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Iñárritu, Takeshi und Leigh im Cannes-Wettbewerb

Das Festival de Cannes hat heute einen großen Teil seines Programms bekannt gegeben - denn noch ist die Auswahl nicht abgeschlossen. In der Nebenreihe Un Certain Regard wurden zwei deutsche Regisseure eingeladen. Im Wettbewerb wartet das Festival wieder mit zahlreicher internationaler Filmprominenz auf.

15.04.2010 12:32 • von Jochen Müller

Das Festival de Cannes hat heute einen Großteil des Programms für die von 12. bis 23. Mai dauernde diesjährige Festivalausgabe bekannt gegeben. Noch weist die Filmliste Lücken auf, denn Thierry Frémaux und sein Team haben die Auswahl noch nicht abgeschlossen, die sich diesmal offenbar bis kurz vor Festivalstart hinziehen wird. Das Festival avisiert den 5. Mai als Termin an, ab dem "detaillierte Informationen" verfügbar seien. Unter den jetzt genannten Filmen finden sich viele asiatische und lateinamerikanische Beiträge. Nach dem Auftakt mit Ridley Scotts Eröffnungsfilm "Robin Hood" (außer Konkurrenz) konkurrieren u.a. um die Goldene Palme: González Iñárritus "Biutiful", Abbas Kiarostamis "Copie conforme", Mike Leighs "Another Year", Lee Chang-dongs "Poetry", Rachid Boucharebs "Hors-la-loi", Doug Limans "Fair Game",Bertrand Taverniers "La princesse de Montpensier", Xavier Beauvois' "Des hommes et des dieux", Im Sang-soos "The Housemaid", Takeshi Kitanos "Autoreiji", Daniele Luchettis "La nostra vita", Nikita Michalkows "Utomlyonnye solntsem 2", Mahamat-Saleh Harouns "Un homme qui crie" und Sergei Loznitsas "Du, mein Glück" - eine internationale Koproduktion, an der von deutscher Seite die ma beteiligt ist. Mit deutscher Beteiligung entstanden auch Mathieu Almarics "Tournée" (Neue Mediopolis Filmproduktion ist hier Produktionspartner) und Apichatpong Weerasethakuls "Loong Boonmee Raleuk Chaat", an dem die Kölner Firmen GFF Film- und Fernsehproduktion und The Match Factory beteiligt sind.

Außer Konkurrenz läuft Oliver Stones "Wall Street - Geld schläft nicht", Woody Allens "You Will Meet a Tall Dark Stranger" und Stephen Frears' "Tamara Drewe".

Als Sondervorführung wird etwa "Over Your Cities Grass Will Grow" von Sophie Fiennes, gezeigt, "Nostalgie de la lumière" von Patricio Guzmán und "Abel" von Diego Luna. In Un Certain Regard wurde - wie schon spekuliert - Christoph Hochhäusler mit seinem dritten Spielfilm "Unter dir die Stadt", produziert von Heimatfilm, eingeladen - er hatte vor fünf Jahren bereits "Falscher Bekenner" in der Sektion präsentiert. Außerdem zeigt Oliver Schmitz seinen in Südafrika gedrehten "Life, Above All", eine Produktion von Dreamer Joint Venture Filmproduktion in Koproduktion mit Senator Film Produktion, Niama Film und Wizard in Köln. Auch zwei Altmeister des europäischen Autorenfilms sind im Certain Regard vertreten: Jean-Luc Godard (mit "Film Socialisme") und Manoel de Oliveira (mit "O estranho caso de Angelica").

Auch wenn kein deutscher Regisseur in den Wettbewerb eingeladen ist, darf man sich also nicht über mangelnde deutsche Präsenz an der Croisette beklagen. Wer weiß, was Frémaux noch kurz vor Start aus dem Hut zaubert. Tom Tykwers neuer Film "Drei", der im Vorfeld Teil der Spekulationen war, wird jedoch nicht dabei sein. Der Film war gar nicht erst eingereicht worden, weil von Seiten der Produktion immer schon feststand, dass der für seine penible Schnittarbeit bekannte Regisseur den Film niemals rechtzeitig hätte fertig stellen können. Damit ist er automatisch ein potentieller Kandidat für .

Ein großes Fragezeichen steht noch hinter dem zuletzt als sicher geltenden "The Tree of Life" von Terrence Malick. Offenbar schneidet der Regisseur weiterhin und behält es sich vor, sein Okay für eine Teilnahme in Cannes zu geben. Sicher ist jedenfalls, dass das Auswahlkomitee eine vorläufige Kopie des Films sichten konnte. Weiterer Kandidat für einen der noch offenen Wettbewerbsplätze ist Olivier Assayas' Politthriller "Carlos, der Schakal" (deutscher Produzent: Egoli Tossell Film Halle). Als gesichert gilt darüber hinaus die Festivalteilnahme des Director's Cut von Volker Schlöndorffs "Die Blechtrommel", der 1979 die Goldene Palme ex aequo mit "Apocalypse Now" gewann.