Film

VdF-Positionspapier zur FFG-Novellierung in Arbeit

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Hocherfreut geben sich Vorstand und Geschäftsführung des VdF von der positiven Grundstimmung im Verband und der "hohen Kooperationsbereitschaft der Theaterverbände" (Johannes Klingsporn), mit denen man die Themen des kommenden Jahres gemeinsam angehen möchte. Dazu gehören die Digitalisierung des Kinos, aber auch die Größe des Filmangebots, das der Verleiherverband als problematisch ansieht und seine wesentliche Ursache laut VdF darin findet, dass die Zahl der Kleinverleiher, die ein bis drei Filme pro Jahr in die Kinos bringen, in den vergangenen drei Jahren um 55 Prozent zugenommen hat. In diese Problematik spielt nach wie vor auch der Auswertungsdruck hinein, der auf Blockbustern lastet, die mit hoher Kopienzahl starten und dadurch andere Filme verdrängen. Zwar sehen die Verleiher diese Tatsache grundsätzlich als eine Angelegenheit des Markts an, die dieser bis zu einem gewissen Grad selbst regeln kann und muss. Doch wird durchaus angemerkt, dass durch diese Konstellation auch Zuschauer verloren gehen. "Wenn Filme in ihren Laufzeiten abgewürgt werden, ist das ein Problem", sagt Thomas Peter Friedl, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands. "Wenn man mittelfristig bei der jetzt üblichen Anzahl von Kopien bleibt, braucht man einen größeren Kinopark. Ich glaube, dass sich ein zweiter Kinomarkt entwickeln wird, der die Langläufer aufnimmt."

Auch das Raubkopiererproblem wird nach wie vor als eine der wichtigsten Baustellen der Verbandsarbeit identifiziert. Dazu gehört in gleichem Maß der Zweite Korb des Urheberrechtsgesetzes. Der Verband wendet sich strikt gegen jede Art von Bagatellklausel. "Eine Bagatellklausel darf es auf keinen Fall geben", gibt sich Johannes Klingsporn kämpferisch. Eine gemeinsame Baustelle mit den Kinos ist der elektronische Kartenverkauf, der durch die Erfordernis eines SPIO-Siegels auf jeder verkauften Kinokarte erschwert wird. Hier ist der VdF bereit, Abhilfe zu schaffen. "Wenn wir auf ein SPIO-Siegel verzichten", so Klingsporn, "dann müssen wir über die Zertifizierung von Computerprogrammen nachdenken und einen Leitfaden zur Abrechnungskontrolle erstellen. Insofern wäre es sinnvoll, die Strukturen der kinointernen Datenbanken so zu gestalten, dass eine gemeinsame Auswertung möglich sein wird." Digitalisierung wird 2007 ein großes Thema Zu den Themen Abrechnungskontrolle und D-Cinema wird der VdF Workshops anbieten. Das digitale Kino wird ab Februar, wenn die FFA voraussichtlich ihre Spezifizierungsliste veröffentlicht hat, eine sehr große Rolle spielen. Einen Vorgeschmack auf die zu erwartende Diskussion gab die Runde der Vorstandsmitglieder, als sie eine große Anzahl detaillierter Aspekte ansprach, die es beim Roll-out zu berücksichtigen gilt. Weitere Themen für das kommende Jahr sind das Jugendschutzgesetz, die Anforderungen, die das neue Filmanreizmodell an die Verleiher stellt, sowie das MEDIA-Programm, dessen bürokratische Hürden dazu führen, dass Verleiher Herausbringungshilfen erst recht spät ausgezahlt bekommen. Außerdem wird sich der Verband verstärkt der Marktforschung widmen und möchte sich möglichst früh mit einem Positionspapier zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG) zu Wort melden. Aufgebaut werden soll hier auf dem Papier, das zur letzten Novellierung erarbeitet wurde. Erste Punkte, gegen die sich der VdF wendet, sind: der regelmäßig auftretende Wunsch einiger Einzahler, weniger abgeben zu wollen, oder Wünsche, dass die FFA mehr Fernsehprodukte fördern soll. Aber auch der VdF hat Wünsche: eine andere Verteilung von FFA-Mitteln nach Paragraf 68 FFG im Übergangszeitraum der digitalen Umstellung. "Wir glauben, dass es da einige Diskussionen geben wird, und halten es daher für sinnvoll, möglichst früh die eigenen Positionen darzustellen", schließt Klingsporn die Auflistung. Klingsporn berichtete überdies von einem im Ausland beheimateten Server, der deutsche Raubkopien zugänglich macht und auf dessen Seiten deutsche Markenfirmen werben. Diese Firmen sollen gezielt angesprochen werden. "Wir sind der Überzeugung, dass bei den Firmen überhaupt kein Bewusstsein darüber besteht, wo ihre Werbegelder hingehen. Als Verband möchten wir dieses Thema auf politischer Ebene angehen", so Klingsporn.

In den Vorstand des VdF wurden nach Ernst Szebedits' Ausscheiden Marlies Weber (Delphi) und Arne Höhne (Piffl) neu gewählt. Den Platz von Szebedits im geschäftsführenden Vorstand übernahm Thomas Peter Friedl (Constantin) neben den wiedergewählten Martin Bachmann (Sony Pictures) und Peter Sundarp (Central). Ebenfalls wiedergewählt wurden Markus Zimmer (Concorde), Stephan Hutter (Prokino) und Wilfried Geike (Warner Bros).

Erstmals verlieh der VdF den Kino-Champion, ein Preis, der die herausragenden Leistungen eines Kinos in Sachen regionales Marketing würdigt. Erste Preisträger waren Julia Michel vom Cineworld in Dettelbach und Sven Weser vom Programmkino Ost in Dresden. Die aus Martin Bachmann, Ernst Szebedits, Peter Sundarp und Martin Kochendörfer bestehende Jury wählte die Gewinner aus 35 Vorschlägen aus. In der Begründung der Jury für das Cineworld Dettelbach heißt es: "Das Kino zeichnet sich durch ein hohes Engagement aus, Filmstarts mit ideenreichen lokalen Marketingmaßnahmen vor Ort zu unterstützen." Zum Programmkino Ost: "Die Arbeit von Sven Weser zeichnet sich durch eine konsequente Programmierung und ein besonderes Gespür für den Filmeinsatz aus."