Film

Nachgefragt bei Sven Weser

01.01.1970 01:00 • von Jochen Müller

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung durch den Verband der Filmverleiher? Der Preis kam sehr überraschend und wir fühlen uns sehr geehrt. Schließlich wurden wir von den Verleihern aus der Gesamtheit der deutschen Kinos ausgewählt. Letztlich ist es eine Achtung unserer Arbeit.

Sie wurden schon mehrfach für Ihr Programm ausgezeichnet. Ich glaube jedoch, dass die Verleiher einen anderen Blickwinkel haben und den Kino-Champion nicht wegen der Qualität vergeben, sondern v.a. wegen des Zusatzangebots des Betreibers.

Welches Zusatzangebot zeichnet Ihr Kino aus? Wir versuchen über das sorgfältig ausgewählte Programm hinaus, Labels unter unserem Kinonamen zu kreieren. So gibt es bei uns zum Beispiel das "Schnullerkino" für junge Familien und ihre Babys oder das Frühstückskino, das mit einem Brunch und einer Matineevorstellung ebenfalls für gute Presse und Besucherzahlen sorgt. Außerdem gibt es noch unsere Festivalprojekte, wie das Cinema Italia oder die Französischen Filmtage. Hierbei zählten wir innerhalb von acht Tagen 4500 Besucher in unserem 200-Sitzplätze-Saal. Diese Zusatzangebote sind nicht zu unterschätzen. Ein weiteres Standbein ist unser Angebot lokaler Projekte. Fast jeden Monat zeigen wir einen Titel, der überregional wohl wenig Chancen hätte, aber durch seinen regionalen Bezug hier ein Publikum findet. Damit haben wir noch nie eine Pleite erlebt.

Wie fiel das laufende Kinojahr bislang für das Programmkino Ost aus? Intuitiv geht es den Kinos im Arthouse-Bereich in Dresden allen gleich gut bzw. schlecht. Durch die Filmschwäche im zweiten Halbjahr kann man mit diesem Jahr eigentlich nicht zufrieden sein. Der Markt ist sehr schwierig und fragil, wie im Vorjahr auch schon. Deswegen sind Marketingmaßnahmen auch so wichtig. Ohne diese Projekte hätten wir gar keine Chance mehr. Zusatzangebote gehören nicht mehr zur Kür, sondern sind die Pflicht, wenn man halbwegs über die Runden kommen will.