Duplication

Singulus über das Optical-Disc-Geschäft

01.01.1970 01:00 • von Mareike Haus

In den vergangenen Jahren präsentierte Singulus Technologies rote Zahlen. Welches waren die größten Probleme? Stefan Rinck: Zum einen leben wir als Maschinenlieferant vom Aufbau. Nur wenn Kapazitäten aufgestockt werden, können wir Maschinen verkaufen. Im CD- und DVD-Markt ist das kaum der Fall. Dorthin liefern wir fast nur noch Ersatzinvestitionen. Zudem gab es den Formatstreit zwischen HD DVD und Blu-ray. Das brachte uns in Schwierigkeiten, weil wir Maschinen für beide Formate entwickeln mussten. Außerdem begannen wir mit der Diversifizierung in andere Bereiche. Es wurden Abschreibungen und Wertberichtigungen notwendig. All das schlug sich in der Bilanz nieder.

2011 erzielten Sie wieder ein positives Ergebnis. Woher kam die Wende? SR: Wir konnten die Schwierigkeiten der Vergangenheit lösen. Der Blu-ray-Markt entwickelte sich für uns positiv. 2011 verkauften wir etwa 50 Maschinen. Zudem lieferten wir in manche Regionen sogar neue DVD-Maschinen. Und auch unser Solargeschäft entwickelte sich sehr positiv.

Warum kam das Blu-ray-Geschäft bei Ihnen erst 2011 richtig in Schwung, wo doch das Format schon länger kräftig wächst? Sylvia Hitzel: Nach dem Ende des Formatstreits, 2008, hatten wir zunächst gute Verkaufszahlen. Das lief sehr vielversprechend an. 2009 kam mit der Finanzkrise ein Einbruch. Zudem war das Blu-ray-Geschäft doch nicht so stark wie erwartet. 2010 haben unsere Kunden das erste Mal ein Blu-ray-Saisongeschäft gespürt. Deshalb haben sie für 2011 mehr investiert. Für 2012 und 2013 gibt es eine ähnliche Erwartungshaltung seitens unserer Kunden. Deshalb glauben wir, dass wir dieses Niveau halten können. Vielleicht schaffen wir es sogar, noch mehr Maschinen zu verkaufen. Derzeit befinden sich weltweit etwa 150 Blu-ray-Anlagen von Singulus im Markt. Inzwischen gibt es quasi keinen Wettbewerber bei Blu-ray-Maschinen. Was bedeutet diese Marktmacht sowohl für Sie als auch für Ihre Kunden? SH: Richtig. Außer uns gibt es niemanden mehr, der für den freien Markt produziert. Das gilt auch bei den Kunden: Nur die Starken sind noch übrig geblieben. Nur sie hatten die Größe, um überhaupt in das Blu-ray-Geschäft einzusteigen. Es gibt nicht mehr so viele Abnehmer. Bei DVD hatten wir über 200 verschiedene Kunden. Bei Blu-ray sind es 30. Das ist eine gegenseitige Verantwortung. Die Kunden sind darauf angewiesen, dass wir Blu-ray-Maschinen und -Ersatzteile liefern können. SR: Als börsennotiertes Unternehmen sind wir sehr transparent. Wir verlangen für unsere Maschinen nicht irgendwelche Fantasiepreise. Unsere Zahlen dokumentieren die gegenseitige Abhängigkeit zwischen uns und unseren Kunden. Außerdem definiert der Markt den Preis für die Disc. Und wir müssen unsere Kunden in die Lage versetzen, diesen Preis mit unseren Maschinen zu erreichen. Wir arbeiten sehr intensiv an der Optimierung, damit unsere Kunden kostengünstiger produzieren können.

Welche Herausforderungen gilt es in diesem Zusammenhang zu meistern? SH: Bei der Produktion eines einzigen Titels erreichen die Maschinen hohe Stückzahlen. Die Herausforderung für die Kunden ist das Kataloggeschäft. Bei acht oder zehn verschiedenen Titeln pro Tag muss die Maschine immer wieder gestoppt und gestartet werden. Deshalb arbeiten unsere Experten intensiv mit den Kunden an schnellen Orderwechseln und der Erhöhung der Tageskapazität. Eine Blu-ray-Maschine kann pro Tag 19.000 Single-Layer-Discs oder 17.000 Dual-Layer-Discs herstellen. Doch ein Kunde erreicht im Schnitt aufgrund vieler Titelwechsel 14.000. Unsere Aufgabe ist es, daraus 15.000 Stück zu machen.

Können Sie im Optical-Disc-Geschäft überhaupt noch neue Kunden gewinnen? SH: Ja. In diesem Jahr haben wir Kunden aus Nord- und Südamerika und auch aus Asien neu hinzugewonnen. Auch in Europa sind in den nächsten Jahren noch einige Neukunden möglich. SR: CD-/DVD-Neukunden bekommen wir zum Beispiel aus Nigeria. Man glaubt gar nicht, wie viele DVDs dort hergestellt werden. Dort gibt es eine große Filmindustrie. In solchen Gegenden sind wir weiter sehr aktiv.

Welches sind für Sie die wichtigsten Märkte im Optical-Disc-Geschäft, und wie unterscheiden sie sich? SH: Am wichtigsten sind Nordamerika und Europa, gefolgt von Asien. Der amerikanische Markt ist stark von Hollywood getrieben. Dort gibt es im Prinzip nur vier Firmen, die Blu-ray Discs fertigen. Natürlich sind diese großen Replizierer wichtig für uns. Schließlich produzieren sie enorme Volumina für die Hollywoodmajors. Europa ist breiter gestreut. Dort gibt es durch die Independents in den regionalen Märkten deutlich mehr Kunden. Aber egal, ob jemand zehn oder nur eine Maschine kauft: Wir machen keinen Unterschied in der Betreuung der Kunden.

Marktforscher halten Blu-ray für das wahrscheinlich letzte physische Medium. Gehen Sie ebenfalls vondiesem Szenario aus? SH: Ja. Das Blu-ray-Format ist sehr anspruchsvoll. Nachfolgetechnologien für vorbespielte Medien, wie zum Beispiel Holografie, hätten enorme Entwicklungskosten. Wir kennen momentan niemanden, der aktiv an der Entwicklung von optischen Speichermedien der vierten Generation arbeitet.

SR: Allerdings könnte die Blu-ray Disc noch optimiert werden. Wir sind in der Lage, auf der Scheibe noch einen dritten oder vierten Layer unterzubringen. So ließe sich eine Kapazität von 75 Gigabyte oder noch höher erreichen. Aber natürlich muss die Nachfrage nach mehr Speicherkapazität vorhanden sein. Schließlich kommen selbst 3D-Filme heute mit 50 Gigabyte aus. In Japan gibt es allerdings schon Filme in vierfacher HD-Auflösung.

Das Geschäft mit physischen Medien ist bereits rückläufig. Wie haben Sie Ihr Unternehmen auf diese Entwicklung vorbereitet? SR: Wir haben uns intensiv Gedanken über die Diversifizierung in andere Bereiche gemacht. Unsere Kernkompetenzen sind Vakuum-, Beschichtungs- und Automatisierungstechnik. Von diesen Dingen verstehen wir wirklich etwas. Als eins von wenigen Unternehmen sind wir in der Lage, das Wissen von Chemikern, Physikern und Ingenieuren gleichzeitig für die Maschinenentwicklung zusammenzubringen. Das breiten wir derzeit mit sehr viel Erfolg auf die Solartechnik aus. Wir sind erst seit vier Jahren in dieser Branche tätig. Trotzdem haben wir schon sehr viele innovative Prozesse entwickelt, die auch von der Industrie akzeptiert werden. Optical Disc steht für zwei Drittel unseres Umsatzes. Doch Solar liegt schon bei über 30 Prozent. Dieser Markt wird für uns immer wichtiger.

Haben Sie weitere lohnende Geschäftsfelder im Visier? SR: Wir engagieren uns ebenso im Halbleitermarkt. Wir schauen uns ständig nach anderen Aktivitäten um. Aber diese müssen in unsere Kernkompetenzen fallen. Wir wollen nur in Märkte einsteigen, die sich entwickeln, in die wir zusätzliche Werte hineinbringen können. Sonst macht es keinen Sinn. Wir gehen nicht in den Verdrängungswettbewerb.