Film

100 Jahre Kinotradition

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Angepriesen wurden die flimmernden Schwarz-Weiß-Bilder, die im ehemaligen Theatersaal von einem Klavierspieler begleitet wurden, als "Theater lebender Photographien". Saßen die Zuschauer anfangs noch an gedeckten Tischen, machte der Andrang schon vier Jahre später einen Umbau nötig: Im gleichzeitig in Union-Theater umbenannten Kino saß man künftig auf Stuhlreihen, nach dem Ersten Weltkrieg wurde die erste feste Bestuhlung installiert. Mittlerweile hatte sich das Filmtheater auch einen Ruf als gesellschaftlicher Treffpunkt erarbeitet - der Volksmund sprach gar vom "Knutschpalast". 1927 übergab Heym das Kino an seinen Sohn Hans und dessen Schwester Elisabeth Sawatzki, die das Kino in Kammer-Lichtspiele umbenannten. 1951 ging der Betrieb an Sawatzkis Sohn Karl-Heinz, der den alten Saalbau abriss und 1954 die 700 Zuschauer fassenden Kammerspiele eröffnete. Diese überdauerten auch das abrupte Ende des Kinobooms, 1978 wurde der große Saal in Kammer und Movie unterteilt, den Aufschwung der Achtzigerjahre nutzte die Familie Sawatzki dann zu einer Generalrenovierung, gleichzeitig übertrug Karl-Heinz Sawatzki das Kino auf seinen Sohn Hans-Georg Sawatzki. 1995 stand eine Erweiterung um zwei Säle und ein weiterer Namenswechsel zu Cinemagic an, am 15. Oktober 2001 eröffnete schließlich nach einem weiteren Neubau das heutige Cineplex, das als hochmodernes Multiplexkino über sieben Kinosäle und 1250 Sitzplätze verfügt. Vom "Kinematographen-Theater" bis zum Cineplex: Die Familie Sawatzki feiert in diesem November das 100-jährige Jubiläum ihres Familienbetriebs. bf