Produktion

H&V Entertainment startet im Kino durch

30.06.2014 15:48 • von Jochen Müller

15 Jahre produzierten Mischa Hofmann und Philip Voges gemeinsam als Hofmann & Voges Entertainment für das deutsche Fernsehen und Kino bevor die beiden Firmengründer Ende 2010 beschlossen, getrennte Wege zu gehen. Während Voges mit Chestnut Films eine neue Firma gründete, firmierte Hofmann die alte in H&V Entertainment um und fungiert bei der Tochterfirma der Odeon Film AG als alleiniger Geschäftsführer. Während H&V Entertainment im Fernsehbereich weiterhin u. a. mit der Serie Der Kriminalist" und diversen TV-Movies erfolgreich produzierte, kamen im Kinobereich in den Folgejahren keine neuen Projekte in Fahrt. Doch dies ändert sich gerade. "Wir haben lediglich ein paar Jahre ausgesetzt. Wir machen aber einfach leidenschaftlich gern Programm, und Kino, das Medium, mit dem man aufgewachsen ist und das man lieben gelernt hat, gehört schlicht dazu. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir wieder einen tollen Slate haben, mit dem wir nun angreifen wollen", beschreibt Hofmann die Situation.

Vor etwas über zwei Jahren kam André Zoch, der zuvor unter anderem bei Bavaria Fernsehproduktion und Tandem Communica­tions produzierte, zu H&V Entertainment und leitet mittlerweile den Kinobereich der Münchner Produktionsfirma. Gerade erst lief Beste Chance", Marcus H dritter Teil seiner "Beste"-Trilogie im Verleih von Majestic Film an. H&V Entertainment produzierte den Film für den BR über das Label GoodMood Productions zusammen mit Lieblingsfilm. Als nächstes Kinoprojekt wird dann 2015 zusammen mit SevenPictures und Warner Bros. Film Productions Germany die Body-Switch-Komödie Seitenwechsel", die noch bis Ende Juli gedreht wird, veröffentlicht. Vivian Naefe inszeniert das Remake eines brasilianischen Hits mit Wotan Wilke Möhring und Mina Tander in den Hauptrollen.

Doch Zoch hat bereits eine ganze Liste weiterer Titel für die nächsten Jahre in verschiedenen Entwicklungsstufen in der Schublade. Gerade das Thema Komödie wird dabei großgeschrieben. Neben "Seitenwechsel" fällt z. B. der Titel "10 Dinge (AT)" in diese Rubrik. Die "Ensemblekomödie mit einem etwas schrägen Ansatz", wie Zoch das Projekt umschreibt, wird derzeit mit Autor Matthias Dinter entwickelt und erzählt die Geschichte einer Gruppe von Freunden, die ihren 30. Geburtstag vor sich haben. Um Entscheidungen, die man trifft und die das Leben in eine bestimmte Richtung lenken, geht es auch in der Verfilmung von Roger Schmelzers Roman "Die besten zehn Sekunden meines Lebens", die von Zochs Kollegin Eva Tonkel betreut wird. Hier soll Axel Stein die Hauptrolle übernehmen und Wolfgang Gross Regie führen. Ebenfalls ins Komödienfach fällt die Adaption eines englischen Romans, "Das verflixte erste Jahr" über die Probleme und Zweifel eines frisch verheirateten Mannes. Als fünfter ­komödiantischer Beitrag im aktuellen Kino-Slate entwickelt H&V zudem "Nicht meine Liga" über einen jungen, unscheinbaren Mann, der auf einer Online-Dating-Plattform nach einer Partnerin sucht und aufgrund eines Berechnungsfehlers mehreren Traumfrauen als ihr perfekter Partner empfohlen wird. Die beiden jungen Autoren Malte Welding und Richard Kropf erarbeiten hier das Drehbuch.

Doch nicht nur das komische Fach hat H&V Entertainment auf dem Schirm. Mit "34 Meter über dem Meer" ist eine etwas ernstere ­Geschichte in Planung. Die Adaption des Romans von %Annika Reich% wird von Zoch als "'Lost in Translation' in Berlin" beschrieben. Léonie-Claire Breinersdorfer arbeitet derzeit an dem Script, während die junge Regisseurin Theresa von Eltz voraussichtlich inszenieren wird. "Der Blaue Reiter" entführt schließlich in die deutsche Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Christoph Silber schreibt im Moment das Drehbuch, das neben der weltberühmten Künstlervereinigung rund um Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter auch das gesellschaftliche Treiben im Münchner Stadtteil Schwabing zu jener Zeit zum Leben erwecken soll. Zoch übernimmt gemeinsam mit Katja Herzog die Produktion. Ein Projekt, dem Zoch sichtlich entgegenfiebert: "Wir befinden uns gerade in Gesprächen mit einem äußerst spannenden Regisseur bezüglich der Inszenierung, den man zunächst gar nicht in dieser Richtung vermuten würde. Zudem werden wir hier bestimmt eng mit dem Bayerischen Rundfunk zusammenarbeiten und haben bereits eine Projektentwicklungsförderung vom FFF Bayern erhalten. 'Der Blaue Reiter' wird sicherlich eines der nächsten Projekte sein, das wir angehen."

H&V Entertainment setzt also von Anfang an auf Vielseitigkeit. Und auch mit dem Psychothriller Therapie" wagen sich Zoch und seine Kollegen an ein zumindest für die deutsche Filmlandschaft nicht ganz einfaches Sujet: Die auch über die deutschen Grenzen erfolgreiche Vorlage von Sebastian Fitzek hat einen Psychiater als Hauptfigur, der Jahre nach dem Verschwinden seiner eigenen Tochter von einer Frau aufgesucht wird, die unter Wahnvorstellungen leidet. Mennan Yapo wird die Regie übernehmen und überarbeitet die dritte Drehbuchfassung von Don Bohlinger. Odeon hatte sich die Rechte an dem Bestseller schon vor einigen Jahren gesichert. Nun soll "Therapie" als internationale Koproduktion realisiert werden.

Die Schubladen von H&V sind also gut gefüllt. Auf einen festen Zeitplan, in dem diese und weitere Projekte realisiert werden, möchte sich Zoch aber nicht festlegen: "Unser Ziel ist es, im Schnitt zwei Filme pro Jahr zu produzieren. Internationale Koproduktionen oder die etwas höher budgetierten Projekte werden allerdings etwas länger dauern. Kino ist einfach kompliziert und es dauert länger, die jeweilige Geschichte so zusammenzustellen, dass man letztlich das Gefühl hat, dass man sie auf der großen Leinwand sehen möchte. Hinzu kommt, dass gerade der Markt mit Komödien in Deutschland hart umkämpft ist." Nicht zuletzt deswegen kommt den richtigen Partnern im Kinobereich eine besondere Bedeutung zu. Hierbei setzt H&V auf Diversität und sucht sich von Projekt zu Projekt die passenden Partner. Zoch: "Es gibt natürlich über die Odeon und die Tele München Gruppe eine Nähe beispielweise zur Concorde. Trotzdem muss auch diese erst durch Projekte wachsen. Es gibt da keinen Automatismus. Grundsätzlich sind wir bei jedem neuen Projekt offen für alles und reden mit jedem, der Interesse zeigt. Letztlich kommt es auch hier auf die passende Chemie an." mahe