Kino

Jochen Alexander Freydank über "Kafkas Der Bau"

25.06.2015 13:16 • von Frank Heine
Jochen Alexander Freydank (Bild: M. Schneider)

Zehn Jahre haben Sie dieses Projekt mit sich getragen. Was war ihre Motivation, ihr Antrieb, diesen Film zu machen?

Die Idee zu Kafkas Der Bau" geistert mir sicher noch länger in Kopf herum als zehn Jahre. Mich fasziniert die Gedankenwelt von Kafka. Vielleicht hatte ich auch das Glück, dass ich Kafka damals nicht in der Schule behandeln musste, sondern freiwillig und mit Spaß gelesen hatte. Kafka hatte uns eine Menge zu sagen. Und das auf eine sehr moderne und intelligente Art und Weise. Es geht um das große Thema Cocooning, aber auch um Überwachung, Sicherheitswahn in einer sich immer schneller verändernden Welt.

Der Film wirkt optisch bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Könnten Sie ihr visuelles Konzept bitte beschreiben?

Kafka-Verfilmungen sind ja gerne mal schwarz weiß, irgendwie ein bisschen skurril und irgendwie gekünstelt. So etwas interessiert mich nicht. Ich wollte einen modernen Kafka-Film machen. Einen, der die Psyche des Protagonisten auf eine große visuelle Ebene projiziert, der unterhält und der hier und jetzt angesiedelt ist, mit einem Blick in die Zukunft. Kafka entsteht in Kopf. Deshalb habe ich auch die Originalsprache zum großen Teil beibehalten. Die Umgebung des Protagonisten verändert sich mit ihm. Der Film war sehr genau vorbereitet, anders hätte ich solche Bilder sicher nicht mit einem so überschaubaren Budget hinbekommen. Ich habe da sehr eng mit meinem Szenenbildner und Kameramann zusammengearbeitet.

Gibt es dieses beeindruckende rote Gebäude, in dem Axel Prahls Charakter seinen Bau, eingerichtet hat wirklich?

Manchmal kann und muss man, was die Visualität einen Filmes betrifft, auch dem folgen, was einem auf dem Weg begegnet. Ich habe lange nach einem Gebäude gesucht, das zum Titelhelden des Films taugt. Nach einem roten hatte ich nicht gesucht, aber als ich dieses Haus in Luxemburg fand, wusste ich schnell - das ist es. Da wir das Haus im Film immer mehr zerstören, haben wir natürlich mit einer Menge CGI nachgeholfen.

Wie haben Sie es geschafft, diese großen Schauspieler - Axel Prahl in der Titelrolle, Josef Hader und Roeland Wiesnekker in Nebenrollen, Devid Striesow sogar nur mit einem Miniauftritt - zu bekommen?

Ich musste für diesen Film viel betteln, habe ihn schließlich für weit weniger gedreht, als ich sonst für einen normalen Fernsehfilm zur Verfügung habe. Betteln macht keinen Spaß, aber es gibt Momente, die entschädigen einen für so manches. Dazu gehören definitiv die Zusagen meiner Schauspieler. Sie haben das Buch gelesen, mochten es und waren dabei. Das ging verblüffend schnell. Sie hatten einfach Bock auf die Geschichte und darauf, in diesem etwas anderen Film dabei zu sein, auch wenn ich ihnen sagen musste, dass hier der ganze Kram mit Rückstellungen und so weiter passiert. Die Arbeit mit diesen Schauspielern war sicher ein Highlight auf dem Weg zu diesem Film.

Haben Sie eine besondere saarländische Ader? Ihr erster TV-Film war ein SR-Tatort" und in "Der Bau" steckt auch jede Menge Saarland?

Ich bin schon Berliner und bleibe das auch von Herzen. Aber ohne die große Unterstützung aus dem Saarland hätte ich diesen Film nie machen können. Wir haben es geschafft, hier Locations zu finden und logistisch so zu verbinden, dass ich den Film trotz des knappen Budgets in dem Look realisieren konnte, wie ich es vor Augen hatte.

Wen wollen Sie mit dem Film erreichen? Was rechnen Sie sich an Zuschauern aus?

Ich weiß, dass es keine leichte Zeit fürs Kino überhaupt ist. Aber mir haben die Vorführungen bei denen ich dabei sein konnte gezeigt, dass es dafür ein Publikum gibt. Ob das in Shanghai oder letzte Woche in Edinburgh war. Der Film war dort immer ausverkauft. Es gibt ein großes Nischenpublikum und ich hoffe, wir erreichen es.

"Der Bau" ist ihr erster Ausflug ins Kino. Wollen Sie diesen Weg konsequent fortsetzen?

Kino ist für mich kein Wert an sich. Ich will gute Geschichten erzählen, egal ob fürs Fernsehen oder fürs Kino. Ich will auch weiter Kino machen, habe zwei Kinoprojekte in Planung.

Sie haben 2009 für Ihren Kurzfilm "Spielzeugland" den Oscar gewonnen, werden seit dem fast immer als Oscar-Gewinner attribuiert. Ist das reiner Segen oder manchmal auch Fluch, weil ihre anderen Arbeiten dadurch nicht entsprechend gewürdigt werden?

Ein Oscar ist etwas, was bleibt, und das ist schön so. Warum soll das ein Fluch sein? Inzwischen hat sich schon herumgesprochen, dass ich eine Menge anderer Sachen gemacht habe und mache.

Welche Projekte stehen für Sie als nächstes an?

Ich werde in diesem Jahr noch zwei Fernsehfilme drehen auf die ich mich sehr freue. Und fürs Kino bin ich grade in der Entwicklung einer Komödie mit Kurt Krömer. Ich mag Kontraste. fra