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Interview zum 20-jährigen Jubiläum von MPO Audio und Video in Deutschland

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

Herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum von MPO in Deutschland. Lassen Sie uns zunächst zurückblicken. An welche Ereignisse erinnern Sie sich besonders gern? Sandra Fritzsch: An die Einführung neuer Formate. Wir sind bei allen Medien immer von Anfang an dabei gewesen. Das hat uns sehr geholfen, weil wir alles anbieten konnten. Ein ganz besonderes persönliches Ereignis war 2007 die Feier zum 50-jährigen Jubiläum von MPO in Averton mit abschließendem Feuerwerk. Damals sind die Mitarbeiter aus aller Welt eingeladen worden. Volker Schnorr: Toll war auch die goldene Zeit, als die Internet-Serviceprovider ihre Boomphase hatten. AOL mit seinen Give-away-CDs gehörte zu unseren größten Kunden. Diese Mengen an Discs, die damals bestellt wurden, sind heute unvorstellbar. Wir haben gigantische Umsätze erzielt!

Und welche Situationen hätten Sie lieber nicht erlebt? Sandra Fritzsch: Im Formatstreit zwischen HD DVD und Blu-ray haben wir leider auf das falsche Pferd gesetzt. Das war sehr ernüchternd. Allerdings haben wir schnell auf Blu-ray umgstellt. Traurig war im Jahr 2005 der Tod des Firmengründers Pierre de Poïx, den wir noch kennenlernen durften.

MPO wurde 1957 als Schallplattenhersteller in Frankreich gegründet. Warum wurde vor 20 Jahren eine MPO-Niederlassung in Deutschland eröffnet? Sandra Fritzsch: Von Frankreich aus betreuten wir damals den Musik-Major BMG. Um näher am Kunden zu sein, gründeten wir ein deutsches Büro und wollten dann natürlich auch diesen Markt erobern. Inzwischen sind wir nach Frankreich und neben Großbritannien mit einem Umsatzanteil von etwa 16 Prozent einer der wichtigsten europäischen Märkte für MPO.

Sie sind hier mit einem Vertriebsbüro präsent, produziert wird jedoch in Frankreich. Welchen Einfluss hat das auf Ihr Geschäft? Volker Schnorr: Manchmal gibt es Vorbehalte, und Kunden wollen lieber mit einem deutschen Presswerk arbeiten. Schließlich haben die Franzosen eine andere Sprache und Mentalität. Sandra Fritzsch: Aber das ist mehr Kopfsache. Unsere Kunden rufen eine deutsche Nummer an und werden dann nach Frankreich zu einem deutschsprachigen Mitarbeiter durchgestellt. Auch logistisch spielt die Entfernung zum Presswerk keine Rolle. International tätigen Firmen ist das ohnehin egal. Sie legen Wert darauf, dass Preis, Lieferzeit und Service stimmen.

Wie schwierig ist heutzutage der Wettbewerb um neue Auftraggeber, und wie treu sind Bestandskunden? Volker Schnorr: Große Kunden sind besonders treu. Aber das macht es auf der anderen Seite schwerer, neue zu akquirieren. Wenn Kunden lange gute Erfahrungen mit einem Dienstleister machen und keine Fehler passieren, bleiben sie. Ein Wechsel muss Vorteile bringen. Diese sind heutzutage kaum noch in Kosten- oder Servicestrukturen sichtbar. Umso wichtiger ist die persönliche Kundenbeziehung.

Welche Möglichkeiten haben Sie denn überhaupt noch? Sandra Fritzsch: Wir müssen überall präsent sein und stehen zum Teil über Jahre mit potenziellen Kunden in Kontakt. Manchmal erhalten wir einen Testauftrag, und später kommt es vielleicht zum Wechsel. Volker Schnorr: Auch personelle Fluktuationen in Firmen können Gründe für oder gegen einen Dienstleisterwechsel sein. Allein auf preislicher Ebene schafft es heute kaum jemand mehr, einen Kunden von A nach B zu bewegen. Wir versuchen daher, so viele unterschiedliche Dienstleistungen wie möglich anzubieten, um viele potenzielle Auftraggeber ansprechen zu können. Sandra Fritzsch: Außerdem zeigen wir Kunden aktiv, was theoretisch alles möglich ist. Diese Ideen werden häufig und gern angenommen. Denn wir bieten nicht nur die Pressung der Scheibe an, sondern auch Verpackung, Logistik und anderes mehr. Kunden wollen einen Rundumservice. Das ist für sie viel einfacher und auch kostensparender, als alles bei verschiedenen Firmen einzukaufen.

Warum arbeitet MPO vor allem für Independents und versucht nicht, auch an Majoraufträge zu gelangen? Sandra Fritzsch: Natürlich umgeben wir uns als unabhängiges Presswerk gern mit den Independents der Branche. Trotzdem werden Majoraufträge von uns keineswegs ignoriert. Bei der Pressung ist das schwierig, weil es meist auf internationaler Ebene Verträge mit bestehenden Dienstleistern gibt. Indirekt haben wir dennoch Möglichkeiten. Zum Beispiel können wir dank unserer Sparte M'Pack Verpackungen für Majors fertigen und tun dies auch.

Welche Bedeutung haben die einzelnen Entertainmentmärkte für Sie? Sandra Fritzsch: Video steht für mehr als die Hälfte unseres Geschäfts. Wir haben eigene Blu-ray-Maschinen und machen das Glasmastering selbst. Dann kommt Musik. Wir können die Herstellung von Vinyl anbieten. Für viele ist das ein Argument, alles bei uns zu machen. Volker Schnorr: Auch im Gamesmarkt sind wir sehr stark, haben aber Einbußen zu verzeichnen. Aktuell erweist sich der Markt als sehr schwierig, wie u. a. verschiedene Insolvenzen selbst von großen Marktteilnehmern zeigen. Zudem sind wir neben den Bereichen Video, Musik und Games auch für andere Branchen, wie zum Beispiel die Kosmetikindustrie, tätig.

Unter Dienstleistern herrscht ein enormer Preiskampf. Welche Formate stehen besonders unter Druck? Sandra Fritzsch: Aktuell vor allem Blu-ray. Der Preisverfall ist erschreckend. Die Preise, die an uns herangetragen werden, sind nicht vereinbar mit den Herstellungskosten. Die Kapazitäten auf dem Markt sind immens, der Druck enorm. Volker Schnorr: Schon wenige Jahre nach Einführung des Blu-ray-Formats lässt sich allein mit der Herstellung der Scheibe nichts mehr verdienen. Da geht es manchmal nur noch um Kapazitätsauslastung für das jeweilige Zeitfenster. Diese Dynamik ist nicht mehr normal. Früher waren die Preistreiber leichter zu identifizieren. Heute beschuldigen sich alle gegenseitig. Das Problem dabei ist, dass jemand mit niedrigeren Preisen eine Spirale in Gang setzt. Man kann das Rad ja nicht zurückdrehen. Sandra Fritzsch: Aber es gibt auch gute Nachrichten. Bei Vinyl etwa existiert kein Preiskampf mehr. Wir konnten es uns sogar erlauben, die Preise zu erhöhen. Wer das nicht getan hat, ist angesichts der hohen Nachfrage und fehlender Vinylkapazitäten selbst schuld. Wir haben dadurch zwar ein paar Kunden verloren, erzielen seither aber viel bessere Gewinne. Bei Blu-ray kann man sich so etwas nicht erlauben.

Natürlich versuchen alle Markteilnehmer, ihre Kostenstruktur zu optimieren. Wo gibt es überhaupt noch Einsparpotenziale? Sandra Fritzsch: Wir haben den Einkauf in der Firmengruppe zentralisiert. Zudem analysieren wir sehr genau, in welchen Mengen wir Material vorrätig haben wollen. Es ist wichtig, dass möglichst wenig Kapital gebunden herumliegt. Und wir optimieren ständig unseren Produktionsprozess. Kurze Durchlaufzeiten und genaue Vorausplanung sind wichtiger denn je.

Wie haben Sie sich aufgestellt, um auch in Zukunft noch bestehen zu können? Sandra Fritzsch: Wir unterteilen unsere Vertriebstätigkeiten nach Märkten. Außerdem haben wir mit M'Pack eine eigene, auf Verpackungen spezialisierte Division gegründet. Durch die Übernahme von BDMO vor zwei Jahren sind wir in diesem Bereich noch besser geworden. Ein weiteres Standbein ist unsere Logistiksparte M'Link. Volker Schnorr: Wir können alle Dienstleistungen einzeln, gekoppelt oder komplett anbieten. Unser Schwerpunkt liegt noch in der Entertainmentbranche, mit der wir 85 Prozent des Umsatzes erwirtschaften. Aber speziell im Verpackungs- und Logistikbereich arbeiten wir inzwischen auch für andere Märkte, zum Beispiel für Kosmetik- und Luxusmarken. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass unser Know-how in anderen Branchen gefragt ist.

Ist der Konsolidierungsprozess in der Dienstleistungsbranche noch im Gange? Sandra Fritzsch: Seit Jahren glauben manche, dass diese oder jene Firma bald am Ende sein müsste. Und doch geht es immer weiter. Speziell diejenigen, die sich wie wir neu ausgerichtet haben, schaffen es offenbar trotzdem. Dennoch müssen bestimmte Kapazitäten abgebaut werden, weil die Nachfrage einfach nicht da ist. Vielleicht reduziert sich der Pressbereich, dafür investieren die Firmen in andere Services.

Wann werden bei MPO die letzten Blu-rays, DVDs, CDs und Schallplatten gepresst? Volker Schnorr: Wir sind uns bewusst, dass physische Medien an Bedeutung verlieren. Dennoch werden solche Produkte auch in den nächsten Jahren ihre Berechtigung haben und in fernerer Zukunft als Nischenmärkte existieren. Sandra Fritzsch: Ich glaube, dass wir noch sehr lange diese Formate herstellen werden. Die Frage ist nur, in welchen Mengen? Wir werden weiter in andere Bereiche investieren und können uns es dann hoffentlich erlauben, die Kapazitäten herunterzufahren, aber diese Formate trotzdem anzubieten.