Kino

US-Kinohalbjahr mit Minus

Die schwachen Ergebnisse des bisherigen Kinosommers tragen Schuld daran, dass sich das klare Plus an den US-Kinokassen nach den ersten drei Monaten 2014 nunmehr zu Ende des ersten Halbjahrs in ein Minus verwandelt hat.

01.07.2014 09:57 • von Thomas Schultze
Sorgt für Aufschwung am US-Boxoffice: "Transformers: Ära des Untergangs" (Bild: Paramount)

Die schwachen Ergebnisse des bisherigen Kinosommers tragen Schuld daran, dass sich das klare Plus an den US-Kinokassen nach den ersten drei Monaten 2014 nunmehr zu Ende des ersten Halbjahrs in ein Minus verwandelt hat. Seit Anfang Mai bis Abschluss des vergangenen Wochenendes wurde am nordamerikanischen Boxoffice ein Minus von auffälligen 13,1 Prozent erwirtschaftet. Für das komplette zweite Quartal wird ein Minus von 6 Prozent erwartet. Gesamt steht das Kinojahr mit einem Einspiel von 5,19 Mrd. Dollar nunmehr mit einem Minus von 0,9 Prozent da. Vor Beginn der traditionell sehr lukrativen Sommersaison hatte man noch ein Plus von 9 Prozent im Vergleich zu 2013 verzeichnet.

Seither haben viele der großen Tentpole-Filme der Studios die Erwartungen erfüllt - allerdings ist es keinem Film gelungen, einen wirklich durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Noch kein Sommerfilm konnte mehr als 225 Mio. Dollar einspielen - zum selben Zeitpunkt im Jahr davor hatte bereits "Iron Man 3" seinen Überfliegererfolg mit mehr als 400 Mio. Dollar Einspiel angetreten und "Man of Steel" befand sich auf dem Weg zu knapp 300 Mio. Dollar Gesamtumsatz. 2014 stammen die beiden erfolgreichsten Titel bislang nach wie vor aus dem Frühjahr: "The Lego Movie" und "Return of the First Avenger" haben aktuell jeweils 257 Mio. Dollar umgesetzt. Top-Sommertitel ist gegenwärtig noch "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit", der mit einem Einspiel von 223,4 Mio. Dollar auch erfolgreichster Titel des "X-Men"-Franchise ist. Mehr als 200 Mio. Dollar haben überdies auch "Maleficent - Die dunkle Fee" und "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" eingespielt; "Godzilla" befindet sich mit gegenwärtig 197 Mio. Dollar noch auf dem Weg dazu.

Noch ist natürlich nicht aller Tage Abend: Am letzten Wochenende des ersten Halbjahres gelang es "Transformers: Ära des Untergangs" als erstem Titel in diesem Jahr, am Startwochenende mehr als 100 Mio. Dollar einzuspielen. Oder genau gesagt: 100.038.390 Dollar wurden von Paramount offiziell vermeldet, was für hitzige Debatten in Hollywood gesorgt hat, weil die anderen Studios lautstark Zweifel an den verkündeten Zahlen angemeldet haben - als ob es in Tagen wie diesen, mit den peinlichst genauen Erfassungsmöglichkeiten überhaupt möglich wäre, Einspielergebnisse zu fälschen. "Transformers" jedenfalls erfüllt die Erwartungen. Und auch für "Planet der Affen: Revolution" sieht es schon mal gut aus: Die bisherigen Besprechungen sind allesamt Elogen, der Buzz für den Film ist gewaltig, sodass man davon ausgehen darf, dass das Gesamtergebnis des ersten Teils, "Planet der Affen: PRevolution", der 2011 überraschend starke 176,7 Mio. Dollar umsetzte, übertroffen wird.

Vor allem wird die Studios freuen, dass es bislang auch keine kostspieligen Flops zu beklagen gab. "Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise mag mit einem Einspiel von knapp 85 Mio. Dollar hinter den Erwartungen zurückliegen. Aber der mit einem überschaubar hohen Budget entstandene Film ist kein Megabudget-Debakel, wie es in den letzten beiden Jahren Filme wie "Battleship", "After Earth" oder "Lone Ranger" gewesen waren.

Komödien haben sich sehr gut geschlagen. "22 Jump Street" liegt mit einem Umsatz von aktuell 140 Mio. Dollar bereits besser als der Vorgänger, "21 Jump Street", von 2012. Und "Bad Neighbors" ist mit einem Ergebnis von 147,2 Mio. Dollar neben der sensationell starken Teenie-Romanze "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (109,9 Mio. Dollar Einspiel bei einem Budget von nur zwölf Mio. Dollar) der bisherige Überflieger des Jahres. Noch zu wünschen lassen die Ergebnisse der Animationsfilme übrig: Gerade von "Drachenzähmen leicht gemacht 2" hatte man sich angesichts der enormen Popularität des ersten Teil doch mehr erwartet als 121,9 Mio. Dollar nach dem vierten Wochenende.

Jetzt schon weisen Analysten, Studios und Kinobetreiber darauf hin, dass es keine grundlegenden strukturellen Probleme gäbe. Es handle sich nun mal um ein zyklisches Geschäft, und man habe in der Branche gewusst, dass das Sommer-Lineup nicht ganz so stark sein würde als in den Jahren davor. Gleichzeitig verweist man auf 2015 und mittlerweile auch 2016: Da soll es wieder deutlich bergauf gehen mit einer Fülle von mit Spannung erwarteten Fortsetzungen der größten und umsatzträchtigsten Franchises.