Film

Andrew Niccol: 'Das Drehbuch ist nur eine Blaupause'

01.01.1970 01:00 • von
setzte in seinem Sci-fi-Thriller (Columbia TriStar, 9. Juli) statt auf Effekte auf eine intelligente Geschichte. Zudem startete in den USA der nach seinem Drehbuch entstandene "Die Truman Show" (UIP, 12. November) mit einem Wochenendeinspiel von 31,6 Mio. Dollar.

Blickpunkt:Film: "Gattaca" vereint viele große Themen. Wie bringen Sie die unter einen Hut?

Andrew Niccol: Ich bereitetete mich ausgiebig vor, schließlich ist es mein erster Film. Obwohl der Film ein futuristischer Thriller ist, hat er eine altmodische Geschichte, den Triumph des menschlichen Willens. Die zwei Hauptfiguren haben eine symbiotische Verbindung. Jude Law als Eugene hat körperliche Vorzüge, aber keine Leidenschaft. Ethan Hawke als Vincent hat Geist und Energie, aber buchstäblich nicht das richtige Blut.

BF: Was brachte Sie auf die Idee, sich mit Genmanipulation zu befassen?

AN: Es war eine Folge von Ereignissen: Wenn man heute Zeitung liest, kann man sicher sein, daß irgendwer ein Gen gefunden hat. Mich wundert es, daß nicht mehr Menschen darüber sprechen, schließlich ist es ein Thema, das jeden in der Gesellschaft angeht. Die Technologie ist viel weiter als die Ethik. Das ist eine sehr gefährliche Sache. Niemand würde je den Nutzen der Gentechnik bei Erbkrankheiten bestreiten wollen, aber ist Kahlköpfigkeit oder Schüchternheit eine Krankheit? Wenn man einmal damit anfängt, ist man schnell versucht, aus seinem Kind einen Mozart oder Michael Jordan zu fabrizieren.

BF: Wie kamen Sie auf Ethan Hawke als Hauptdarsteller?

AN: Er hat diese Ausstrahlung eines Good Guy - er wird mich dafür hassen, aber es stimmt. Ich sah ihn in dem Kriegsfilm "Spezialeinheit IQ" als jungen Soldaten. Man fühlt mit ihm, weil er wie jedermann wirkt und genügend kleine Fehler hat. Aber er hat etwas Besonderes an sich. Deshalb hoffe ich, daß er sich nie seine Zähne machen läßt.

BF: Wie würden Sie "Die Truman Show" beschreiben?

AN: Es ist die Geschichte eines Mannes, der von seiner Geburt an gefilmt wird, jede Sekunde jeden Tages seines gesamten 30jährigen Lebens. Jim Carrey spielt Truman. Er ist der einzige, der nicht weiß, daß er gefilmt wird und daß er der Star der größten TV-Show der Welt ist. Es ist eine schwarze Komödie, eine Art "Dramödie".

BF: Waren Sie beim Dreh von "Die Truman Show" dabei?

AN: Ja, die Zusammenarbeit mit Peter Weir war toll. Ich bin froh, daß ich selbst einen Film inszeniert hatte, bevor "Die Truman Show" realisiert wurde. So verstand ich als Autor, daß Regie zu führen etwas ganz anderes ist. Als Regisseur stehen einem eine Menge Möglichkeiten offen, aus dem Buch etwas zu machen. Was auf den Seiten steht, ist nicht in Stein gemeißelt. Manche Autoren tun so, als wäre ihr Drehbuch ein Stück Literatur. Das ist es aber eben nicht, es ist nur eine Blaupause, und so sollte es auch betrachtet werden.

BF: Beim Schneiden wird ein Film noch einmal umgeformt.

AN: Schneiden mag ich am Filmprozeß am liebsten. Es ist die letzte Überarbeitung und kann den Film noch einmal erheblich verändern.

BF: Was änderte Peter Weir an Ihrem Drehbuch?

AN: Peter hatte folgende interessante Annahme: Da Truman Gefangener im Paradies ist, sollte er auch eine sehr komfortable Zelle darin bekommen. Ich dachte dagegen eher an eine Jedermann-Umgebung.

BF: Wie veränderte Jim Carrey "Die Truman Show" durch seine Persönlichkeit?

AN: Schon allein indem er auftauchte. Aber wir haben auch Jim Carrey verändert, und die Story veränderte sich mit. Carrey versuchte, die Grenzen der Komödie zu überschreiten, auf eine mehr dramatische Darstellung hin. Er war wirklich herausragend.