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Degeto-Chefin Strobl: "Bauen unser Engagement für den deutschen Film aus"

Das "Sommerkino im Ersten" fällt dieses Jahr kürzer aus als im Vorjahr. Im Interview mit Blickpunkt:Film klärt Degeto-Chefin Christine Strobl über die Hintergründe auf, rechtfertigt die Filmauswahl und verspricht für die Zukunft mehr Kinokoproduktionen.

01.01.1970 01:00 • von Andreas Kloo
Christine Strobl, Degeto-Geschäftsführerin: "Dafür setzte ich mich persönlich ein" (Bild: SWR)

Frau Strobl, die ARD zeigt dieses Jahr im Rahmen des "Sommerkinos" nur sechs Filme, 2012 waren es noch sieben. Warum? Zunächst möchte ich festhalten, dass wir uns gemeinsam mit der Fernsehprogrammkonferenz der ARD grundsätzlich auf acht Kinofilme verständigt haben, die im "Sommerkino im Ersten" gezeigt werden sollen. Dass es nun sechs Filme sind, hängt mit programmplanerischen Aspekten und der Tatsache zusammen, dass dieses Jahr eine Bundestagswahl stattfindet. Ich finde das Filmpaket so hochkarätig, dass es mir weniger auf die Menge der Titel ankommt als auf die Klasse der einzelnen Filme. Daher stimmt es auch nicht, dass wir das SommerKino "eindampfen", sondern wir reagieren auf aktuelle Ereignisse.

Tatsache bleibt, dass trotz erfolgreichem Auftakt des "Sommerkinos" im Vorjahr ein Kinofilm gestrichen wurde. Gab es keine programmplanerischen Alternativen, um doch noch alle Titel zu programmieren? Wir sind mit unserem Spielfilmangebot innerhalb der ARD nicht alleine. Das "Sommerkino" findet in der Sommerpause des Talkformats von Frank Plasberg statt - und der sendet nun mal bis 8. Juli. Betonen möchte ich außerdem, dass wir im Vergleich zum Vorjahr, als Fußball-EM und Olympische Sommerspiele das "Sommerkino" unterbrochen haben, dieses Jahr eine wesentlich kompaktere Programmierung haben. Damit bieten wir den Zuschauern zu einem verlässlichen Sendetermin im Sommer attraktive Kinofilme - genau dieses Gefühl wollen wir mit der Programmierung erreichen.

Über die Auswahl der Titel lässt sich streiten. Warum nur zwei deutsche Produktionen? Mit dem "Sommerkino" präsentieren wir den Zuschauern eine schöne Mischung aus internationalen Highlights und deutschen Produktionen. Vier Titel stammen aus Europa, nämlich aus Deutschland und Großbritannien, zwei sind US-amerikanischer Herkunft. Das Kinogeschäft ist ja sowieso international vernetzt, selbst bei einer US-Produktion wie "Das Leuchten der Stille" haben wir mit Lasse Hallström einen schwedischen Erfolgsregisseur. Unsere Handschrift ist in diesem Jahr etwas historischer mit "The King's Speech", der die Reihe eröffnet, gefolgt von "Goethe!" und "Young Victoria". Dennoch haben wir darauf geachtet, dass wir unterschiedliche Genres und Blickwinkel anbieten.

Zugegeben, die Filme sind qualitativ hochwertig, cineastische Leckerbissen fehlen jedoch weitgehend. Warum? Das sehe ich nicht so. Aber wir haben auch gezielt das Label "Sommerkino" gewählt, weil wir uns um 20.15 Uhr mit einer bunten Mischung aus populärem Arthouse-Kino und unterhaltsamen Filmen an ein breites Publikum wenden. Es gibt andere Spielfilmsendeplätze, wie etwa das "Kinofestival", auf denen wir Filme für ein kleineres Publikum zeigen. Das "Sommerino" ist ein Angebot in den Ferien, in denen wir die Zuschauer in einer entspannten Stimmung vermuten und dort wollen wir sie abholen. Den mehrfach Oscar-gekrönten "The King's Speech" halte ich zum Beispiel für ein cineastisches Highlight und übrigens auch für eine mutige Programmierung, wir haben darum gerungen.

Die Degeto verfügt über einen umfangreichen Filmbestand, trotzdem kauften Sie "Goethe!" von Prosiebensat, wieso? Ich wollte "Goethe!" unbedingt im "Sommerkino" zeigen, auch, weil ich die Regiearbeit von Philipp Stölzl, mit dem wir gerade den "Der Medicus" gemacht haben, sehr schätze, und finde, der Film passt hervorragend zwischen die historischen Produktionen "The King's Speech" und "Young Victoria". Dass wir Filme von Prosiebensat.1 kaufen, ist sicher eher die Ausnahme.

Welches Publikum wollen Sie mit der Spielfilmprogrammierung erreichen? Dem "Sommerkino" ist es vergangenes Jahr sehr gut gelungen, neben dem Stammpublikum auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Ich bin der Meinung, dass das "Sommerkino" dafür besonders geeignet ist, und hier setze ich in diesem Jahr vor allem auf den Film "Türkisch für Anfänger", in Zukunft aber auch auf Filme wie "Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück", den wir aktuell koproduzieren.

Wird es in Zukunft mehr Arthouse-Titel geben? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir das Publikum dafür gewinnen, sich auch auf eigenwilligere Titel einzulassen. Auf die Mischung kommt es an.

Werden es 2014 acht Filme sein, die von der ARD in der Ferienzeit ausgestrahlt werden? Der Auftrag der Degeto lautet, für den Sendeplatz im Sommer acht Spielfilme zu beschaffen. Natürlich wollen wir diese auch einsetzen, aber Fernsehen ist ein aktuelles Medium, daher gelingt das nicht immer.

Ursprünglich geplant waren acht Kinofilme, dieses Jahr sind es sechs, die im "Sommerkino" ausgestrahlt werden. Wie hält es die ARD mit dem Spielfilm? Ich kann die aktuelle Aufregung nicht ganz verstehen. In den Gesprächen, die ich führe, sind alle erstmal zufrieden, dass wir das "Sommerkino" etabliert haben. Aus Sicht der Degeto kann ich versichern: Wir haben unser Engagement für den deutschen Film nicht reduziert, sondern wir sind eher wieder dabei, es auszubauen. Wichtig ist, die Stoffe müssen stimmen.

In welcher Hinsicht ausbauen? Mit "Hectors Reise" oder den geplanten Filmprojekten "Miss Sixty" und Doris Dörries neuestem Film "Alles inklusive (AT)", um nur einige zu nennen, beteiligen wir uns schon heute an einigen deutschen Kinokoproduktionen. Dass es in diese Richtung weitergeht, dafür setze ich mich persönlich ein. ak