Kino

Roundup: Deutsche Filmeinkäufe beim EFM

Auf einem lebhaften EFM wurden deutsche Verleiher trotz manchmal absurd hoher Mindestgarantien bei vielen spannenden Filmen fündig. Einen Überblick über die Einkäufe liefert Blickpunkt:Film.

24.02.2016 18:30 • von Heike Angermaier
Zufriedene Teilnehmer beim EFM 2016 (Bild: Oliver Möst / Berlinale / EFM 2013)

Als großer Erfolg erwies sich der European Film Market auf den . Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die internationale Berlinale-Handelsplattform an beiden Ausstellungsorten im Martin-Gropius-Bau mit dem neu geschaffenen Gropius Park bzw. im Marriott Hotel einen deutlichen Zuwachs an Fachbesuchern - im Markt allgemein wie auch bei den einzelnen Initiativen. Die Teilnehmer zeigten sich mehrheitlich zufrieden, der Austausch war rege, die Geschäfte ordentlich. Positive Resonanz erlebten die neuen Plattformen "Drama Series Days", "EFM Asia", "EFM Startups" und der "EFM Producers Hub". Der EFM wurde insgesamt als guter Jahresauftakt mit frischen Impulsen für die Branche wahrgenommen.

Was sich natürlich auch in den deutschen Einkäufen widerspiegelt. Zugegriffen hat man bei Splendid Film, laut Carl Rickmers, Acquisitions & Sales Executive, bei fünf Produktionen. Mit "American Pastoral" gibt Ewan McGregor ("Der Ghostwriter") sein Regiedebüt und spielt neben Jennifer Connelly und Dakota Fanning auch eine der Hauptrollen. Der Film entstand nach dem Roman "Amerikanisches Idyll" von Philip Roth, der dafür 1998 den Pulitzer Preis gewann. Ein Kriegsdrama ist Fernando Coimbras "Sand Castle", Nicholas Hoult ("Mad Max: Fury Road") und Henry Cavill ("Batman v Superman: Dawn of Justice") gehören einem Trupp amerikanischer Soldaten an, der 2003 im Irak einen Brunnen bewachen soll. In den Koreakrieg geht's in "Operation Chromite". Regisseur John H erzählt von der Landung der Alliierten bei Incheon, Schlüsselfigur der Operation war der legendäre US-General Douglas MacArthur, dessen Part Liam Neeson übernimmt. Ein Wiedersehen mit Noomi Rapace ("Millennium"-Trilogie) und Michael Chiklis ("The Shield") gibt es in "Rupture" von Steven Shainberg ("Secretary"), einem Science-Fiction-Thriller um eine alleinerziehende Mutter, die von einer mysteriösen Organisation entführt wird. Im "Jungle" landet Daniel Radcliffe in dem im bolivianischen Urwald angesiedelten Abenteuer-Thriller von Greg McLean ("Wolf Creek"), der auf den Erlebnissen von Yossi Ghinsberg beruht.

Mit gleich sieben spannenden Projekten kehrt die Ascot Elite Entertainment Group von der Spree zurück. Alle Rechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz hat man sich an "La Sage femme", der mit Catherine Deneuve besetzten dramatischen Komödie des siebenfachen César-Gewinners Martin Provost ("Séraphine") gesichert, genauso wie für den Actioner "I Am Wrath", in dem sich Golden-Globe-Preisträger John Travolta in gewohnt überzeugender Manier auf Rachefeldzug begibt, sowie Matt Johnsons Verschwörungsthriller "Operation Avalanche". Action und Nervenkitzel garantieren auch die weiteren Einkäufe, "Bedeviled" von den Vang-Brüdern Abel und Burlee ("Sentient"), "River - Renn um Dein Leben", "Fast Convoy" sowie "Prayer Before Dawn".

Manch heimische Verleiher, unter anderem Pandora Film, Movienet Film, Farbfilm Verleih, Piffl Medien oder X Verleih, waren hingegen nicht in Kauflaune bzw. fanden keine Filme, die ins Portfolio passten. Manuela Stehr, Vorstandsvorsitzende des letztgenannten Berliner Independents: "Wir haben einige Entdeckungen auf Projektbasis gemacht, die wir weiterverfolgen werden". Bei Camino Filmverleih ist Verleihchef Kamran Sardar Khan der Meinung, dass die Mindestgarantie für "eine Handvoll guter Filme" in absurde Höhen getrieben wurde, man verhandelt aber noch über zwei Titel, eine Entscheidung soll bis Cannes fallen. Dafür habe man die Zeit für "Kommunikation mit Kinobetreibern genutzt", versucht herauszufinden, "was sie bewegt, wie man sie besser unterstützen und für einen beständigen Einsatz des Kunstfilmes überzeugen kann".

Konkrete Käufe können oder wollen Studiocanal oder Tobis Film (noch) nicht bestätigen, ebenso wie Jasna Vavra, Head of Theatrical Entertainment bei Universum Filmverleih: "Wir verhandeln noch einiges, haben aber nichts Offizielles zu melden". Bedeckt gibt sich auch Murat Isgüder über SquareOne Entertainment, bekannt wurde aber, dass man zwei Thriller erworben hat. Mit "Rabbit" gibt Luke Shanahan sein Regiedebüt, Abbey Lee spielt eine Medizinstudentin, die von Visionen ihrer als Kind entführten Zwillingsschwester heimgesucht wird. In "24 Hours to Live" übernimmt Ethan Hawke die Hauptrolle.

Auch bei DCM Film Distribution muss noch geklärt werden, so Johannes Schüring, "was offiziell kommuniziert werden kann, bzw. wo die Verträge final unterschrieben sind". Fündig ist man bei Prokino geworden. Geschäftsführerin Ira von Gienanth: "Frisch gekauft haben wir "Cézanne et moi" von Danièle Thompson über die lebenslange Freundschaft zweier Ausnahmekünstler, die das letzte Jahrhundert prägten." Guillaume Gallienne spielt den Maler Paul Cézanne, Guillaume Canet den Schriftsteller Emile Zola. Erworben wurde zudem "Wiener-Dog" von Todd Solondz ("Dark Horse"), die rabenschwarze Story eines Dackels und seiner schrägen Besitzer. Bitterböser Witz mit Julie Delpy, Greta Gerwig und Danny DeVito scheint garantiert. Einen Erfolgstitel der Berlinale hat sich Constantin Film, so Sasha Bühler, Head of Acquisitions, gesichert. John Michael McDonaghs Action-geladene Komödie "War on Everyone" mit Alexander Skarsgård und Michael Peña, die die Panorama-Sektion unter großem Beifall eröffnete.

Bei Concorde Filmverleih freut man sich, wie bereits gemeldet, über den Erwerb von George Clooneys "Suburbicon", ein Kleinstadtdrama über eine Bilderbuchfamilie, deren Mitglieder durch einen Einbruch zu Erpressern, Rächern und Betrügern werden; das Drehbuch verfassten Joel und Ethan Coen. Herbert Kloiber, geschäftsführender Gesellschafter der Tele München Gruppe: "Wir freuen uns, zwei Jahrzehnte nach 'Fargo' wieder einen Film der Coen-Brüder bei uns zu haben. Wir sind uns sicher, dass es dem außerordentlichen Ensemble dieses Films und den Produzenten George Clooney, Grant Heslov, Joel Silver und Teddy Schwarzman gelingen wird, etwas Herausragendes und Einzigartiges zu schaffen." Ebenfalls gesichert haben sich die Münchner den auf einem Bühnenhit basierenden Gruselfilm "Ghost Stories". Martin Freeman soll die Hauptrolle übernehmen, Koautor Jeremy Dyson die Regie.

Während man bei Alamode Film nach den Worten von Geschäftsführer Tobias Lehmann "keine fertigen Filme (fand), die uns interessant erschienen wären", hat man bei Wild Bunch Germany kräftig zugeschlagen. Mit der charmanten Comedy "Bun in the Oven" sowie der Tanzkomödie "Ain't No Half Steppin" wurden bereits zur Berlinale-Halbzeit zwei Titel bekannt, vier weitere sind nun hinzugekommen: Fred Cavayés Komödie "Penny Pincher" um einem krankhaft geizigen Violinisten (Dany Boon), Fred Wolfs Komödie "Drunk Parents" mit Salma Hayek, Alec Baldwin und Will Ferrell, Roger Michells Liebesfilm ("Notting Hill") "Truth in Advertising" mit dem höchst angesagten Ryan Reynolds ("Deadpool") in der Hauptrolle sowie "Wind River". Jeremy Renner ("Marvel's The Avengers") spielt in letztgenanntem Thriller einen Jäger, der mit Hilfe einer FBI-Agentin (Elizabeth Olsen) einen mysteriösen Mord aufklären soll. Inszenieren wird Taylor Sheridan, Autor von "Sicario".

Einen der Wettbewerbshits der Filmfestspiele Berlin hat sich Arsenal Filmverleih zur Freude von Geschäftsführer Stefan Paulgesichert: Mohamed Ben Attias tunesisches (Liebes-)Drama "Hedi", der als bester Nachwuchsfilm ausgezeichnet wurde, und dessen Hauptdarsteller Majd Mastoura einen Silbernen Bären gewann. Neu in der Staffel der Tübinger sind außerdem die Locarno-Premiere "Heimatland" und die Weihnachtskomödie "Holy Mess", die in ihrer Heimat Schweden vergangenes Jahr bereits 800.000 Zuschauer begeisterte.

Bei NFP steckt man noch in Verhandlungen, ergänzt hat man seine Dokumentarfilmschiene angeblich schon mit Benjamin Rees "Magnus" über Schachweltmeister Magnus Carlsen. Kinostar wiederum hat den Animationsfilm "Bad Cat" erworben, der auf einem populären türkischen Comic fußt und Erinnerungen an "Fritz the Cat" wachruft.

Nach - wie schon gemeldet - Oliver Assayas' Thriller-Drama "Personal Shopper" mit Kristen Stewart und Lars Eidinger sowie den Berlinale-Siegern "L' avenir" (Silberner Regie-Bär für Mia Hansen-Løve) respektive "Fuocoammare" (Goldener Bär für Gianfranco Rosi) hat sich Weltkino einen weiteren potentiellen Hit gesichert. Michael Kölmel und Dietmar Güntsche erwarben die Rechte an "Quo Vado?". Der Spaß setzte bislang 65 Mio. Euro um, avancierte in seinem Herstellungsland mit 9,3 Millionen Besuchern zum erfolgreichsten italienischen Film aller Zeiten und ließ selbst Blockbuster wie "Star Wars" hinter sich. geh