Film

Produzent Harald Müller zieht sich mit 95 zurück

13.02.2007 17:06 • von Jochen Müller

Natürlich waren viele Schauspieler da: "Der Alte" Rolf Schimpf, Franziska Bronnen oder Marita Marschall und natürlich Klaus Hoffmann und Leonie Thelen, die Stars aus dem Deutschen-Filmpreis-Gewinner "Die neuen Leiden des jungen W", der in einer Sondervorführung nochmals im Münchner Filmmuseum gezeigt wurde. Regisseur Eberhard Itzenplitz und Kameramann Franz Rath ließen es sich nicht nehmen und erinnerten gemeinsam mit Harald Müller an die aufreibende Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs Roman. Müller musste damals Mitte der 70er Jahre zuerst Plenzdorfs Drehbuchfassungen, später Original-DDR-Requisiten von Ost nach West befördern - unbemerkt versteht sich. "Die Leiden des jungen W." war die erste DDR-Literaturverfilmung im westdeutschen Fernsehen und steht symbolhaft für die größte Leidenschaft des Produzenten Müller. "Literaturverfilmungen waren für mich von jeher ein Hobby", bekennt er im Gespräch. Von 1969 an widmete er sich mit seiner Firma Artus Film Durbridge und Simenon, Heinrich Böll, Jurek Becker und Martin Walser. "Das Einhorn", 1977 entstanden für den SWF, zählte wie auch "Ein fliehendes Pferd" zu seinen großen Erfolgen. Dass Rainer Kaufmann Walsers Roman gerade neu verfilmt hat, schien ihm nicht so recht zu gefallen. Dabei sollte es der Methusalix unter Deutschlands Filmproduzenten auch als Kompliment für seinen Film mit Vadim Glowna und Marita Marschall auffassen. Müller war es auch, der Utta Danella fürs Fernsehen entdeckte. Den ersten Film der Degeto-Reihe, "Der schwarze Spiegel" mit Sonja Kirchberger, produzierte er 2000 noch selbst, ehe die Bavaria das Ruder übernahm. Auf die großen Konzerne wie Bavaria, UFA oder Studio Hamburg ist er nicht ganz so gut zu sprechen. Sich neben ihnen zu behaupten falle Firmen der Größenordnung seiner Artus immer schwerer.

Wenn Müller von seinen Produktionen spricht, dann spricht er gern von "meinen Kindern". Vor seinem Rückzug, den er nun "schweren Herzens" antritt, hat er vier seiner am liebsten gewonnenen Kinder in fremde Obhut gegeben. Die bereits erwähnten "Das Einhorn" und "Die neuen Leiden des jungen W." dazu "Das Brot des Bäckers" von Erwin Keusch (1976) - ebenfalls mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet - und "Zwischengleis" (1982), von Wolfgang Staudte nach Dorothea Dhan inszeniert, wandern nun in den Rechtestock der Verleihfirma Transit Film, die bekannt dafür ist, sich besonders um deutsche Filme zu bemühen. Karl-Otto Saur, der den Bundesverband Deutscher Fernsehproduzenten vertrat, sieht in dem Transfer ein "sehr wertvolles Vermächtnis für den deutschen Film". fra