Produktion

Fortsetzung folgt im Internet: Das ZDF-Experiment "Wer rettet Dina Foxx?"

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Der Krimi erreicht seinen Höhepunkt, die Aufnahmen der Überwachungskamera verraten die Identität des Täters - und dann bricht der Film ab. Fortsetzung folgt; aber im Internet. Bei crossmedialen Projekten wie "Kill Your Darling" (ProSieben/ Phoenix) oder "Alpha 0" (SWR/Zeitsprung) funktionierten die TV-Produktionen auch ohne Website. Aber wenn man wissen will, wer den Freund von Dina Foxx ermordet hat, ist man aufs Internet angewiesen. Drei Wochen lang darf man unter www.freidaten.org Detektiv spielen. Der Film steht nach der Ausstrahlung in der Mediathek, außerdem wird er in den ZDF-Digitalsendern Neo und Infokanal sowie in 3sat wiederholt.

"Wer rettet Dina Foxx?" geht auf eine Idee zurück, die Autor und Regisseur Max Zeitler schon vor Jahren hatte. Damals wollte er eigentlich eine Dokumentation über Datensicherheit drehen. Zündender Funke zur Realisierung des Plans war laut Burkhard Althoff, Redakteur des Kleinen Fernsehspiels, der Einfall, das Projekt bimedial umzusetzen. In der Regel, so Althoff, "ist der Fernsehfilm fertig, und dann überlegt man sich, wie ein zusätzliches Onlineangebot aussehen könnte. Bei uns waren beide Medien von Anfang an gleichberechtigt."

Zeitler ließ sich nach eigener Aussage von "Alternate Reality Games" wie etwa "The Beast", aber auch von den Web-2.0-Strategien eines J ("Lost") inspirieren. Im Kern der gesamten Handlung steht seine Frage: "Wie könnten Menschen in Zukunft manipuliert werden, wenn die Datensammlungen über sie so dicht werden, dass man von digitalen Doppelgängern sprechen könnte?" Die ZDF-Zentralredaktion Neue Medien wurde in Person von Redakteurin Milena Bonse mit ins Boot geholt, und dann ging alles ganz schnell. Kein Wunder: Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft; viele Versatzstücke, die heute noch Science-Fiction sind, können morgen schon Realität sein. Andere existieren allerdings schon, weshalb die Spots, in denen Dina Foxx (Jessica Richter) als "Datagrrl" beispielsweise darauf hinweist, dass man selbst durch das individuell ganz unterschiedliche Tippen auf der Tastatur erkennbar ist, hochaktuell sind. Der crossmediale Charakter der Produktion soll laut Claudia Tronnier, Redaktionsleiterin des Kleinen Fernsehspiels, gewährleisten, dass man die avisierte Zielgruppe auch erreicht: "Deshalb werben wir in den sozialen Netzwerken, das war von vornherein Teil des Konzepts." Crossmedial waren auch die Entwicklung der Drehbücher und die Produktionsweise. "Das ist das Besondere an diesem Projekt", sagt Althoff: "Das Internetangebot ist nicht bloß Ergänzung, sondern in intensiver Zusammenarbeit mit Programmierern, Internetgrafikern und Game-Entwicklern entstanden." Die Autoren des Filmdrehbuchs (Zeitler und Boris Dennulat) standen in ständigem Austausch mit den Mitarbeitern des kurz zuvor gegründeten UFA Lab, weil im Film natürlich bereits all jene Details auftauchen müssen, denen später im Internet eine besondere Bedeutung zukommt. Der Kommunikationsaufwand sei entsprechend hoch gewesen, sagt Althoff, aber alle Beteiligten betrachteten ihr Engagement offenbar auch als Investition in die Zukunft: "Beide Seiten haben eine Menge Erfahrungen für weitere Projekte gesammelt." Für den Internetauftritt wurden drei Stunden Videomaterial gedreht und 14 Internetseiten gebaut.

Der 50 Minuten lange Fernsehfilm ist eine Produktion von Teamworx Ludwigsburg. Der didaktische Ansatz ist zwar nach wie vor spürbar, aber im Vordergrund steht dennoch der Wille, zu unterhalten. Natürlich, so Althoff, wolle man mit dem Projekt "Menschen ansprechen, die eher Internet-affin sind. Aber wir hoffen, dass wir auch traditionelle Fernsehzuschauer ins Internet locken können." Eine Prognose, wie viele das sein könnten, wagt niemand. Dank einer cleveren Programmplanung ist man beim ZDF jedoch zuversichtlich: "Wer rettet Dina Foxx?" wird am 20. April um 23.20 Uhr im Anschluss an die Übertragung des spanischen Pokalfinales zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid gezeigt. Im Unterschied zu vielen Fußballfans wird man an diesem Mittwoch beim Kleinen Fernsehspiel und in der Zentralredaktion Neue Medien die Daumen drücken, dass es keine Verlängerung gibt. tpg