Verkauf

Stabile Umsätze mit Serienstaffeln

27.10.2016 14:00 • von
Was geschieht, wenn eines Tages keine "Game of Thrones"-Staffeln mehr erscheinen? Hoffentlich gehen dann die TV-Umsätze im Videokaufmarkt nicht baden. (Bild: Sky)

In der vorangegangenen BF-Ausgabe wurden zahlreiche neue TV-Produkte vorgestellt, die bis Weihnachten erscheinen. Dabei ging es ausschließlich um neue Serienstaffeln, doch das Segment "Made for TV" ist natürlich umfangreicher. Hinzu kommen die meisten Anime-Titel, TV-Movies und TV-Mehrteiler; streng genommen zählt sogar "" dazu. Mehr als ein Viertel des Kaufvideomarktumsatzes wird regelmäßig mit TV-Produkten erwirtschaftet. Positiv für die Videowirtschaft daher, dass dieses Segment in den ersten acht Monaten dieses Jahres nahezu stabil geblieben ist. Selbstverständlich ist das nämlich nicht: Aus aktuellen GfK-Zahlen geht hervor, dass der Umsatz des gesamten Videokaufmarkts (= DVD, Blu-ray und EST) im Zeitraum Januar bis August 2016 um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückging. Die Ausgaben für TV-Produkte hingegen sanken nur um zwei Prozent: von 213 Mio. auf 208 Mio. Euro. In der Fünfjahresbetrachtung ergibt sich sogar ein Miniplus von zirka 0,5 Prozent, da 2007 207 Mio. Euro generiert wurden. Von größeren Einbrüchen, wie von Branchenexperten seit einigen Jahren wegen Streamingdiensten und Sender-Mediatheken prognostiziert, kann also nicht die Rede sein.

Was sich auch an den Stückzahlen ablesen lässt. Wurden in den ersten acht Monaten 2015 12,4 Mio. Produkte verkauft, waren es in diesem Jahr bisher 12,2 Mio. - ein kleines Minus von etwas mehr als einem Prozent. Zum Vergleich: Die Stückzahlen aller Kaufmarktsegmente gingen von 2015 auf 2016 um acht Prozent auf 56,4 Mio. Einheiten zurück. Im Durchschnitt kostete ein TV-Produkt 17,05 Euro, ein kleiner Anstieg im Vergleich zum Jahr 2012, als Käufer durchschnittlich 16,94 Euro ausgeben mussten. Ein Blick auf die Gesamtmarktzahl (12,38 Euro) ist an dieser Stelle nicht allzu erkenntnisfördernd, da TV-Produkte wie Serienstaffeln oder Komplettboxen mit mehreren DVDs/Blu-rays natürlich teurer angeboten werden müssen.

Sehr wohl aber lohnt ein Vergleich auf die Formatverteilung, also welche Medienträger mehr oder weniger von den Konsumenten genutzt werden. Im Gesamtmarkt entfielen 58 Prozent des Umsatzes auf DVD, 33 Prozent auf Blu-ray und zehn Prozent auf Kaufdownloads (EST). Völlig anders stellt sich das Nutzungsverhalten im TV-Bereich dar: Hier entfielen in diesem Jahr 70 Prozent der Ausgaben auf das DVD-Format und nur 19 Prozent auf Blu-ray. Was vor allem daran liegen dürfte, dass viele TV-Produkte gar nicht auf dem DVD-Nachfolgeformat erscheinen. Jüngstes Beispiel ist die Theaterstück-Verfilmung "", die nicht auf Blu-ray veröffentlicht wurde. Aber: Richtig ist auch, dass DVD im Jahresvergleich um sieben Prozentpunkte abnahm und der Blu-ray-Anteil um fünf Prozent zulegte. Der Anteil des digitalen Vertriebsweges EST verbleibt nach wie vor auf geringem Niveau, ist jedoch inzwischen zweistellig: 12 Prozent bedeuten einen Zuwachs um drei Prozentpunkte. Nur geringfügig abweichend sind die Unterschiede zwischen TV-Markt und Gesamtmarkt bei der Aufschlüsslung nach Geschlecht und Alter: 58 Prozent der Ausgaben für TV-Titel entfielen im Berichtszeitraum auf Männer, 42 Prozent auf Frauen. Die stärkste Altersgruppe sind die 30- bis 39-Jährigen mit einem Anteil von 25 Prozent, gefolgt von 40- bis 49-Jährigen mit 21 Prozent. Im Durchschnitt ist ein TV-Produkt-Käufer 40 Jahre alt. Und dann wäre da noch eine Top-10-Liste mit den bestverkauften Titeln auf DVD und Blu-ray: Die Hälfte der TV-Produkte geht auf das Konto diverser "Game of Thrones"-Staffeln, die noch dazu die ersten fünf Plätze belegen. Man fragt sich unwillkürlich, wie sich das Videogeschäft mit Fernsehserien entwickeln wird, wenn die Fantasyreihe absehbar beendet wird.

Joerg Rumbucher