wollte man den Film frühestens im Januar 2017 in den Heimkino-Markt bringen, jetzt ist Stichtag bereits der 23. Dezember. Weshalb der Strategiewechsel?

Es war einfach so, dass der Film aufgrund der vielen Arthouse-Starts im November von den Kinos nicht mehr so eingesetzt wurde, wie wir das gehofft hatten. Deshalb haben wir uns entschieden, das Weihnachtsgeschäft noch für die Home-Entertainment-Auswertung mitzunehmen. Wer "Toni Erdmann" noch im Kino sehen will, lässt sich davon aber auch durch den DVD-Start nicht abbringen. Im Gegenteil: Von der Aufmerksamkeit durch die aktuellen Kampagnen profitiert auch die laufende Kinoauswertung, auf die wir bei der Bewerbung von DVD und Digital stets zusätzlich verweisen. So würden wir das dann auch gerne bei einer Oscar-Kampagne halten, sollten wir diese Ende Januar starten dürfen.

Monika Grütters|U hat eine Oscar-Nominierung ja schon irrtümlich vorweggenommen. Vertrauen Sie in ihre hellseherischen Fähigkeiten?

Das hatte ich tatsächlich gar nicht mitbekommen. Aber ich will unserer Kulturstaatsministerin dann sicherlich nicht widersprechen . Verdient hätte "Toni Erdmann" die Nominierung allemal.

Wie zufrieden sind sie generell mit den Zahlen, die Toni Erdmann bislang im Kino geschrieben hat?

Gerade wenn wir uns die Zahlen der Arthouse-Filme des zweiten Halbjahres in ihrer Gesamtheit ansieht, kann man das im Grunde in drei Worte fassen: dankbar, glücklich, zufrieden. Wir sind aber auch gespannt, was der Film im Zuge so vieler großartiger Auszeichnungen noch erreichen kann.

Die Enttäuschung nach  dürfte jedenfalls verflogen sein?

Wer weiß, wozu diese Enttäuschung gut war. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die Juryentscheidung gegen "Toni Erdmann" gerade bei der Presse eine gewisse "Jetzt erst recht!"-Haltung dahingehend ausgelöst hat, wie man den Film in den darauffolgenden Monaten unterstützt hat.

Das Gespräch führte Marc Mensch.