Kino

Die 13 kann auch Glückszahl sein

Die 13. Ausgabe von SoundTrack_Cologne endete am Abend des 27. August 2016 mit einer großen Award-Zeremonie. Draußen herrschten tropische Temperaturen, drinnen regnete es Preise.

30.08.2016 13:15 • von Manfred Gillig
Wurden für die beste Musikdoku ausgezeichnet: Produzent Ralf Kemper (Kemper Music Group, Zweiter von links) und Regisseur Yoon-ha Chang (Zweiter von rechts) mit Juror Damo Suzuki (links) und Anwalt Jan Uwe Leisse (Grethler Rechtsanwälte) (Bild: MusikWoche)

Die 13. Ausgabe von endete am Abend des 27. August 2016 mit einer großen Award-Zeremonie und anschließender Party. Draußen herrschten tropische Temperaturen, drinnen im Börsensaal der IHK regnete es Preise. Und alle waren sich einig: Die 13 kann auch Glückszahl sein. Denn "Deutschlands führender Kongress für Musik und Ton in Film, Fernsehen, Games und Medien", so der Untertitel der Veranstaltung, hat im 13. Jahr seines Bestehens offensichtlich alles richtig gemacht.

Auch Filmmusikkomponist Cliff Martinez hielt sich auf der Bühne mit Lob nicht zurück: "Diese 13. SoundTrack_Cologne war in meinen Augen die beste Veranstaltung überhaupt." Damit dürfte er die Einschätzung so gut wie aller Teilnehmer auf den Punkt gebracht haben, obwohl er natürlich noch speziellen Grund zur Freude hatte: Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung erhielt Martinez den Ehrenpreis von SoundTrack_Cologne. Er begann als Schlagzeuger unter anderem bei Captain Beefheart und den Red Hot Chili Peppers und gilt inzwischen als einer der bedeutendsten Filmkomponisten, der unter anderem die Musik zu den Filmen der Regisseure Steven Soderbergh und Nicolas Winding Refn liefert.

Cliff Martinez war Mitglied der Jury der European Talent Awards, die von Anfang an einer der wichtigsten Bausteine im Konzept von SoundTrack_Cologne waren. Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs kreieren Musik und Sound für einen Kurzfilm und zeigen so, wie unterschiedlich die Tonspur ein und denselben Film erzählen kann - in diesem Jahr wurde "Wrapped" von Florian Wittmann, Falko Paeper und Roman Kälin vertont. Als Sieger gingen Daniel Herget und Jérémy Bocquet aus dem Wettbewerb hervor. Herget bekam den WDR Filmscore Award und gewann eine eintägige Aufnahmesession mit dem WDR-Funkhausorchester. Für Jérémy Bocquet gab es den European Talent Award Sounddesign, verbunden mit einer 5.1Surround-Kurzfilm-Mischung in der Kölner Filmtonpostproduktionsfirma Torus. Neben Martinez saßen der Sounddesigner Josef Steinbüchel (Geschäftsführer Torus), Philipp Polzin als Vertreter des WDR Funkhausorchesters, der Regisseur Christian Alvart und der Filmjournalist Uwe Mies in der Jury.

Kurzfilme gehen bei SoundTrack_Cologne im Rahmen des Peer Raben Music Award in den Wettbewerb. Der mit 1.500 Euro dotierte Preis würdigt die beste Musik in einem Kurzfilm. Er erinnert an den Komponisten und SoundTrack_Cologne-Ehrenpreisträger Peer Raben (1949 bis 2007), der unter anderem für seine Arbeiten mit Rainer Werner Fassbinder bekannt wurde. Als diesjähriger Gewinner wurde Filip Sijanec für seine Musik zu "Fulfilament" von Rhiannon Evans ausgezeichnet. Die Jury bestand aus der Filmkomponistin Tina Pepper, dem Filmkomponisten Anselm Kreuzer und der Regisseurin Lika Alekseeva.

Zum vierten Mal wurde in Köln der "See The Sound"-Preis für die beste Musikdokumentation vergeben, der mit 2.500 Euro dotiert ist. Die Trophäe ging an "I Go Back Home - Jimmy Scott" von Yoon-ha Chang, der im Rahmen der von SoundTrack_Cologne gezeigten Filmreihe "See The Sound" seine Deutschlandpremiere feierte.

Regisseur Yoon-ha Chang begleitete den Musikproduzenten Ralf Kemper, der mit der Jazzlegende Jimmy Scott ein Album aufnehmen wollte und beinahe zu spät gekommen wäre: Dem alternden Sänger geht es gesundheitlich erschreckend schlecht. Trotzdem machte man sich gemeinsam an die Arbeit - und so entstand ein berührender Film über eine der berühmtesten Stimmen des Jazz und über die heilende Kraft der Musik. In der Jury saßen Regisseurin Martina Pfaff, Videokünstlerin Mirjam Baker und Damo Suzuki, einst Sänger der legendären Band Can.

Erstmals wurde schließlich in Köln der Preis für die "Beste deutsche Livemusik-TV-Sendung" vergeben, und zwar an "ZDF@bauhaus" (ZDF/3Sat); das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro ging an die Kölner Produktionsfirma TVT.media. Mit diesem Preis, der ein Format, nicht eine spezifische Einzelsendung, im Bereich der populären Musik auszeichnet, setzt SoundTrack_Cologne ein Zeichen für professionelle und qualitativ wertvolle Musikpräsentation im Fernsehen. Diese Disziplin wurde bei den TV-Sendern in den vergangenen Jahren immer mehr marginalisiert, sicher auch wegen der "Anything Goes"-Popularität der diversen Videoplattformen im Internet. Als Juroren kamen hier Musikwoche-Herausgeber Manfred Gillig-Degrave, Dr. Robert von Zahn, Generalsekretär des Landesmusikrats NRW, sowie Komponist Helmut Zerlett zum Einsatz.