Kino

FFA bilanziert erstes Kinohalbjahr 2014

29.08.2014 12:05 • von Jochen Müller

Laut aktueller FFA-Zahlen sanken die Umsätze im deutschen Kinomarkt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,2 Prozent von 496,3 auf nur noch 450,6 Mio. Euro und damit auf den niedrigsten Halbjahreswert seit 2010. Mit 56,3 Mio. Besuchern wurden im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahrs 6,4 Mio. Kinotickets weniger verkauft, was einem Rückgang um 10,2 Prozent entspricht. Unterm Strich steht damit die schlechteste Gesamtbesucherzahl seit 1992. Dass die Umsätze nicht stärker gesunken sind, ist einem weiteren Anstieg des durchschnittlichen Eintrittspreises zu verdanken, der mit einem Plus von neun Cent erstmals die Acht-Euro-Marke überschritten hat und bei 8,01 Euro lag.

Neustarts haben im ersten Halbjahr auf relativ breiter Front enttäuscht; dass das Ergebnis nicht noch schlechter ausfiel, ist nicht zuletzt etlichen "Überläufern" aus 2013 zu verdanken. Von diesen tummeln sich ganze vier in der Top-Ten der meistbesuchten Filme des ersten Halbjahrs, allen voran die deutsche Bestsellerverfilmung Der Medicus", die allein zwischen Januar und Juni 2014 nahezu 2,6 Mio. Besucher in die Kinos zog und damit sogar den erfolgreichsten Neustart, The Wolf of Wall Street", hinter sich ließ.

Generell ist es vor allem der deutsche Film, der für Lichtblicke in den ansonsten weitgehend durchwachsenen sechs Monaten sorgte. Zwar konnten deutsche (Ko-)Produktionen aufgrund des für sie traditionell schwächeren 2. Quartals den von Rentrak Ende März 2014 bilanzierten Fabel-Marktanteil von fast 42 Prozent nach Besuchern erwartungsgemäß nicht halten. Die 31,6 Prozent, die laut FFA nach sechs Monaten zu Buche schlagen, können sich jedoch mehr als sehen lassen - zumal es sich um den höchsten Marktanteil seit 2008 (damals 33,9 Prozent) handelt. So platzierten sich mit Vaterfreuden", Dauerbrenner Fack Ju Göhte" und Stromberg - Der Film" noch drei weitere deutsche Filme in den Top Ten. Betrachtet man lediglich die Erstaufführungen aus 2014 (nimmt man also unter anderem "Der Medicus" und "Fack Ju Göhte" aus der Betrachtung), musste jedoch auch der deutsche Film Rückgänge hinnehmen. Lockten Erstaufführungen deutscher (Ko-)Produktionen im ersten Halbjahr 2013 noch über 14 Mio. Besucher in die Kinos, waren es zuletzt nur noch knapp zwölf Mio. Ähnlich das Bild bei den US-Filmen, wo von Januar bis Juni 2014 lediglich gut 28 Mio. Tickets für Erstaufführungen verkauft wurden (2013: knapp 33 Mio.). "Trotz des großartigen Erfolgs des deutschen Films ist ein solches Kinoergebnis natürlich nicht zufriedenstellend", kommentierte FFA-Vorstand Peter Dinges die Zwischenbilanz.

In Sachen "Präsenz in der Fläche" verliert das Kino in Deutschland weiterhin an Boden. So ging die Zahl der Leinwände gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 zwar nur um zwei auf 4605 zurück - allerdings schrumpfte die Zahl der Standorte erneut um zehn auf nur noch 894, die Zahl der Kinos sank um 16 auf 1628, die der Filmtheaterunternehmen um zwölf auf 1157. Wenigstens aber hat sich der Negativtrend beim Kinobestand auch hinsichtlich der Zahl der Standorte verlangsamt, wie die FFA feststellt.

Immerhin: Während Deutschland noch seine Fußballweltmeister feierte, zog das Kinogeschäft schon wieder merklich an; tatsächlich konnte der Rückstand zum Vorjahr bereits deutlich verringert werden. An das Milliardeneinspiel der beiden Vorjahre dürfte 2014 dennoch kaum anknüpfen können, auch wenn insbesondere für das 4. Quartal noch etliche potenzielle Hochkaräter am Start stehen. Zu den Hoffnungsträgern aus deutscher Sicht zählt der FFA-Vorstand unter anderem Honig im Kopf" von Til Schweiger, The Cut" von Fatih Akin, Die Biene Maja - Der Kinofilm", "Bibi & Tina 2" sowie Baran Bo Odars Thriller "Who Am I". Ohnehin sieht die Branche das Kinojahr 2014 nicht zuletzt aufgrund des Faktors "Fußball-WM"?als Übergangsperiode, bevor es 2015 wieder auf die Jagd nach neuen Rekorden gehen soll - zumindest beim Boxoffice. mm