Festival

Veränderungen beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden

13.11.2015 14:17 • von Jochen Müller

Diesen Sommer trat die geschätzte TV-Kritikerin bei der Kinemathek in Berlin den Posten als Programmdirektorin Fernsehen an. Ihr ursprünglicher Plan, parallel dazu Leitung und Vorbereitung des diesjährigen Fernsehfilm-Festivals durchzuführen, war aber offenbar nicht realisierbar. "Sie hat gespürt, dass sie sich dabei verzettelt und mich gefragt, ob ich für sie die Leitung kommissarisch übernehmen könnte", erzählt Cathrin Ehrlich im Gespräch mit Blickpunkt:Film. Und so kam es, dass Ehrlich, die bereits seit zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen zum Festival-team gehört, in diesem Jahr zum Käptn aufstieg. Ehrlich, die als Leiterin des Fernsehkrimi-Festivals Wiesbaden bereits über Erfahrung in dieser Rolle verfügt, findet das Bild einer Doppelspitze jedoch zutreffender. Schließlich habe sich Klaudia Wick noch um das Rahmenprogramm gekümmert.

Das besteht in diesem Jahr unter anderem aus einem hochkarätigen besetzten Diskussionspodium, das in Anlehnung an die Festivalanfänge unter dem großen Hans Abich "Dämmerstunde mit Schoppen" getauft wurde. Mit Nico Hofmann, Bettina Reitz, Gabriela Sperl und Matthias Brandt sollen sich passenderweise drei frühere und ein künftiger Gewinner des Hans-Abich-Preises Gedanken darüber machen, wie der Fernsehfilm "ist, und wie er sein könnte", so die Formulierung Klaudia Wicks, die die Gesprächsrunde leitet.

Matthias Brandt wurde in diesem Jahr als zweiter Schauspieler nach Senta Berger für den Sonderpreis des Festivals auserkoren. Die Auszeichnung wird für besondere Verdienste um den Fernsehfilm vergeben. "Mit den verschiedensten Regisseuren schwingt Brandt stets kongenial mit, ohne dabei seinen eigenen Stil der kleinen, präzisen Gesten je zu verleugnen. Dabei bleibt er immer der Teamplayer, der anderen Spielraum für eigene Höchstleistungen gewährt", begründet die Jury um Liane Jessen, Petra Müller, Hermann Beil, Michael Schmid-Ospach und Klaudia Wick ihre Entscheidung. Weil Brandt nicht nur ein herausragender Schauspieler ist, sondern immer wieder durch kluge Einlassungen zu seinem Metier auffällt, ist der Preis bei ihm in besten Händen. Die Laudatio übernimmt Christian Petzold, Regisseur der formvollendeten "Polizeiruf"-Folge "Kreise", einem von drei Wettbewerbsfilmen, in denen der neue Abich-Preisträger mitwirkt.

Cathrin Ehrlich könnte sich sehr gut vorstellen, die Leitung des Festivals fest zu übernehmen. Die Entscheidung darüber trifft jedoch die Akademie der Darstellenden Künste. Und die wird ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin erst nach der diesjährigen Festivalausgabe präsentieren. fra