Film

Starke Namen im Wettbewerb von Venedig

Das Programm der 63. Mostra internazionale d'arte cinematografica ist heute nachmittag bekannt gegeben worden.

27.07.2006 16:30 • von Stefanie Zimmermann

Das Programm der 63 ist bekannt gegeben worden. Ein Festival, das mit starken Namen, aber leider keinem deutschen Regisseur aufwartet. Es dominieren Titel aus den USA, Japan und dem alten Europa, darunter auffällig viele französische (Ko-)Produktionen. Aber auch je ein Film aus dem Tschad und aus Thailand sind mit von der Partie. Im 21 Titel umfassenden Wettbewerb um den Goldenen Löwen konkurrieren neben Brian De Palmas Eröffnungsfilm "The Black Dahlia" (an dem die deutsche Equity Pictures AG als Koproduzent beteiligt ist) u.a. Alfonso Cuarón mit "Children of Men", Darren Aronofsky mit "The Fountain", Allen Coulter mit "Hollywoodland", Stephen Frears mit "The Queen", Emilio Estevez mit "Bobby", Emanuele Crialese mit "Nuovomondo", Benoît Jacquot mit "L'intouchable", Alain Resnais mit "Petites Peurs Partagées", Jean-Marie Straub und Danièle Huillet mit "Quei loro incontri", Johnny To mit "Fangzhu" und die Österreicherin Barbara Albert mit "Fallen". Albert war schon vor sieben Jahren mit ihrem Erstling "Nordrand" im Wettbewerb am Lido vertreten gewesen. Ein deutscher Regisseur findet sich nicht unter den Wettbewerbsbeiträgen, mit Beteiligung der Berliner Egoli Tossell Film AG entstand jedoch Paul Verhoevens "Black Book - Zwartboek", in dem Sebastian Koch und Christian Berkel in Hauptrollen besetzt wurden. Das vom Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Drama um eine jungen jüdischen Sängerin, die in den letzten Kriegstagen vor den Nazis auf der Flucht ist, wurde Ende letzten Jahres u.a. in Studio Babelsberg gedreht.

Zum ersten Mal in der Geschichte Venedigs laufen alle 21 Wettbewerbsbeiträge als Weltpremiere, wie Festivalleiter Marco Müller auf der Pressekonferenz stolz betonte. Auffällig viele US-Titel, sonst eher schmückendes Beiwerk außer Konkurrenz, stellen sich in diesem Jahr dem Wettbewerb.

Außer Konkurrenz laufen neun weitere hochkarätige Titel, darunter David Lynchs "Inland Empire", Oliver Stones "World Trade Center", Santiago Amigorenas "Quelques jours en Septembre" oder David Frankels "Der Teufel trägt Prada". Zudem werden acht weitere Filme, darunter Neil LaButes "The Wicker Man" und Kiyoshi Kurosawas "Sakebi" im Mezzanotte-Programm respektive als Sondervorführung gezeigt.

Die offizielle Nebensektion Orizzonti präsentiert u.a. Ethan Hawkes Regiedebüt "The Hottest State", Douglas McGraths "Infamous". Zwei deutsch koproduzierte Filme finden sich in der Nebenreihe: "Rome plustot que vous" des algerischen Regisseurs Tariq Teguia sowie "Suely" von Karim Ainouz (Brasilien/Frankreich/Deutschland). In der Dokumentarreihe Orizzonti Doc läuft "Heimat - Fragmente" von Edgar Reitz und Christian Reitz, rund 40 Szenen über die "Heimat"-Protagonistin Lulu, gleichsam ein Porträt über Frauen des vergangenen Jahrhunderts. Reitz war vor zwei Jahren mit "Heimat 3" in Venedig zu Gast gewesen und saß letztes Jahr in der Wettbewerbsjury. Auch Spike Lee ist mit einem Dokumentarfilm vertreten, mit "When the Leeves Broke. A Requiem in Four Acts". Jurypräsident der Orizzonti-Sektion ist in diesem Jahr Philip Gröning, der im Vorjahr mit "Die große Stille" am Lido vertreten war.

In die Nebensektion Venice Days wurden drei deutsche Koproduktionen eingeladen. Die Auswahl des Kurzfilmwettbewerbs wurde noch nicht bekannt gegeben, laut German Films sollen dort jedoch mindestens zwei deutsche Beiträge laufen.

Die Retrospektiven der Mostra gliedert sich dieses Jahr in drei Reihen. The Secret History of Russian Cinema präsentiert gemeinhin unbekannte Werke aus den dreißiger bis siebziger Jahren, u.a. von Grigori Alexandrow und Iwan Pyrjew. Die Sektion The Secret History of Italian Cinema geht in die dritte Runde, u. a. mit nicht ganz so geheimen Titeln wie "Rom, offene Stadt" von Roberto Rossellini, "Ossessione" von Luchino Visconti oder Sergio Leones "Für ein paar Dollar mehr". Außerdem wird Joaquim Pedro de Andrade, einer der Väter des Cinema Novo in Brasilien, mit einer Werkschau geehrt. Mostra 2006